Wie echt ist “Rach, der Restauranttester”?

Fernsehen Jeden Montag versammeln sich über sechs Millionen Zuschauer vor dem Fernseher und sehen, wie “Rach, der Restaurantester” bei RTL ein scheinbar hoffnungsloses, von der Pleite bedrohtes Restaurant rettet. Sind die Rach-Geschichten zu schön, um wahr zu sein? RTL beteuert: “Die gezeigten Fälle sind authentisch und real.” Dass einige Gastwirte auch nach dem Rach-Besuch nicht die Kurve kriegen, sei normal. Laut Bild-Zeitung sind mittlerweile 27 von 50 Restaurants aus der Sendung gescheitert.

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Die Bild zitiert den Restauranttester: “Für mich wäre es bei 50 Häusern sogar ein Erfolg, wenn wir auch nur eines mittel- oder langfristig retten könnten.“ Von den 50 Restaurants, bei denen nachgefragt wurde, sind immerhin 23 noch erfolgreich. Auf Anfrage von MEEDIA bei RTL sprach man beim Sender sogar von einer Erfolgsquote zwischen 60 und 70 Prozent. Die unterschiedliche Bewertung kommt wahrscheinlich dadurch zustande, dass man “Erfolg” auch unterschiedlich definieren kann.

Keinen Definitionsspielraum gibt es beim Erfolg der Sendung. “Rach der Restaurantester” ist ein Quotengarant für RTL. Bei der aktuell laufenden sechsten Staffel sind im Schnitt über sechs Millionen Zuschauer dabei, wenn Rach Provinzwirte auf Trab bringt. Die Sendung folgt dabei (auf deutlich höherem Niveau) einem psychologischen Grundmuster, das auch andere Dokusoaps erfolgreich macht: Der Zuschauer kann sich an den schmuddeligen Küchen und unfähigen Gastwirten/Köchen delektieren. Dann kommt Rach und sagt wo es langgeht, wie es gemacht werden muss. Die unfähigen Gastronomen durchleben einen Prozess der Läuterung und finden den Weg zum Erfolg (wenn sie Rachs Anweisungen befolgen) oder aber sie scheitern (wenn sie Rachs Anweisungen missachten).

In früheren Staffeln wurden die Nachbesuche von Rach immer in eine Extra-Sendung gepackt. Mittlerweile findet der Kontrollbesuch schon in der jeweiligen Folge statt. Das ist für die Zuschauer befriedigender – man erfährt sofort, ob die Rettung des Restaurants erfolgreich war oder nicht. Die Rechnung wird sofort serviert.

Es beschleicht einen beim Betrachten der jüngsten Folgen allerdings ein seltsames Gefühl. Die Restaurant-Rettungen des Christian Rach wirken immer unwahrscheinlicher. Egal wie mies der Koch, egal wie schmuddelig das Restaurant, egal wie konfus die Buchhaltung – bis zu 15 Minuten vor Neueröffnung herrscht noch das totale Chaos, dann fügt sich alles wundersam in Windeseile und – Hurra! – das Restaurant ist gerettet.

RTL-Redakteur Jovan Evermann zu MEEDIA: “Die Sendungen bilden die Wirklichkeit ab. Manchmal gibt es ein Happy End, manchmal nicht, das hängt davon ab, wie sich die Situation im Restaurant entwickelt. In der vergangenen Staffel hatten wir eher Glück, dass es so war. Aber in zwei Fällen bezweifelt selbst Christian Rach am Ende der Sendung, ob es weiterhin funktionieren wird.”

Auch in der Sendung am gestrigen Montag, als Rach dem Restaurant Zapperlott in Korschenbroich auf die Sprünge helfen wollte, kamen einem während der Sendung Zweifel, ob das wirklich gut gehen kann. Die Wirtin hektisch, unbelehrbar und gesundheitlich angeschlagen. Der Koch wortkarg und offenbar mit mittelmäßigem Talent gesegnet. Am Ende saßen beide bedröppelt bei Rach am Tisch. Die Wirtin klagte, dass es nicht gut läuft und Rach erklärte, dass das bestimmt daran liegt, dass gerade Ferien sind. Draußen vor der Tür gab es von Rach dann den obligatorischen “Disclaimer”, dass die beiden “bestimmt noch nicht über den Berg” seien. Abspann.

RTL und Rach legen Wert darauf, dass es beim “Restauranttester” keine Scripted Reality gibt, also keine für die Kamera gestellten Szenen. In der zweiten Folge der aktuellen Staffel ging wegen eines technischen Kameradefekts die “Begrüßungsszene” im Restaurant Britannia Inn verloren. Die Folge begann mit dem Verkosten der Speisen. Rach: "Für mich ist es ein absolutes No Go, zu sagen, hey kannst du nochmal weinen, kann ich nochmal reinkommen, hey können wir nochmal so machen als kennen wir uns nicht. Nein, warum sollen wir das tun? Wir sind keine Schauspieler, wir können das nicht wiederholen, wir werden dem Zuschauer einfach erzählen, wie es ist."

Klingt toll und super-authentisch, aber ganz ohne kleine Tricksereien kommt auch der Restauranttester nicht aus. In Teasern auf aktuelle Folgen werden Konflikte suggeriert, die dann nicht stattfinden. Im Teaser vor der letzten Werbepause wird vor dem Kontrollbesuch Rachs sehr oft ein Ausschnitt so gewählt, dass der Eindruck entsteht, Rach könne womöglich nicht zufrieden sein. Er ist es dann aber doch. Das sind kleine Manipulationen, um die Zuschauer bei der Stange zu halten und das funktioniert: Die Quote der sechsten Staffel liegt auf Rekord-Niveau. Sogar bei der relativ unspektakulären Folge “Zapperlott” schalteten sechs Millionen ein.

Mit solchen kleinen TV-Taschenspielertricks setzen Rach und RTL aber womöglich langfristig ihren guten Ruf mit dieser Sendung aufs Spiel. Damit die Sendung glaubwürdig bleibt, muss die Chance des Scheiterns gegeben sein.

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