Assauers Alzheimer beim “heute journal”

Fernsehen Die Alzheimer-Erkrankung des früheren Fußball-Managers Rudi Assauer war Bild am Montag den Titel wert. Dass die Boulevard-Zeitung ausführlich über die Krankheit eines Prominenten berichtet, ist nicht weiter verwunderlich, zumal Assauer selbst mitwirkt, um über Alzheimer aufzuklären. Befremdlich aber ist, wenn das “heute journal” im ZDF im Gleichschritt mit der Bild marschiert und die ersten zehn Minuten in Boulevard-Manier über Assauers Alzheimer berichtet. Angereichert mit viel Eigen-PR.

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“Guten Abend, die Politik soll heute warten. Wir beginnen mit einer Geschichte, die nichts besonderes mehr ist, weil sie millionenfach passiert.” Mit diesen Worten und einem zünftigen Frosch im Hals begann Claus Kleber die “heute journal”-Ausgabe vom Dienstag, 31. Januar 2012. Er hätte auch sagen können: „..einer Geschichte, die nichts besonderes mehr ist, weil sie heute schon groß in der Bild stand.“

Es ist ein denkwürdiges Datum für das “heute journal”, denn die traditionsreiche ZDF-Sendung hat an diesem Dienstag um um 21.45 Uhr aufgehört, eine glaubwürdige Nachrichtensendung zu sein. Zumindest in den ersten zehn Minuten war das “heute journal” alles Mögliche – Boulevard-Magazin, People-Format, Ratgebersendung – aber keine Nachrichtensendung.

Die Zuschauer sahen Rudi Assauer wie er geht, wie er Zigarre raucht, wie er über seine Krankheit spricht. Die betroffene Stimme aus dem Off: “Es ist kaum sichtbar, aber die Veränderung ist dramatisch. Darüber möchte Rudi Assauer reden – mit uns.” Und mit der Bild. Aber das hat das ZDF „vergessen“ zu erwähnen. Nach dem hoch emotionalen Filmbetrag führte Claus Kleber noch ein Ratgebergespräch mit einem Experten für Alzheimer. Und danach: Eigenwerbung nicht vergessen!

“Unsere Online Kollegen haben eine umfangreiche Sammlung zum Thema Leben mit Alzheimer angelegt. Dort finden sie das volle Spektrum. Tipps zur Vorbeugung, Ratschläge für Angehörige und Berichte aus der Wissenschaft”, leierte Kleber die Sender-PR herunter. Fehlt da nicht was Herr Kleber? Ach so ja, Filmbeiträge! Das ZDF ist ja ein TV-Sender und man will keinen weiteren Ärger mit den aufgeregten Verlegern. Also: “Aber auch berührende, bewegende Filme. Den Einstieg in diese Internet Welt finden sie wie immer über heute.de.” Nach der Werbeeinblendung für die eigene Web-Seite gab es noch einen Hinweis auf den kommenden Freitag. Dann ist der öffentlich-rechtliche Patient Rudi Assauer bei “den Kollegen von der Redaktion ‘Volle Kanne’” und am nächsten Dienstag gehen die Rudi-Assauer-Festspiele im Zweiten weiter mit einer “37 Grad”-Reportage nach dem “heute journal”: Rudi Assauer über seine Krankheit und was sie bedeutet.

Gerade erst hat das ZDF eine Jubel-Meldung versendet, dass das “heute journal” im Jahre 2011 das “erfolgreichste Nachrichtenmagazin in der Primetime” war. Zitat: ZDF-Chefredakteur Peter Frey sieht die Sendung in Top-Form. Moderatoren und Redaktion gelinge es in herausragender Weise, Nachrichten erzählend aufzubereiten. Souveräne Programmgestaltung und konsequente Verknüpfung mit dem Netz sieht Frey dabei als Erfolgsfaktoren.” Wenn das so weitergeht wie am Dienstag vorexerziert, dürfte das “heute journal” auch im Jahr 2012 wieder gute Quoten einfahren. Nur den Zusatz “Nachrichten” sollte man dann ehrlicherweise überdenken: “Das ‘heute journal’ war auch 2012 wieder eine erfolgreiches Boulevard- und Ratgebermagazin zur Primetime.” Ja, so ungefähr könnte das dann heißen.
Das "heute journal" mit Rudi Assauer in der ZDF Mediathek

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