Schneider-Buch: Knüwer-Klage vom Tisch

Publishing Im Disput zwischen Bloggern und Sprach-Papst Wolf Schneider und seinem Kardinal Paul-Josef Raue gerät etwas in Vergessenheit: Bei all dem Streit um Relevanz von Blogs und dem Stellenwert von Web-Journalisten ist den Autoren im neuen Kapitel zum Online-Journalismus ein echter handwerklicher Patzer unterlaufen: Sie gaben ein Zitat von Thomas Knüwer völlig falsch wieder. Der Gründungsredakteur der deutschen Wired ging erst gegen den falschen O-Ton vor, einigte sich nun aber mit dem Rowohlt-Verlag.

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In der Neuauflage des "Handbuchs des Journalismus und des Online-Journalismus“ wird Knüwer mit den Worten zitiert: “Online-Redakteure sind die dummen Textschrubber, die nichts können.” Damit wird er zum Prototypen des Print-Journalisten aufgebaut, der auf die Arbeit der Web-Worker herabblickt. Zum großen Pech der Autoren lautet das richtige Zitat jedoch: “Aber Onliner sind aus Sicht vieler Printkollegen nur die dummen Textschrubber, die nichts können.”

Der Journalist und Social-Media-Berater war erst so verärgert, dass er durchsetzen wollte, die entsprechende Stelle zu schwärzen. Allerdings einigte er sich nun mit dem Rowohlt-Verlag, dass auf der Webseite zum Buch auf den Fehler hingewiesen und das falsche Zitat bei der nächsten Auflage geändert wird.

„Ich habe mich sehr geärgert“, erklärte Knüwer gegenüber MEEDIA. „Mir war aber von Anfang an klar, dass die Schuld nicht bei Rowohlt liegen würde. Dass mein Zitat falsch aus dem Web kopiert wurde, beweist allerdings die Schneider-These, dass Texte im Internet nicht sonderlich konzentriert gelesen werden – das scheint zumindest auf seinen Co-Autoren Paul-Josef Raue zuzutreffen.“

In seinem Blog legt der Düsseldorfer noch einmal in Richtung Raue nach: „Ein Chefredakteur, der nicht mal in der Lage ist, richtig zu zitieren? Ja, der Journalismus in Deutschland hat ein Problem“, schreibt er. „Doch es sind nicht die jungen Leute, es ist nicht das Internet und Social Media. Es sind die alten Herren, die sich für das journalistische Geschenk an die Menschheit halten. Die hoffen, die Veränderung der Welt aufhalten zu können, indem sie schreiben, dass sie sich nicht verändere – und wenn, dann zum Üblen.“

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