Tiefpunkt: Sat.1 fällt unter die 10%-Marke

Fernsehen Von einem "bestellten Haus" hat Andreas Bartl im Herbst gesprochen, als er die Sat.1-Geschäftsführung an Joachim Kosack abgab. Wie "bestellt" das Haus tatsächlich ist, zeigt sich bei den Januar-Marktanteilen. Mit 9,9% erreicht der Sender bei den 14- bis 49-Jährigen den schlechtesten Wert der vergangenen 20 Jahre, wenn man vier Monate mit Fußball-EMs und -WMs außen vor lässt. Souveräner Marktführer bleibt RTL, das sich gegenüber dem Dezember deutlich verbesserte - auch im Gesamtpublikum ist RTL die Nummer 1.

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Der Januar bei den 14- bis 49-Jährigen:

9,9% – ein bitterer Wert für Sat.1, der in den vergangenen 20 Jahren nur viermal unterboten wurde – im Juni 1998, im Juni 2006, im Juni 2008 und im Juni 2010 – In Monaten also, in denen Fußball-WMs und -EMs das TV-Geschehen bestimmt haben und bei den Privaten für einen Ausnahmezustand gesorgt haben. Dass nun ausgerechnet in einem Januar, dem TV-Konsum-stärksten Monat des Jahres erstmals außerhalb solcher Turniere eine 9 vor dem Komma des Sat.1-Marktanteils steht, ist dramatisch. Gründe dafür gibt es viele: Der neue Donnerstag mit Ulla Kock am Brink und Julia Leischik war ein Desaster und wurde nach zwei Wochen schon beendet, erfolgreiche Premieren gab es nicht und Harald Schmidt darf nun an drei Spätabenden das Publikum vertreiben. Man mag sich nicht vorstellen, wie der Marktanteil ohne "The Voice of Germany" aussehen würde.

Nummer 1 bleibt bei den 14- bis 49-Jährigen RTL, das den Januar mit einem lachenden und einem weinenden Auge abschloss. Das lachende Auge sieht das starke Plus von 2,1 Prozentpunkten gegenüber dem Dezember, das weinende das Minus von 2,0 Zählern gegenüber dem Januar 2011. Damals war "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus" noch erfolgreicher und "Deutschland sucht den Superstar" war noch ein Megahit. Deutlich zulegen konnten im Januar zudem Vox und Das Erste, zu den Verlierern gehörte neben Sat.1 vor allem das ZDF, ProSieben und RTL II büßten jeweils nur 0,1 Zähler ein.

Apropos "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus". Zwar lockte die RTL-Dschungelshow vor einem Jahr noch mehr Publikum vor die Fernseher, doch der 2012er-Staffel gelang dennoch etwas Unglaubliches: Alle 16 regulären Episoden finden sich in der Top 20 der meistgesehenen Programme der 14- bis 49-Jährigen wieder. Allerdings: Platz 1 eroberte sich der ProSieben-Katastrophenfilm "2012" – und das mit deutlichem Vorsprung. Ebenfalls in der ansonsten eintönigen Liste vertreten sind die beiden ersten "Two and a Half Men"-Folgen mit Ashton Kutcher, sowie eine Folge von "Deutschland sucht den Superstar". Nur eine.

Der Januar im Gesamtpublikum:

Insgesamt sieht es zumindest an der Spitze der Monats-Charts ähnlich eintönig aus, aber statt "Ich bin ein Star" dominiert hier der ARD-"Tatort". Natürlich liefen im Januar keine 16 Sonntags-Krimis, dafür aber fünf – und diese fünf finden sich im Ranking auf den Plätzen 1, 2, 3, 4 und 7. Gewonnen haben mit jeweils 9,50 Mio. Zuschauern die Folgen vom 8. und 15. Januar – "Tatorte" aus Köln und Leipzig. Auch die erfolgreichste Nicht-"Tatort"-Sendung des Monats war ein Krimi: "Stubbe" stellte im ZDF mit 8,91 Mio. Sehern einen neuen Alltime-Rekord für die Reihe auf.

Insgesamt ist Das Erste satte 15 mal in der Januar-Top-20 vertreten, auf Platz 9 u.a. auch noch mit dem Interview, das Bundespräsident Wulff ARD und ZDF gegeben hat. Das ZDF wiederum findet sich mit "Stubbe" und "Traumschiff" nur zweimal in der Liste, ebenso wie RTL mit zwei "Ich bin ein Star"-Ausgaben. Einen starken zehnten Platz sicherte sich der ProSieben-Blockbuster "2012", Sieger bei den 14- bis 49-Jährigen.

Im Sender-Ranking führt auch hier RTL, größter Aufsteiger des Monats ist aber Das Erste, das sich um einen Prozentpunkt auf 12,9% und damit den besten Marktanteil seit Juni verbesserte. RTL gewann 0,8 Zähler hinzu, das ZDF 0,1. Zu den Verlierern gehört auch hier Sat.1, das ebenso wie ProSieben 0,3 Prozentpunkte einbüßte. Jeweils 0,2 Zähler gingen kabel eins und RTL II abhanden, Vox verbesserte sich um 0,3.

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