Warum Jonathan Franzen E-Books hasst

Publishing Dass der US-Bestseller-Autor Jonathan Franzen (“Die Korrekturen”, “Freiheit”) kein Freund von E-Books ist, hat er bereits in diversen Interviews betont. Jetzt hat er das britische Hay Festival genutzt, um eine neuerliche Tirade gegen E-Books und ihre Leser loszulassen. Für ernsthafte Leser sei ein Gefühl der Beständigkeit immer Teil der Lese-Erfahrung, so Franzen. Papier sei “ziemlich gute Technik.” Man könne Wasser drüberschütten und es funktioniere immer noch.

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Dass der US-Bestseller-Autor Jonathan Franzen (“Die Korrekturen”, “Freiheit”) kein Freund von E-Books ist, hat er bereits in diversen Interviews betont. Jetzt hat er das britische Hay Festival genutzt, um eine neuerliche Tirade gegen E-Books und ihre Leser loszulassen. Für ernsthafte Leser sei ein Gefühl der Beständigkeit immer Teil der Lese-Erfahrung, so Franzen. Papier sei “ziemlich gute Technik.” Man könne Wasser drüberschütten und es funktioniere immer noch.

Nun ja. Wem schon mal ein gedrucktes Buch in die Badewanne gefallen ist, der weiß, dass es zwar noch “funktioniert”, aber wirklich Spaß macht das Lesen in den gewellten, aufgequollenen Seiten auch nicht mehr. Aber an dem, was Jonathan Franzen auf dem britischen Kunstfestival sagte und das vom Telegraph aufgezeichnet wurde, ist ja tatsächlich einiges Nachdenkenswerte.

In Bezug auf ein gedrucktes Buch sagte Franzen: “Es wird in zehn Jahren auch noch großartig funktionieren. Also kein Wunder, dass Kapitalisten es hassen. Es ist ein schlechtes Geschäftsmodell.” Franzen weiter: “Jemand hat wirklich hart gearbeitet, um die Sprache genau so hinzubekommen, wie es gewollt war. Man war so überzeugt davon, dass man es mit Tinte gedruckt hat, aus Papier. Ein Bildschirm fühlt sich immer so an, als könnte man alles löschen, verändern, herumbewegen. Also, für eine Literatur-verrückte Person wie mich ist das einfach nicht beständig genug.”

Franzen sagte: “Wenn ich ein Buch lese, dann nutze ich ein spezifisches Objekt zu einer spezifischen Zeit an einem spezifischen Ort. Die Tatsache, dass das Buch exakt das gleiche Ding bleibt, wann immer ich es von Regal nehme, ist beruhigend.”

Franzen weist auf einige Punkte hin, die in der Tat nicht von der Hand zu weisen sind. Zu E-Books wird man vermutlich niemals solch eine emotionale Beziehung entwickeln können wie zu echten Büchern. E-Books sind flüchtiger, können nicht uneingeschränkt verschenkt oder weitergegeben werden. E-Books fehlt der Charme des Haptischen. Aber sind E-Books darum verdammenswert?

Ich meine (natürlich): Nein. E-Books sind einfach eine andere Art, Bücher zu lesen. E-Books fördern und fordern einen pragmatischeren Zugang zum Medium Buch. Ich finde E-Reader ideal, um darauf schnelllebige Unterhaltungs-Literatur oder auch längere Artikel zu lesen. Bücher, von denen man der Meinung ist, dass man sie auch in paar Jahren noch in die Hand nehmen wird, bevorzuge ich als Print-Version. Bücher, die von ihrer Optik leben, wie Bildbände, sowieso.

Was Franzen außer Acht lässt, ist außerdem, dass E-Books die Chance bieten, dass viele Nachwuchsautoren eine Stimme bekommen und Texte veröffentlichen können. Die Hürden, ein Buch zu veröffentlichen, werden wesentlich kleiner dank E-Books. Das sind zunächst einmal Entwicklungen, die zu begrüßen sind. Und was sein Argument betrifft, dass Kapitalisten Print-Bücher hassen würden, weil sie kein gutes Geschäftsmodell seien – da kann man mit guten Argument genau der gegenteiligen Auffassung sein. Verlage lieben gedruckte Bücher, weil diese ihnen Einnahmen garantieren. E-Books dagegen bedrohen das eingefahrene Geschäftsmodell der Verlagsbranche.

Bei E-Books und Print-Büchern geht es, wie bei so vielen Dingen, darum eine Balance zu finden. Es geht um ein vernünftiges sowohl als auch und nicht um ein entweder oder. Jonathan Franzens Beststeller bekommt man übrigens auch als E-Books. “Freiheit” habe ich trotzdem auf Papier gelesen.

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