Dapd empört: „Öffentliche Herabwürdigung“

Publishing Der Streit um die Vergabe eines prestigeträchtigen Auftrags des Auswärtigen Amts an die Nachrichtenagentur dapd geht in die nächste Runde. Marktführer dpa will gegen die Entscheidung klagen und wertet die Leistung der Kollegen als "das Übersetzen von Texten" der US-Agentur AP. André Uzulis, Auslandschef bei dapd, beschwert sich in einem Offenen Brief an dpa-Geschäftsführer Michael Segbers über die "öffentliche Herabwürdigung von Mitarbeitern".

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Zur Erinnerung: Das Auswärtige Amt hatte einen Millionenauftrag im Dezember an die dapd vergeben. Die Agentur versorgt das Ministerium sowie u.a. alle deutschen Botschaften mit Informationen aus dem In- und Ausland. Die dpa hatte den Job zuvor viele Jahre erledigt. Auf Betreiben der dapd wurde der Auftrag 2010 erstmals ausgeschrieben. Gegen die Entscheidung der Vergabekammer des Bundeskartellamts wird dpa nun klagen.

Bei dem Marktführer heißt es zur Begründung der Klage, die vergangene Woche beim Oberlandesgericht in Düsseldorf eingereicht wurde, ein "wesentliches Element" des Auftrags sei es, "ein Gegengewicht zu den internationalen Nachrichtenagenturen zu etablieren". Diesem Anspruch werde die dapd nicht gerecht, denn der Anbieter bestreite seine internationale Berichterstattung "großteils durch das Übersetzen von Texten der größten Nachrichtenagentur in den USA". Gemeint ist die Associated Press (AP), mit der dapd kooperiert.

Den Vorwurf mochte dapd-Auslandschef André Uzulis nicht auf sich und seiner Mannschaft sitzen lassen. Er sei "empört", schreibt er in einem Offenen Brief: "Sie stufen damit alle Redakteure unserer Auslandsredaktion auf das Niveau von Übersetzern herab und diskreditieren unsere Arbeit als unjournalistisch." Uzulis mahnt an, die Agenturen sollten sich trotz des harten Wettbewerbs "fair und respektvoll" verhalten. Er finde das Verhalten der ehemaligen Kollegen – Uzulis war selber mal dpa-Mann – "menschlich enttäuschend".

Die Auslandsberichterstattung stütze sich auf verschiedene Dienste der AP, die "weltweit journalistische Maßstäbe gesetzt hat". Die Meldungen seien aber nur eine "Grundlage für eine deutschsprachige Berichterstattung", die mit originär recherchierten "deutschen Aspekten" angereichert werde. Uzulis: "Darüber hinaus bauen wir seit meinem Amtsantritt als Auslandschef im Dezember 2010 kontinuierlich ein eigenes Korrespondentennetz im Ausland auf – übrigens ganz im gegensatz zur dpa, bei der Korrespondentenstellen tendenziell abgebaut werden."

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