Der Altkanzler wird zum Werbestar

Publishing Burda setzte den am Dienstag zu Ende gegangenen DLD-Kongress wie jedes Jahr mit einer hochkarätig besetzten Abendveranstaltung in Davos fort. Diesmal war die Gästeliste besonders bunt. Aktuelle Print-Magazine tun sich schwer, mit politischen Themen Käufer zu finden. Und setzen lieber auf Nutzwert. Harald Schmidt witzelt über seine eigenen, miesen Quoten und über die neue Show von Thomas Gottschalk, Altkanzler Helmut Schmidt wird auf seine alten Tage zum Werbestar und Ulf Poschardt ist kein Herausgeber mehr.

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Nachdem Burdas DLD in München vorbei war, düsten die wirklich Wichtigen wie jedes Jahr gleich weiter zum Weltwirtschaftsgipfel nach Davos. Und auch die Burda-Bande jettete mit und veranstaltete in Davos den DLD Focus Nightcap. Die Zusammenstellung der Gäste war illuster. Da sehen wir in der Bilder-Galerie u.a. die Präsidentenfreunde Carsten Maschmeyer und Veronica Ferres, Bild-Chef Kai Diekmann, Google-Chairman Eric Schmidt, Ex-Zeit-Chef Roger de Weck, Wirtschaftsminister Philipp Rösler, Autor und Vorzeige-Twitterer Paul Coelho, Bertelsmann-Patriarchin Liz Mohn und ihr neuer CEO Thomas Rabe und, huch, EU-Kommissar Günther Oettinger sowie Regine Sixt. Was für eine Mischung.

Die aktuellen Print-Magazine haben es schwer. Alle redeten zum Jahreswechsel über die politischen Affären des Bundespräsidenten. Die Talkshows waren voll davon. Im Internet rangierten die Artikel zum Thema Wulff überall ganz weit oben. Nur die Magazine mit dem Präsidenten vorne drauf, waren kein Hit. Der Spiegel erlebte mit dem Titel “Der falsche Präsident” eine Enttäuschung am Kiosk. Der Einzelverkauf blieb mit 315.415 Exemplaren unterdurchschnittlich. Vielleicht machte der Stern diese Woche mit seinen neuen Wulff-Enthüllungen (“Schnulligate”) lieber gar nicht erst als Haupt-Titelthema auf. Stattdessen wird auf dem Cover mal wieder der Start einer neuen Gesundheitsserie angepriesen, die als Mini-Abo samt geschenkter Pulsuhr zum Schnäppchenpreis im TV groß beworben wird. Klassisches Auflagendoping.

Schlechte Zahlen hat auch Harald Schmidt zu bieten. Der hat aber noch gute Laune. In dieser Woche begann er seine Sendung am Mittwoch mit folgendem Warnhinweis: “In Zusammenhang mit dem Quotenschnitt befreundeter Vorabendshows weisen wir darauf hin: Nach § 16 (II) Medien-Unkenrufgesetz dürfen folgende Begriffe nur in Zusammenhang mit der Harald Schmidt Show verwendet werden: Quotenflop, Quotendesaster, historisches Allzeit-Tief, Quotenabsturz, weit unter Senderschnitt, dramatischer Zuschauerschwund, Quotengrab, lustloser Moderator, unterirdischer Marktanteil, bittere Quotenbilanz (…) Pleite nach sinnlosem Senderwechsel, noch schlechter als Pocher. Jede Zuwiderhandlung wird mit der Moderation von ‘Wetten dass..?’ nicht unter drei Shows bestraft.” Schmidt muss seinem Kollegen, dem Thommy, dankbar sein. Mit Witzeleien über die neue ARD-Vorabendshow “Gottschalk Live” füllt Schmidt mittlerweile große Teile seiner Sendezeit.

Der andere Bundes-Schmidt, Altkanzler Helmut, entwickelt sich zu einer veritablen Werbefigur. Erst tauchte er im neuen TV-Spot der Zeit zusammen mit Giovanni di Lorenzo auf. Jetzt ist er das verborgene Gesicht des neuen FAZ-Anzeigenmotivs für die Kampagne "Dahinter steckt immer ein kluger Kopf". Vor lauter Zeitung und Zigarettenqualm erkennt man Helmut Schmidt nicht. Dann aber doch: Neben den Zigaretten ist das Erkennungszeichen der zweite Ehering, den er an der rechten Hand trägt. Es ist der Ehering seiner verstorbenen Frau Loki. Wieder mal ein tolles Motiv dieser auch nach langer Laufzeit immer noch außergewöhnlich guten Werbekampagne.
Die überraschende Personalie zum Wochenschluss war sicher die, dass Rainer Schmidt die Chefredaktion des Rolling Stone und des Musikexpress abgibt. Als die Musikzeitschriften von Springer vor zwei Jahren von München nach Berlin zogen, übernahm Ulf Poschardt die Rolle des Herausgebers. Was manche nicht wussten: Diesen Job übt er schon seit vergangenem Jahr nicht mehr aus. Bei Springer heißt es, seine Rolle als Herausgeber sei nur für die Zeit des Übergangs gedacht gewesen. Im Hauptberuf ist Poschardt nach wie vor in der Chefredaktion der Welt.  
Schönes Wochenende!

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