„Ich fühle mich von Glaeseker beschissen“

Publishing Kaum ein Tag vergeht ohne neue Enthüllungen in der Affäre um den früheren Wulff-Sprecher Olaf Glaeseker. Nach der Razzia in Privat- und Geschäftsräumen des Journalisten sowie bei dem Eventmanager Manfred Schmidt meldet die Bild am Sonntag, dass Glaeseker auch mehrfach kostenlos geflogen sein soll. Und offenbar floss auch Steuergeld in eine Veranstaltung der Privatwirtschaft, was Niedersachsen CDU-Finanzminister Hartmut Möllring dementiert hatte. Der sagt: "Ich fühle mich von Glaeseker beschissen."

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Allein 2011, so die BamS, sei der 50-Jährige in mindestens fünf Fällen umsonst geflogen, u.a. in die Türkei und nach Mallorca. Nach Informationen des Blattes nahm er dafür Schmidts VIP-Karte von Air Berlin in Anspruch. Schmidt gehörte offenbar zum erlauchten Kreis von rund hundert Prominenten, die von Air Berlin eine goldene "Counter Card Premium Plus" erhielten. Die Inhaber dieser VIP-Karte konnten die Flugverbindungen von Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft weltweit jederzeit kostenlos nutzen, und zwar auch für Familienmitglieder und Freunde. Die Airline übernahm auch die Versteuerung des geldwerten Vorteils bei Inanspruchnahme der Freiflugkarte. Das Programm war erst im vergangenen Herbst vom neuen Air Berlin-Chef Hartmut Mehdorn beendet worden.
Unterdessen meldet der Focus, Glaeseker habe sich persönlich um einen Sponsor für die Veranstaltung "Nord-Süd-Dialog" im Jahre 2009 gekümmert. Glaeseker habe mit der Geschäftsleitung des Verbandes Niedersachsen Metall Kontakt aufgenommen, um für den Nord-Süd-Dialog zu werben. Mit Erfolg: Die Metallarbeitgeber hätten 25.000 Euro gespendet. Wulff war zu dieser Zeit Ministerpräsident von Niedersachsen, Glaeseker sein Regierungssprecher. Die Staatskanzlei in Hannover hat bislang dementiert, dass sie für die Sponsorensuche aktiv gewesen sei.
Nach Informationen der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung sagte der Staatskanzleichef des damaligen Ministerpräsidenten Wulff dem Landtag 2010 nicht die Wahrheit, als er eine Finanzierung des Nord-Süd-Dialogs durch das Land bestritt. Tatsächlich habe das Landwirtschaftsministerium bereits Monate zuvor 3411 Euro für Kochbücher bezahlt, die den Besuchern des Festes vom Veranstalter Manfred Schmidt als "Goodie" mitgegeben worden seien.
Noch am Donnerstag hatte der Landes-Finanzminister Hartmut Möllring im Landtag quasi einen Persilschein für Glaeseker und Wulff ausgestellt: Es habe, so der Politiker, keine finanzielle Beteiligung der Landesregierung an dem Wirtschaftstreffen ("Nord-Süd-Dialog") gegeben, das von Manfred Schmidt organisiert worden war. Dann stellte sich heraus, dass dies doch der Fall war. So soll Glaeseker als Regierungssprecher in Hannover organisiert haben, dass 44 Studenten der Medizinischen Hochschule Hannover bei der Veranstaltung zum Einsatz kamen. Die Hochschule soll dafür 5245 Euro in Rechnung gestellt haben, die die Staatskanzlei aber nicht überwies.

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