Der doppelte Schirrmacher bei Twitter

Publishing In dieser Woche begeisterte der doppelte Frank Schirrmacher mit seinem Einstand beim Kurznachrichtendienst Twitter. Der FAZ-Mann und sein Büro sorgten für soviel Verwirrung, dass auch die dpa und der Twitter-Gründer zunächst auf den falschen Schirrmacher hereinfielen. Und sonst: ein neue für Ex-Bunte-Frau Annabelle Korschan, der Spiegel packt olle Vitamin-Kamellen auf den Titel, bei der Computerpresse war früher alles besser und die Fussbroichs machen Werbung für Werbung.

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Welcher Schirrmacher ist denn nun der echte, verdammt!? In dieser Woche machte die Weltnachricht die Runde, dass nach Frank Elstner, Thomas Gottschalk und Harald Schmidt jetzt auch FAZ-Herausgeber und Web-Skeptiker Frank Schirrmacher twittert. Der alte Vordenker … Aber twittert er nun unter dem Twitter-Namen @F_Schirrmacher oder @FR_Schirrmacher. Die dpa war schlau und fragte bei Schirrmachers Büro nach, ob der Twitter-Account echt sei. Antwort: ja, @F_Schirrmacher ist echt. Sogar Twitter-Mitgründer Jack Dorsey hat den neuen Geistes-Titanen bei Twitter schon getroffen und gleich ein Foto eingestellt. Dorsey schreibt: “Just met @F_Schirrmacher. He’s been reading Twitter for 2 years and just started tweeting. Deeply thoughtful man.” Mensch! Da hat der Schirrmacher zwei Jahre lang Twitter gelesen und jetzt nach sehr, sehr sorgfältigem Überlegen diesen gewaltigen Schritt getan. Blöd nur: Herr Dorsey und die dpa sind auf den falschen “Schi” reingefallen. Der echte FAZ-Mann twittert unter @FR_Schirrmacher. Das Büro von Schirrmacher habe der dpa das “R” unterschlagen, stellt dpa-Netzwelt Redaktionsleiter Christoph Dernbach klar. Natürlich bei Twitter. Wir lernen: Recherche bringt nicht immer was. Und: Twitter taugt auch für eine zünftige Verwechslungskomödie in bestem Louis-de-Funès-Stil. 

Manchmal kommen sie wieder. Im Sommer vergangenes Jahr gab es einige Aufregung um Recherchemethoden bei Burdas Bunte. Der damalige Politikchef und Redakteurin Annabelle Korschan hatten in der Folge das People-Magazin verlassen. Annabelle Korschan ist nun wieder untergekommen. Sie arbeitet jetzt als Freie für die Bild in Berlin. Die Hauptstadt war auch Schauplatz des Rechercheauftrags, der sie ihren alten Job gekostet hat.

Einige Themen sind einfach immer aktuell. Vitamine zum Beispiel. So hat der Spiegel (nach seinem Selbstverständnis ein Nachrichtenmagazin) in dieser Woche mit “Die Vitamin-Lüge – Das Milliarden-Geschäft mit überflüssigen Pillen” aufgemacht. Alles schon mal dagewesen! Bereits 2007 titelte der damalige Ableger der Süddeutschen, SZ Wissen: “Die Vitamin-Lüge – Warum Pillen und Pulver nichts bringen und sogar krank machen”. Besonders schön: In beiden Fällen war mit dem Text der Titelzeilen auch schon der Inhalt im wesentlichen umrissen (gefunden über den Twitterfeed von @Azrael74). Eigentlich könnte ich den Wochenrückblick auch gleich in Twitter-Wochenschau umbenennen. Es ist aber auch so ein Füllhorn bei diesem Twitter.

Manche meinen ja, früher sei alles besser gewesen. Für die Computer- und IT-Presse könnte das sogar stimmen. Über einen Web-Eintrag des Medienberaters Hugo E. Martin bin ich auf einen alten Artikel der Spitzenpublikation Absatzwirtschaft aus dem Jahr 1998 gestoßen. Überschrift: “Die Computerpresse wächst und wächst”. Bemerkenswert ist im Rückblick besonders der Ausblick, der in dem Artikel gewagt wird: “Infolge der zu erwartenden raschen Ausbreitung und Konvergenz von neuen Techniken der Informationstechnologie Computer, Netzwerktechnologie, Unterhaltungselektronik und Telekommunikation in den nächsten Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, wird der Bedarf an gedruckter Information weiter anwachsen.” Anfang dieser Woche schrieb MEEDIA: “Riesenverluste für IT-Presse – Ein Segment in der großen Krise. So deutlich wie nie verloren die Computerzeitschriften im vierten Quartal an Auflage. Den ehemaligen Giganten Chip und PC-Welt gingen mehr als 20% aus dem Vorjahr abhanden, in der Top 8 des Segments verlor nur die c’t weniger als 10%.” Das Beispiel zeigt, was generell von Langzeit-Prognosen zu halten ist: nix.

Und auch diesmal wieder einen kleinen Videotipp zum Wochenschluss. Die Fussbroichs sind wieder da! Und zwar beim YouTube. In dem Filmchen “erklären” Fred und Annemie Fussbroich Zeitungsreklame: “Jeden Morgen schlepp ich so fünf Pfund Papier zum Container”, konstatiert Fred. Eine Litfasssäule sei da deutlich besser, denn: “Die nervt Disch net so.” Das Fazit der Fussbrouchs zru Printwerbung: “Isch würd sagen, det is Jeldverschwnedung wenn die in die Zeitung gehen.” Woher dieser Hass der Fussbroichs auf Zeitungswerbung? Das ganze ist ein Viral-Video im Auftrag der Profi-Plakatkleber von Ströer out of Home Media. Lustig ist es trotzdem.
###YOUTUBEVIDEO###
Schönes Wochenende!

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