Gottschalk, Schmidt, Dietl: Quo vadis?

Fernsehen Thomas Gottschalk, Harald Schmidt, Helmut Dietl - sie alle waren Unterhaltungs-Giganten der 1990er-Jahre, standen im Zenit ihres Erfolges und drehten 1999 mit "Late Show" sogar einen gemeinsamen Film. Jetzt, im Jahr 2012, haben sie eine weitere Gemeinsamkeit: Alle drei sind mit ihren aktuellen Projekten so erfolglos wie selten zuvor: Gottschalks ARD-Show dümpelt im Quotenkeller, Schmidts Zuschauerzahlen sind noch mieser und Dietls neuer Kinofilm "Zettl" legte einen Fehlstart hin.

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Für Helmut Dietl waren die 1990er-Jahre der große Durchbruch. Nach seinen Fernseh-Erfolgen mit den Serien "Monaco Franze" (1983) und "Kir Royal" (1986) drehte er 1992 seinen ersten großen Kinofilm – und erreichte mit der Komödie zum Hitler-Tagebuch-Skandal "Schtonk!" mehr als 2,1 Mio. Kinobesucher. Fünf Jahre später lief es noch besser: "Rossini – oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief" entsprach perfekt dem damaligen Zeitgeist und fand in den deutschen Kinos sogar 3,2 Mio. Zuschauer. 1999 kam dann noch "Late Show" in die Kinos – Dietls Film mit Thomas Gottschalk und Harald Schmidt in den Hauptrollen. Er war kein so großer Hit mehr, sammelte aber immerhin noch 860.000 Besucher ein.

Für Dietl war "Late Show" aber der Beginn seines Abstiegs in der Belibtheitsskala: 2005 kam "Vom Suchen und Finden der Liebe" nicht einmal mehr auf 600.000 Zuschauer und sein neuester Film "Zettl" legte mit rund 65.000 Besuchern am Premieren-Wochenende einen großen Fehlstart hin. Zum Vergleich: "Vom Suchen und Finden der Liebe" erreichte an seinem ersten Wochenende noch 121.000 Leute.

Ähnlich der Werdegang von Thomas Gottschalk: In den 1980er Jahren begann sein Aufstieg vom Radiomann zum TV- und Kinostar. Er drehte erfolgreiche Kino-Komödien, moderierte ZDF-Shows wie "Na sowas!" und übernahm 1987 schließlich "Wetten, dass..?" von Frank Elstner. Mehr als 20 Mio. Zuschauer begeisterte er bis in die 1990er-Jahre hinein, selbst 1999 schaffte Gottschalk noch einmal den Sprung über die 18-Mio.-Marke.

In den 1990er Jahren machte Gottschalk zudem bei den damals noch relativ jungen Privatsendern Karriere: 1990 moderierte er seine RTL-Personality-Show, von 1992 bis 1995 mit "Gottschalk Late Night", die wohl bis heute erfolgreichste Late-Night-Show des deutschen Fernsehens. Erfolgreiche Shows bei Sat.1 folgten bis 1999 ehe Gottschalk wieder komplett zum ZDF zurück kehrte. Seit Januar ist der 61-Jährige nun das neue Aushängeschild am ARD-Vorabend – und erfährt dort mit voller Kraft, wie es sich anfühlt, einen Quotenflop zu landen. Nach 4,36 Mio. Zuschauern in der Premieren-Sendung fiel schon die vierte Show unter die 2-Mio.-Marke und blieb dort bis jetzt.

Für Harald Schmidt waren die 1990er-Jahre gleichzeitig Beginn und Aufstieg seiner TV-Karriere. Nach "Pssst…" und "Schmidteinander" moderierte er "Verstehen Sie Spaß?" und ab 1995 dann "Die Harald Schmidt Show" bei Sat.1. Bis zu 2,40 Mio. Zuschauer erreichte er, mit einem Prime-Time-Special sogar mehr als 4 Mio. Nach einer fast sieben Jahre langen Rückkehr ins Erste, die mit Tiefpunkten wie "Schmidt & Pocher" im Nachhinein wohl nur als großes Missverständnis gewertet werden kann, sendet er nun wieder bei Sat.1. Allerdings: im Quotenkeller. Sahen die erste Show am 13. September noch 1,40 Mio. Leute, schaffte er seit November kein einziges Mal mehr den Sprung über die Mio.-Marke. 2012 dümpelt er bisher bei 0,42 Mio. bis 0,82 Mio. Sehern herum, erzielt bei den 14- bis 49-Jährigen völlig ungenügende Marktanteile von 3,4% bis 6,9%.

Was ist also mit diesen drei Helden der 90er-Jahre los? Warum will sie im Jahr 2012 niemand mehr sehen? Sind ihre Ideen in der Vergangenheit stecken geblieben? Sind sie nicht mehr zeitgemäß? Es ist zumindest auffällig, dass alle drei Zeitgeist in ihr Schaffen bringen wollen und damit scheitern: Gottschalk beispielsweise mit Facebook-Elementen, Schmidt mit seiner Twitterei, Dietl mit der Hype-Stadt Berlin. In einer ARD-Filmkritik zu Dietls Film "Zettl" gab es einen Satz, der letztlich für alle drei gelten kann. Er hieß sinngemäß: "Man kann in der Gegenwart nicht mehr mit den Ideen der 80er- oder 90er-Jahre arbeiten, nur: Wer sagt das Helmut Dietl?" Es scheint so, als müsse sich jemand finden, der es allen dreien erzählt.

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