„Digital wird Leitmedium der Welt-Gruppe“

Publishing Bei Axel Springer tut sich was: Die Redaktionen von Welt und Berliner Morgenpost sitzen künftig in getrennten Stockwerken. Die Welt-Gruppe will außerdem noch digitaler werden - die Zeitungen sollen künftig aus dem Digital-Angebot heraus produziert werden. Gleichzeitig will die Morgenpost ihr regionales Profil schärfen. Die beiden Chefredakteure Jan-Eric Peters (Welt) und Carsten Erdmann (Morgenpost) erläutern im MEEDIA-Interview die Neusortierung.

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Werden die Redaktionen von Welt und Berliner Morgenpost räumlich getrennt?

Jan-Eric Peters: Nein, nicht getrennt, aber wir sortieren uns neu. Vor allem aus Platzgründen. Bei mittlerweile rund einem Dutzend Titeln, die unsere gemeinsame Redaktion erstellt, reicht ein Newsroom zur Produktion eben nicht mehr für alle – einige der neueren Titel mussten bislang sogar draußen bleiben. Wir werden den Newsroom deshalb gegen Ende des Jahres auf zwei Etagen ausweiten, einen mit überregionalem Schwerpunkt, den anderen mit regionalem. Aber ehrlich gesagt: Wo wer sitzt spielt für unsere Arbeit ohnehin keine entscheidende Rolle. Das neue Redaktionssystem, das wir im Sommer einführen, schafft einen virtuellen Newsroom, innerhalb dessen die journalistische Geschichte die Arbeit bestimmt und viel weniger der Kanal, über den sie erzählt wird oder der Ort, an dem wir sie produzieren.

Carsten Erdmann: Wir haben vor zehn Jahren das Projekt Alpha begonnen und die Redaktionen von Welt und Morgenpost zusammengeführt. Das Konzept führen wir fort und entwickeln es mit der neuen Organisation, dem neuen virtuellen Newsroom, konsequent weiter.

In einem Bericht des Tagesspiegel heißt es, die Berliner Morgenpost solle regionaler werden, die Welt digitaler – wie ist das zu verstehen?

Peters: Im Fokus der Welt-Titel stehen künftig die digitalen Inhalte und der Sonntagsmarkt, bei der Berliner Morgenpost der Berliner Markt. Hier sind wir jeweils Marktführer in unserem Wettbewerbsumfeld, und diesen Vorsprung wollen wir nicht nur halten, sondern sogar ausbauen.

Erdmann: Es geht um eine Schärfung des Profils unserer Marken. Auf dem hart umkämpften Berliner Zeitungsmarkt hat sich die Berliner Morgenpost eine sehr starke Position erarbeitet. Sie ist DIE Zeitung für Berlin, hat den umfassendsten Regionalteil, ist vielfach ausgezeichnet. Das heißt aber nicht, dass wir nicht noch besser werden können. Durch die Neuorganisation wird die Regionalkompetenz weiter gestärkt.

Was ist konkret damit gemeint, Wenn Sie, Herr Peters, sagen, das Digitale werde zum Leitmedium aller tagesaktuellen Welt-Titel – verliert die gedruckte Welt an Bedeutung?

Peters: Wir leben ja schon seit einigen Jahren konsequent unser Motto „Online first“. Spätestens im Herbst gehen wir den entscheidenden nächsten Schritt: Das Digitale wird den Takt unserer journalistischen Arbeit bestimmen, es wird zu einer Art Leitmedium der Gruppe. Es geht dann nicht mehr wie bisher darum, Print-Artikel ins Netz zu stellen noch bevor sie gedruckt worden sind. Es geht darum, dass künftig praktisch alle Texte originär für Online und andere digitale Kanäle verfasst werden und aus diesen Geschichten später dann auch noch Zeitungen entstehen. Damit setzen wir eine neue Priorität – was Sie aber nicht voreilig zum Schluss verleiten sollte, dass Print für uns an Bedeutung verliert. Ich bin überzeugt, dass die Welt inhaltlich sogar profitieren wird, weil wir Themen dann aus einem breiteren Angebot auswählen können.

Ist das Digitale Geschäft für die Welt wichtiger als für die Berliner Morgenpost?

Erdmann: Natürlich ist das Digitale für beide Marken wichtig. Morgenpost Online hat eine Spitzenposition in Berlin und das soll auch so bleiben. Es geht uns um Journalismus, um gute Geschichten, unabhängig davon, über welchen Kanal sie unsere Leser erreichen. Fakt ist, dass die Berliner Morgenpost einen anderen Schwerpunkt hat als die Welt-Gruppe. Sie ist eine Regionalmarke. Wir sehen, dass wir mit unserer Zeitung in Berlin noch große Potenziale haben. Genau diese werden wir mit dem neuen Redaktionssystem und der neuen Organisation noch besser und effektiver erreichen können.

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