Auflagen-Schwindel bei G+J-Tochter News

Publishing Gruner + Jahrs österreichische Tochter News kommt nicht zur Ruhe. Nachdem vor rund einem Jahr Verlagschef Matthias Schönwandt wegen Verstößen gegen die Corporate Compliance gehen musste, gab sein Nachfolger Axel Bogocz nun in einem Interview mit dem Standard zu, dass „über die letzten Jahre teilweise deutlich überhöhte Auflagen gemeldet wurden“. Es soll um bis zu 30 Prozent geschummelt worden sein. Die Auflagenkontrolle (ÖAK) kündigte nun eine außerordentliche Sonderprüfung an.

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Eine versehentliche Falschmeldung schließt der ehemalige Bravo-Geschäftsführer Bogocz in dem Interview aber ausdrücklich aus: „Jemand hat in der Vergangenheit sehr bewusst falsche Zahlen an die ÖAK gemeldet“, sagt er. „In der Sekunde, als uns das klar geworden ist, haben wir das sofort abgestellt und Kontakt mit der ÖAK aufgenommen.“ Die Folge: Bei der aktuellen Meldung für die zehn News-Titel, die am 24. Februar veröffentlicht wird, werden „deutlich geringere Auflagen“ zu lesen sein und gleichzeitig frühere Meldungen nach unten korrigiert werden.

Die Manipulationen bewegen sich je nach Titel zwischen zwei und 30 Prozent. Im Durchschnitt wurden rund elf Prozent der Verkaufsauflage geschönt. „Das ÖAK-Präsidium hat umgehend Schritte für eine außerordentliche Sonderprüfung der korrigierten Werte aller dieser Titel vom 2. Halbjahr 2010 bis zum 1. Halbjahr 2011 unternommen“, teilt der Verein nun mit. Für die Prüfer steht allerdings fest, dass es mit dem aktuellen System unmöglich gewesen sein soll, Manipulation zu entdecken.

Den oder die Schuldigen nennt Bogocz aus rechtlichen Gründen nicht. Allerdings sagt er klar, dass die Auflagenmanipulationen nicht der wahre Grund für die Demission seines Vorgängers waren. „Schönwandt ist, wie das 2011 kommuniziert wurde, über die Verhaltensregeln von Gruner + Jahr für Geschenke an Kunden gestolpert. Entdeckt, aufgeklärt und abgestellt wurde diese ÖAK-Praxis in meiner Amtszeit. So etwas kann ich überhaupt nicht akzeptieren.“

Die Verlagsgruppe News bezeichnet sich mit seinen 15 Magazinen als Österreichs größter Zeitschriftenverlag. Laut Unternehmensdarstellung erreicht der Verlag eine Reichweite von 39,2 Prozent in Österreich und kommt auf eine Gesamtauflage von drei Millionen Heften pro Monat.

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