Facebook-Börsengang: die großen Gewinner

Der Tag danach: Facebook geht an die Börse – und die Internetwelt spielt verrückt. Tatsächlich verändert das IPO das Leben von Investoren und Mitarbeitern der ersten Stunde gewaltig. Buchstäblich über Nacht sind tausende von ihnen Millionäre – und einige sogar Milliardäre geworden. Gründer Mark Zuckberg könnte in der Zukunft der reichste Mensch des Planeten werden, während ein Graffitti-Künstler die beste Bezahlungsform seines Lebens wählte. Ein Überblick über die Glücksritter des Facebook-Börsengangs.

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Der Tag danach: Facebook geht an die Börse – und die Internetwelt spielt verrückt. Tatsächlich verändert das IPO das Leben von Investoren und Mitarbeitern der ersten Stunde gewaltig. Buchstäblich über Nacht sind tausende von ihnen Millionäre – und einige sogar Milliardäre geworden. Gründer Mark Zuckberg könnte in der Zukunft der reichste Mensch des Planeten werden, während ein Graffitti-Künstler die beste Bezahlungsform seines Lebens wählte. Ein Überblick über die Glücksritter des Facebook-Börsengangs.
Tatsächlich: Was für einen Unterschied ein Tag machen kann. Seit dem 1. Februar ist klar: Facebook wird bald als Aktiengesellschaft an der Börse gehandelt – Unternehmensanteile werden damit auf dem Kapitalmarkt veräußerbar. Mit dem Einreichen des Zulassungsantrags – dem sogenannten S1-Filing – bei der US-Börsenaufsicht ist auch die Aktionärsstruktur bis zur 5-Prozentschwelle endlich einsehbar. Und die liest sich wie eine einzige Gewinnerliste. Das sind die großen Profiteure:

1. Mark Zuckerberg

"Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist", stellte der französische Großschriftsteller Victor Hugo bereits Mitte des 19. Jahrhunderts fest. 150 Jahre später kann die richtige Idee auch wertvoller als andere sein: Das beweist der schier unglaubliche Erfolg von Mark Zuckerberg, der als 19-jähriger Harvard-Student morgen vor exakt acht Jahren "TheFacebook.com" launchte – seine Online-Version des Studentenverzeichnisses der US-Eliteuniversität.

Die Wirren jener Tage sind inzwischen in "The Social Network" oscarprämiert, die Pionier-Leistung der folgenden acht Jahre ist nun auch monetär messbar. 850 Millionen Nutzer in einem einzigen sozialen Netzwerk zu vereinen, ist eine schier unglaubliche Erfolgsgeschichte, die nur noch vom Geldreigen der Wall Street getoppt wird. Mark Zuckerberg, der immer noch 28,4 Prozent an Facebook besitzt, wird am Tag des Börsengangs nämlich 21 bis 28,4 Milliarden Dollar schwer sein – je nachdem, zu welcher Bewertung das Social Network an die Börse kommt.   

Der inzwischen 27-jährige ist damit über Nacht zu einem der größten Kapitalisten der Menschheitsgeschichte geworden – aus dem Stand dürfte er bereits zu den zehn reichsten Personen dieses Planeten zählen. Nur die Microsoft- und Oracle-Gründer Bill Gates und Larry Ellison sind mit Vermögen von mehr als 30 bzw. mehr als 50 Milliarden Dollar in der Technologie- und Internet-Landschaft noch wohlhabender. Aber: Geht Facebooks enorme Wachstumsstory weiter, könnte das weltgrößte Social Network den jungen Gründer vielleicht sogar noch vor seinem 30. Geburtstag zum reichsten Mann der Welt machen.

2. Die Mitbegründer

Man kennt die Protagonisten aus dem "Social Network". "Eine Million ist cool?" fragt da ein aufgekratzter Justin Timberlake, der den damaligen Facebook-Präsidenten Sean Parker verkörpert. Um sich dann selbst die Antwort zu geben: "Weißt Du, was wirklich cool ist? Eine Milliarde ist cool!" Für Zuckerberg gilt das im Mai im Idealfall gleich 28-fach. Und für den ehemaligen Mitbegründer der Online-Musiktauschbörse Napster? Parker trat Mitte 2004 als Gründungspräsident von Facebook in Erscheinung, musste das Unternehmen aber nach Kokainbesitz eineinhalb Jahre später verlassen. Er nahm einen Anteil von sieben Prozent am Internet-Startup mit.

Im Börsenprospekt ist davon allerdings nichts mehr zu sehen – zumindest nicht in dieser Höhe. Nur Einzelpersonen, die mehr als fünf Prozent am Unternehmen halten, werden namentlich genannt: Parker zählt ebenso wie der damaligen Mitbegründer Eduardo Severin, Chris Hughesand und Andrew McCollum nicht mehr dazu. Ein (Groß-)Teil ihrer Anteile dürfte in der jüngeren Vergangenheit  privat veräußert worden sein – und das  wohl nicht zu Dumpingpreisen, schließlich wurde Facebook bereits vor einem Jahr nach dem Goldman Sachs-Investment mit über 50 Milliarden Dollar bewertet. Halten die Gründer weiter jeweils mehr als ein Prozent am Unternehmen (bei Parker sollen es sogar noch vier Prozent sein), könnte ihr Anteil beim IPO mit mehr als einer Milliarde veredelt werden.

Facebook als Investment in großem Umfang treu geblieben ist der frühere Mitbegründer Dustin Moskovitz, der bis November 2009 im Unternehmen blieb und dann Asana gründete. Sein Anteil bis heute: 7,6 Prozent an Facebook, der im Ideallfall beim Börsengang also 7,6 Milliarden Dollar wert sein könnte.

3. Investoren

Es ist die Blaupause eines jeden Wagniskapitalgebers: Einmal im Leben ein Startup wie Facebook in der Gründungsphase erwischen und das Investment vervielfachen. Gelungen ist das dem Deutschen Venture Capitalist Peter Thiel, der 2004 als Erster in Facebook investiert. Bis heute hält Thiel, der seinen Ruf mit in einem Investment in PayPal begründete, das er später an eBay verkaufte, 2,5 Prozent an Facebook. Entsprechend macht der Börsengang den 44-Jährigen gleich zum zweifachen Milliardär.

In noch größeren Dimensionen bewegt sich dagegen Jim Breyer, der mit seiner Beteiligungsgesellschaft Accel bemerkenswerte 11,4 Prozent an Facebook hält. Breyer hatte ein untrügliches Gespür für das Potenzial des Social Networks und investierte bereits ein Jahr nach der Gründung 13 Millionen in das Start-up. Es hat sich mehr als ausgezahlt: Nach Zuckerberg ist der Superinvestor, den Forbes auf Platz eins seiner "Midas List" führt, der zweitgrößte Aktionär des Internet-Unternehmens und wohl bald ein zweistelliger Milliardär.

Nicht weniger risikobereit war ein anderer Kapitalgeber einige tausend Kilometer entfernt vom Silicon Valley. Yuri Milner ist fraglos das Aushängeschild der boomenden russischen Internetwirtschaft (Mail.ru) und erkannte mit Investments im ganz großen Still zu durchaus fortgeschrittenen Bewertungen zwischen 2007 und 2009 das Potenzial des boomenden Social Networks. Heutiges Volumen der Beteiligung laut S1-Filing: 5,4 Prozent, die im Idealfall entsprechend über 5 Milliarden Dollar wert sein können.

Auch andere Wagniskapitalgeber wie Netscape-Gründer Marc Andreessen (0,19 Prozent) oder die Beteiligungsgesellschaft T Rowe Price (0,64 Prozent) dürften sich zum Börsengang über eine dreistelliges Millionensumme freuen.

4. Management und Mitarbeiter

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben? Nicht bei Facebook. Zwar ist klar: Je später die Firmenzugehörigkeit, desto mehr vom Kuchen wurde zu lukrativeren Durchschnittspreisen verteilt. Trotzdem: Nach Presse-Schätzungen dürfte der Börsengang etwa 1000 Facebook-Mitarbeiter zu Millionären machen. Bei einer Belegschaft von aktuell 3200 Personen wäre das fast jeder dritte Mitarbeiter!

Keine Frage, dass die Bescherung im Top-Management gleich um ein Vielfaches höher ausfällt: Finanzchef David Ebersmann etwa besitzt 0,11 Prozent am Unternehmen und wäre damit 100-facher Millionär, COO Sheryl Sandberg besitzt ein paar Aktien weniger und liegt ebenfalls in diesen Dimensionen. Aber: Die 42-jährige ehemalige Google-Managerin besitzt noch riesiges Aktienpaket von fast 40 Millionen Anteilsscheinen, das unter bestimmten Restriktionen steht – etwa dem Fall einer Kündigung. Läuft Sandbergs Karriere weiter so glatt wie bisher, wäre sie beim IPO bis zu 2 Milliarden Dollar schwer.

5. Der Graffiti-Künstler

Es ist der Stoff, aus dem Legenden sind. Einmal im Leben zufällig etwas ganz Wertvolles finden – und den Schatz erst Jahre später entdecken. Die Blaue Mauritus der Online-Ära geht an David Choe. Der Graffiti-Künstler verschönerte die ersten Facebook-Büros 2005 in Palo Alto, als Sean Parker noch Präsident des jungen Startups war. Das Leben war einzige eine Party, wie zu besichtigen im Hollywood-Blockbuster "Social Network", das durften auch die angesagtesten Graffitis nicht fehlen.

David Choe sollte nach Angaben der New York Times mit "ein paar tausend Dollar" entlohnt wollten, er selbst bevorzugte eine Honorierung in Aktien – und das, obwohl er  Facebook damals für "sinnlos und lächerlich" hielt. Choe wurde so als "Berater" zum Miteigentümer des Startups, auch wenn es  sich nur um den mikroskopisch großen Firmenanteil von 0,20 Prozent handelte. Sieben Jahre später sind die jedoch schon über 200 Millionen Dollar wert – und vielleicht in ein paar Jahren noch mehr. Merke: Kunst zahlt sich am Ende eben doch aus. 

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