ARD: Einigung im App-Streit fraglich

Publishing Eine Einigung zwischen den öffentlich-rechtlichen Sendern und den Zeitungsverlegern über zulässige Formen der Berichterstattung im Internet scheint nicht so schnell zu erreichen sein. Die Redaktionskonferenz Online (RKO) der ARD hat den SWR-Intendanten Peter Boudgoust aufgefordert, einer gemeinsamen Erklärung nicht zuzustimmen. Würde er das tun, müssten die Sender künftig auf eigenständige Text-Berichte verzichten. Diese Regelung gefährde aber die Zukunft der Sender, glaubt die RKO.

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Die taz zitierte am Freitag ausführlich die Stellungnahme der RKO an Boudgoust. Über die ablehnende Haltung zur ausgearbeiteten gemeinsamen Erklärung hatte bereits der Spiegel berichtet. Kern der Erklärung, deren Inhalt Ende Januar publik wurde, ist eine Vereinbarung, dass sich die TV-Sender mit ihrem Online-Angebot weitestgehend auf Video und Ton beschränken sollen und die Verlage auf die Berichterstattung in Text und Bild. 

Peter Boudgoust, der ARD-intern für die Online-Angebote verantwortlich ist, hatte bisher nicht an den Verhandlungen zwischen ARD, ZDF und Bundesverband deutscher Zeitungsverleger (BDZV) teilgenommen. In der von ihm erbeteten Stellungnahme der Redaktionskonferenz Online (RKO) heißt es laut taz nun, dass der Entwurf hinter den Rundfunkstaatsvertrag zurückgehe und "im Widerspruch" zu früheren Kommentaren der ARD-Intendanten stehe.

In der Stellungnahme heiße es weiter: "Die aktuelle journalistische Arbeit" für die ARD Web-Angebote "kann nicht auf eine eigenständige redaktionelle Berichterstattung in Textform verzichten oder diese zur Ausnahme machen". Das erklärte Ziel sei zwar "der verstärkte Einsatz von Video- und Audioelementen", aber um eine "an den Erwartungen und Bedürfnissen der Nutzer orientierte aktuelle Berichterstattung zu gewährleisten", müssten die Online-Angebote der ARD "auch auf Texte und Fotos zurückgreifen und zwar so, wie sich die Standards hierfür im Netz – nicht in den Printmedien – herausgebildet haben".
Würde die ARD den Forderungen der Verleger nachgeben und sich bei den Internet-Angeboten vornehmlich auf Video und Ton konzentrieren, "würde nicht nur die publizistische Relevanz (…) geschwächt, sondern auch die öffentlich-rechtlichen Sender insgesamt. Denn es ist uns doch sehr bewusst, dass sich immer größere Teile des Publikums vorrangig mit Hilfe von aktuellen, medienspezifisch gestalteten Online-Angeboten informieren".

Ursprung der Debatte war der Streit um die App der Tagesschau. Die mehrere Millionen mal heruntergeladene Anwendung enthält nicht nur Bewegtbildinhalte, sondern sehr viele textlastige Berichte – die in dieser Form auch auf der Webseite der Tagesschau abzurufen sind. Eine Reihe von Verlagen hatte Klage gegen die App eingereicht. Das zuständige Gericht in Köln hatte die Parteien aufgefordert, sich zu einigen. Diese Einigung sollte eigentlich bis Mitte Februar erzielt werden. Dass es es dabei bleibt, ist nach der Stellungnahme der RKO aber mehr als fraglich. Ob und wie Boudgoust sich die Empfehlung tatsächlich zu Herzen nimmt ist unklar.

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