Twitter will in Deutschland zulegen

Publishing Twitter-Gründer Jack Dorsey hat auf Burdas Digitalkongress DLD angekündigt, das Internet-Unternehmen werde ein Team in Deutschland aufbauen, das die Reichweite des Dienstes hierzulande beschleunigen soll. Gesucht seien "amazing people". Wie viele Mitarbeiter eingestellt werden sollen, wollte er nicht sagen. Dorsey ist zurzeit auf einer Deutschlandtour, war bei Frank Schirrmacher, der Bild-Zeitung und jetzt beim DLD. Seine zentrale Botschaft: Um Twitter zu nutzen, muss man gar nicht selber twittern.

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Die Wahrnehmung des Dienstes Twitter sei in der Vergangenheit dadurch geprägt gewesen, dass man als Nutzer auch selber Tweets absenden müsse, sagte Dorsey. Doch die soziale Komponente – der aktive Austausch von Nutzern untereinander – sei nur ein Aspekt von Twitter, so der 35-Jährige Gründer. Twitter wird bis heute oft Microblogging-Dienst genannt, doch das scheint Dorsey nun nicht mehr so recht zu sein. Denn das klingt dem Amerikaner offenbar zu sehr danach, dass Nutzer auch selber Nachrichten verschicken müssten. Was Dorsey nun allerdings beschreibt, ist längst auch Realität: Etwa nur die Hälfte der geschätzten 100 Millionen Mitglieder nutzen das Angebot als aktive Tweet-Abschicker.

"Twitter ist eine Möglichkeit, Informationen zu konsumieren, in Echtzeit", sagte Dorsey am Sonntag nachmittag bei der DLD-Konferenz in München. In Zukunft gelte es, für jeden Nutzer möglichst relevante Daten zu filtern. "Mir sagen in letzter Zeit viele Menschen, dass sie sich gar keine Nachrichten mehr anschauen", erzählte Dorsey. "Ihnen reicht es, auf Twitter zu schauen, ob etwas passiert ist." Dorsey justiert damit die Positionierung des Angebots: Twitter soll auch als Soziales Netzwerk, aber vor allem als personalisierter Nachrichtenstream schmackhaft gemacht werden, den man auch passiv mit Gewinn nutzen kann. 

Auch darum hat Dorsey vermutlich auch bei der Bild-Zeitung vorbeigeschaut, die eine Geschichte im Blatt am Samstag sogar auf der Titelseite ankündigte. In Deutschland hat Twitter geschätzte 550.000 aktive Nutzer. Das kann Dorsey und Twitter-CEO Dick Costolo freilich nicht genügen. "Dieses Land ist einfach großartig", lobte Dorsey Deutschland – das er zum ersten Mal besucht.

Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass Twitter das Start-up Summify gekauft hat. Nutzer von Summify bekommen nach persönlicher Relevanz sortierte und zusammengefasste Postings aus sozialen Netzwerken wie Twitter oder Facebook als E-Mails zugeschickt. Dorsey äußerte sich aber nicht konkret, wie die beiden Dienste künftig integriert werden sollen.

Jack Dorsey ist ebenfalls Gründer des mobilen Bezahldienstes Square. "Wir würden sehr gerne mit Square nach Europa kommen", sagte Dorsey dann noch. Nach weniger als einer halben Stunde war sein erster öffentlicher Auftritt in Deutschland vorbei.

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