Facebook befeuert Zyngas Börsencomeback

Was für ein Unterschied eine Woche machen kann: Facebooks Börsenzulassungsantrag am vergangenen Mittwoch hat nicht nur wilde Debatten über die Bewertung des Social Networks entfacht, sondern vor allem die Kurse von Internetaktien elektrisiert. LinkedIn und Groupon erlebten zweistellige Kursrallies – vor allem aber Zynga erlebt einen regelrechten Kaufrausch. Um mehr als 50 Prozent liegen die Anteilscheine seit Facebooks S1-Fliling im Plus und sind plötzlich selbst das heißeste Ticket auf Facebook vor dem Börsengang.

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Was für ein Unterschied eine Woche machen kann: Facebooks Börsenzulassungsantrag am vergangenen Mittwoch hat nicht nur wilde Debatten über die Bewertung des Social Networks entfacht, sondern vor allem die Kurse von Internetaktien elektrisiert. LinkedIn und Groupon erlebten zweistellige Kursrallies – vor allem aber Zynga erlebt einen regelrechten Kaufrausch. Um mehr als 50 Prozent liegen die Anteilscheine seit Facebooks S1-Fliling im Plus und sind plötzlich selbst das heißeste Ticket auf Facebook vor dem Börsengang.

Der Abgesang schien geschrieben: Als größter Internet-Börsengang seit Google mit großen Hoffnungen im vergangenen Dezember gestartet, enttäuschte Zynga Anleger fast von der ersten Minute an. Schon am ersten Handelstag fiel das Papier unter den Ausgabekurs zurück. Bei nur noch 8 Dollar, 20 Prozent unter Ausgabekurs, notierte der Social Games-Anbieter gar wenige Wochen später.
Für Silicon-Valley-Ikone Paul Kedrosky ("Infectious Greed") war Zyngas Weg nach unten damit noch nicht zwangsläufig zu Ende. Bis auf 6 Dollar könne Zynga dieses Jahr nach unten durchgereicht werden, mutmaßte Kedrosky.

Facebook-Börsengang beflügelt Kursfantasie

Doch das Gegenteil war der Fall. Erst griffen Schnäppchenjäger zu, die sogenannte "Quiet Period", in der Unternehmen nichts über Geschäftstätigkeit oder  zukünftige Strategie äußern dürften endete, Banken hoben die Kursziele an, schließlich beflügelten Spekulationen über eine Legalisierung des Online-Glückspielsmarkts. Ergebnis: Nach sechs dürren Wochen an der Wall Street sprang die Zynga-Aktie endllich wieder über den Einstandskurs. Der Anbieter von Social Games war immerhin wieder 7 Milliarden Dollar wert.

Dann folgte die Kursexplosion. Die Meldung vom nahenden Facebook-IPO machte die Runde, die Details folgten eine Woche später – und die sahen viel besser für das nicht mal fünf Jahre Spiele-Startup aus. Es war bekannt, dass Facebook 30 Prozent der Umsätze an Social Games wie FarmVille oder MafiaWars kassiert – nicht aber, welche Bedeutung die Kooperation im Umkehrschluss besitzt. 

Wechselbeziehung: Zynga braucht Facebook – und andersherum

Natürlich braucht Zynga das weltgrößte soziale Netzwerk, das schon in diesem Sommer die 1 Milliarde-Nutzer-Grenze durchbrechen könnte. Doch der 200 Seiten starke Zulassungsantrag Facebooks macht auch deutlich, dass die Allianz anders herum von elementarer Bedeutung ist. 445 Millionen Dollar oder 12 Prozent von Facebooks Gesamtumsätzen stammen bereits von Zynga.

Angesichts der nicht gerade umwerfenden Wachstumsraten, die die Bilanz des Geschäftsjahres 2011 enthüllt, ist die Bedeutung des Social Games-Partners über Nacht schlagartig gestiegen. Nicht nur, dass der immerhin schon zweistellige Anteil an den Gesamterlösen höher ausfiel als von Branchenexperten zuvor erwartet – das Segment der Bezahlinhalte stach auch noch der durchwachsenen Jahresbilanz hervor.

Das Geschäft mit Bezahlinhalten boomt bei Facebook

Facebooks Erlöse durch klassische Online-Werbung stiegen im vergangenen Jahr gerade mal um 42 Prozent – was hinter den Erwartungen zurückblieb und auch weitaus weniger Wachstum darstellt, als Google es in derselben Reifephase nach sieben Jahren präsentieren konnte.

In anderen Worten: Das Geschäft mit Bezahlinhalten, von denen Zynga mit seinen virtuellen Gütern lebt, ist das eigentliche positive Ausrufezeichen in der Bilanz des weltgrößten Social Netzworks. Der Unternehmensbereich wuchs im vergangenen Jahr um atemberaubende 500 Prozent auf eine halbe Milliarde Dollar an.

Hoffnungsträger Zygna: Facebook braucht das Wachstum

Entsprechend ist Zynga binnen weniger Tage vermeintlich abhängigen Kooperationspartner, dem Facebook die Konditionen der Partnerschaft diktieren kann, zum eigentlichen wirtschaftlichen Hoffnungsträger des Social Networks aufgestiegen. Das US-Internet-Portal Mashable brachte die die neuen Kräfteverhältnis auf den Punkt: "Wir brauchen Zyngas Umsätze",  schlagzeilte Mashable stellvertretend für größten Börsenkandidaten des Jahres.

Tatsächlich erscheint die Einschätzung mehr als nachvollziehbar: Im Jahr des Börsengangs, der mit der extrem ambitionierte Bewertung von bis zu 100 Milliarden Dollar über die Bühne gehen könnte, braucht Facebook jedes Prozent überdurchschnittliches Wachstum, das bei Anlegern Kursfantasie entfachte, die wiederum die sportliche Bewertung rechtfertigt.

Kursexplosion: Zynga-Aktie schießt um 57 Prozent nach oben

Zyngas neue Position der Stärke haben auch Anleger sofort ausgemacht. Am vorvergangenen Freitag, kurz bevor das Wall Street Journal die Pläne des bevorstehenden S1-Filings bekannt machte, notierte das junge Internet-Unternehmen von Mark Pincus noch bei 9,20 Dollar.

Eine Woche später, nachdem die Bilanz-Details bekannt wurden, war die Zynga-Aktie plötzlich auf ein neues Allzeithoch bei 14,46 Dollar emporgeschossen – ein enormes Kursplus von 57 Prozent in nur sechs Handelstagen! Auch gestern notierte das Papier nach leichten Gewinnmitnahmen bei 13,25 Dollar immer noch 45 Prozent über der Marke vorm Bekanntwerden des Facebook-IPO – und damit 33 Prozent über dem Ausgabekurs.

Wie gut sich Zynga operativ selbst schlägt, können Anleger in der kommenden Woche bei Vorlage der ersten Quartalsbilanz dem Börsenlisting überprüfen.

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