Wulff-Streit: Bild flutet taz mit Details

Publishing Die nächste Runde im Frage- und Antwort-Spiel zwischen taz und Bild: Autor Felix Dachsel will wissen, welche Rolle Kai Diekmann in der Mailbox-Affäre spielt und schickte in der vorvergangenen Woche dem Bild-Chef einen Fragenkatalog. Mit den Antworten war Dachsel nicht zufrieden und legte nun noch einmal vier Fragen nach. Als Erwiderung bekam er eine 35.000 Zeichen lange Antwort. Trotzdem bemängelt er: „Die wichtigste Frage bleibt offen: Wann gab Kai Diekmann Wulffs Nachricht weiter? Und: an wen?“

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Die Bild-Antwort ist deshalb so lang, weil man es sich dort „erlaubte“, dem taz-Autoren die Arbeit für die „nächsten Tage zu erleichtern“ und alle „weiteren möglichen Fragen, die Sie sich stellen könnten, schon einmal zu formulieren – und auch gleich zu beantworten.“

Auf die vier taz-Fragen und -Antworten kommen unzählige weitere Fragen und Antworten, die das Boulevard-Magazin von sich aus beantwortete. „Damit wollen wir zur größtmöglichen Transparenz beitragen“, erklärt die Bild-Pressestelle dazu.

Dachsel gibt sich mit den Erklärungen nicht zufrieden. Er schreibt: „Die Bild hat ihre Salamitaktik weiterentwickelt: Erst gibt sie nur scheibchenweise Auskunft, dann überschüttet sie den Fragesteller mit Information. Statt auf die entscheidende Frage zu antworten, wie und wann die Wulff-Nachricht ihren Weg von der Mailbox Diekmanns in andere Medien und in die Öffentlichkeit fand, zündet Bild Nebelkerzen.“

Die Kernfrage wird fast am Ende der Mail behandelt. Da erkundigt sich die taz: „Haben Sie oder andere Inhaber der Mailbox-Abschrift zwischen dem 1. und dem 5. Januar 2012 aktiv oder auf Anfrage Passagen der Mailbox-Nachricht weiterverbreitet? An wen?“ Die Springer-Antwort im Wortlaut: „Selbstverständlich gab es nach Bekanntwerden des Anrufs zahlreiche Anfragen von Journalisten zum vollständigen Inhalt der Nachricht. In Gesprächen wurden einige der bereits bekannten Passagen erläutert. Eine Abschrift der Nachricht wurde von der Pressestelle an keine Zeitung oder Zeitschrift geschickt.“

Im Zuge des ersten Fragenkataloges hatte die Bild bereits geantwortet, dass "der Bild-Chefredakteur  seinerzeit persönlich mit zwei externen Journalisten über den Anruf gesprochen" hätte "und ihnen in diesem Zusammenhang auch den Text zukommen" ließ. Die Namen der beiden will Diekmann – wenig überraschend – immer noch nicht preisgeben. Begründung: „Ich muss Sie aber auch darum bitten zu respektieren, dass wir grundsätzlich zu Inhalten von vertraulichen Gesprächen, die wir mit Journalisten führen, keinem anderen Journalisten Auskunft geben können – und das ganz unabhängig vom aktuellen Fall.“ Dann merkt die Bild noch an: „Genau das Gleiche würden Sie auch ganz selbstverständlich von uns erwarten, wenn Sie im Zuge von Recherchen mit uns sprechen.“

Unabhängig von der Frage, ob Springer nun die Fragen umfassend beantwortet hat oder nicht, ist die Mammut-Antwort ein tolles Recherche-Dokument. Alleine der darin veröffentlichte Mail-Verkehr zwischen der Bild und dem damaligen Wulff-Sprecher Olaf Glaeseker bietet interessante Einblicke in das Arbeits- und Kommunikations-Verhältnis der Bild-Redaktion mit Politikern und ihren Beratern.

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