Axel Springer: das Ende von Projekt Alpha

Publishing Projekt Alpha - so nannten sie bei Axel Springer die Zusammenlegung der Redaktionen der Welt und der Berliner Morgenpost 2002. Die Gründung eines titelübergreifenden Newsrooms, in dem verschiedene Zeitungen und Online-Angebote produziert werden, war damals revolutionär und hat sich in der Branche durchgesetzt. Jetzt führt Springer ein neues Redaktionssystem ein und Welt und Berliner Morgenpost sollen räumlich entflochten werden.

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Räumlich sollen die Redaktionen von Welt und Berliner Morgenpost  auseinanderdividiert werden. Das schreibt der Berliner Tagesspiegel. Bei Springer selbst will man nichts dazu sagen, ob die Redaktionen Welt und Berliner Morgenpost künftig wieder in getrennten Büros Dienst tun und verweist stattdessen auf das neue Redaktionssystem Newsgate. Dank dessen Hilfe, so heißt es bei Springer, würde die Redaktionen künftig noch enger zusammenrücken. Rein virtuell, versteht sich. 
Es gelte, “die Profile der Marken in den unterschiedlichen Wettbewerbsumfeldern zu schärfen”, wird Morgenpost-Chefredakteur Carsten Erdmann einer Springer-Pressemitteilung zitiert. Das kann eigentlich nur bedeuten, dass man bei Springer mittlerweile der Meinung ist, dass die Morgenpost auf dem extrem hart umkämpften Berliner Zeitungsmarkt ein stärkeres Alleinstellungsmerkmal braucht.
Und das soll heißen: Regionalität. Die Berliner Morgenpost soll künftig offenbar noch viel stärker auf regionale Themen setzen. Die Chefredaktion wird für den neuen Kurs mit Sandra Garbers und Christine Richter erweitert. Beide Zeitungen, Welt und Morgenpost, sollen allerdings weiter in einer Verlagsgruppe erscheinen und auch weiter auf einen gemeinsamen Autorenpool zugreifen können.

Die Welt dagegen soll nach dem Willen von Chefredakteur Jan-Eric Peters nun noch digitaler werden. "Künftig wird das Digitale den Takt in unserer Redaktion vorgeben", sagt Welt-Chef Peters in der Springer-Mitteilung. Artikel sollen laut Tagesspiegel künftig zuerst im Web und dann erst in der Zeitung veröffentlicht werden. Kommt uns das nicht ein kleines bisschen bekannt vor? Es war im Jahre 2006, als der damalige Welt-am-Sonntag-Chefredakteur und heutige Google-Gegner Christoph Keese die Devise “Online first” für den “größten integrierten Newsroom Deutschlands” (Welt, WamS, Berliner Morgenpost, Welt kompakt) ausrief. Zitat aus der Pressemitteilung anno 2006: “Beiträge sind nicht mehr für die Print-Ausgabe des Folgetages reserviert, sondern werden veröffentlicht, sobald sie fertig sind, meist am Mittag oder frühen Nachmittag des Vortags.”

Richtig konsequent eingehalten wurde das “Online-first”-Motto von damals freilich nie. Mal sehen, wie es im neuen Anlauf klappt.
PS: Bei Springer will man von einem "Ende des Projekts Alpha" nichts wissen. Es handle sich vielmehr um eine "konsequente Weiterentwicklung". Wie vieles im Leben ist das letztlich vermutlich eine Frage der Interpretation. 

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