‚Wetten, dass?‘: ZDF will Pilawa – aber will er?

Fernsehen Jörg Pilawa soll, geht es nach dem Willen von ZDF-Entscheidungsträgern, der Nachfolger von Thomas Gottschalk als Moderator von "Wetten, dass...?" werden. Dies berichtet der Spiegel. Aber: Eine Bestätigung der Personalie steht noch aus. Ursprünglich hatte Pilawa abgewunken. Doch die Auswahlmöglichkeiten für das ZDF sind eben bescheiden: Johannes Kerner war nie wirklich im Gespräch, das Duo Joko & Klaas gilt als talentiert, aber noch zu jung. Eine Außenseiterchance hat Markus Lanz.

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Ob Pilawa, der 2010 von der ARD zum ZDF wechselte und dort eine Reihe von Sendungen und Shows moderiert, den Bitten von Programmdirektor Thomas Bellut (der im März Intendant wird) und Unterhaltungschef Manfred Teubner nachkommt, ist noch offen. Zuletzt hatte Pilawa in einer Geschichte im Stern Stellung bezogen und gesagt: "Das ZDF müsste dem Nachfolger und einer Sendung ‚Wetten dass ..? 2.0‘ eine neue Leichtigkeit verordnen und nicht: Wir brauchen ein Sofa, Promis und vier Wetten, das reicht". In der Geschichte war es eigentlich um das Thema Burnout gegangen. Aber wie es so läuft im Business, wurde die Aussage als Teilrückzug von Pilawas Absage interpretiert. Vielleicht zu Recht.

Eine Entscheidung für "Wetten, dass…?" würde vermutlich bedeuten, dass das ZDF Pilawa halb zog und er halb fiel. Auch MEEDIA erfuhr, dass beim ZDF alle Zeichen auf Pilawa stehen. Doch was solche Ansagen letztlich wert sind – unklar. Der Zeitschrift Frau im Spiegel hatte Pilawa im vergangenen November gesagt: "Ich werde ‚Wetten, dass..?‘ definitiv nicht übernehmen….Man hat von Seiten des Senders nicht mit mir darüber gesprochen, ich habe dieses Gespräch auch nicht gesucht."

Zwar ist der Job einer der prestigeträchtigsten im deutschen Fernsehen überhaupt. Mehrere Gründe sprechen aber auch gegen ein Engagement: 1. Vorgänger Thomas Gottschalk, nun in Diensten der ARD, ist ungeachtet aller Kritik ein Vollblut-Entertainer, aus dessen Schatten man erstmal treten muss. 2. Der Unfall des Wettkandidaten Samuel Koch Ende 2010 vermieste Gottschalk den Job, zudem war er ohnehin etwas amtsmüde. Ein Neuanfang unter gleichem Namen und mit ähnlichem Konzept wird immer auch an die Tragödie des jungen Koch erinnern, der seit dem Unfall querschnittsgelähmt ist. 3. Als Moderator von mehr oder weniger belanglosen Shows (wie z.B. "Pilawas großes Weihnachtsquiz"), die annnehmbare Quoten erzielen, lässt es sich gut leben. Als "Wetten, dass…?"-Moderator steht man immer im Rampenlicht, beruflich wie privat.

Denkbar ist, dass das ZDF nun absichtlich streut, Pilawa sei Wunschkandidat – um vergessen zu machen, dass über die Nachfolge von Gottschalk vor Jahreswechsel eine absurde und für das ZDF peinliche Debatte geführt worden war – und reihenweise Moderatoren zu Protokoll gaben, nicht interessiert zu sein – selbst solche, die niemals gefragt worden waren. Gälte Pilawa aber nun als "Wunschkandidat", könnte das Spiel von vorne beginnen und dieser in der neuen Runde zusagen.

Im vergangenen Jahr hatte sich schon Hape Kerkeling entschieden, den ihm auf einem Silbertablett angebotenen Job nicht anzunehmen. Pilawa ist nun ganz anders als Kerkeling – kein wirklicher Entertainer, aber ein (machmal zu) routinierter Moderator, der immer leicht gequält in die Kamera schaut, der trotz (oder wegen?) seiner gebremsten Präsenz aber Sympathien genießt und Fans hat. "Wetten, dass…?" könnte er sicher über die Bühne bringen, aber neu erfinden würde er die Samstagabendshow eher nicht. Auch wenn das gar nicht der Auftrag wäre – die noch immer recht erfolgreiche Show hätte definitiv keinen Ausnahmemoderator mehr.

Der vor Weihnachten von einem Branchendienst ins Spiel gebrachte Johannes B. Kerner wird den Posten derweil vermutlich nie angeboten bekommen haben. Er verließ das ZDF Anfang 2010, um einen Job bei seinem alten Sender Sat.1 anzunehmen. Dort scheiterte er mit einer Talksendung. Aus ZDF-Kreisen heißt es, Kerner werde sicher nicht zum ZDF zurückkehren, um "Wetten, dass…?" zu übernehmen. Das Moderatorenduo Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt hat, wie der Spiegel schreibt, ebenfalls Unterstützer. Aber die ZDF.neo-Unterhalter gelten als zu jung für die nicht mehr ganz so junge Zielgruppe der Show. Es kann dem Sender nicht nur darum gehen, junges Publikum zu "Wetten, dass…?" zu holen, auch die große Gruppe der älteren Zuschauer darf nicht enttäuscht oder gar verschreckt werden.

Der Spiegel bringt nun noch einmal auch Markus Lanz als Alternative ins Spiel. Lanz steht bei Medienjournalisten nicht in allerhöchstem Ansehen, Fernsehkritiker tun den Mann oft als seichte Nummer ab. Doch der Südtiroler hat auch Fans – gerade verfasste die Journalistin Regine Sylvester in der Berliner Zeitung eine ausführliche Lobesschrift auf Lanz. Für ihn wäre die Show eine Chance, sein Image aufzupolieren. In der ARD gelang dieses Kunststück zuletzt Kai Pflaume.

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