Bild-Kritiker wollen Zeitung nicht geschenkt

Publishing Die Bild-Zeitung lässt ihre Kritiker nicht kalt: Die Ankündigung, dass zum 60. Geburtstag der Boulevardzeitung jeder Haushalt in Deutschland ein Exemplar kostenlos zugestellt bekommen soll, erhitzt so manches Gemüt. Statt gelassen auf die Post zu warten, basteln Bild-Gegner Aufkleber für ihre Briefkästen mit der Aufschrift "Bild nein danke!" Lawblogger Udo Vetter will die Zustellung bereits vorab untersagen lassen. Ein Musterschreiben gibt es auch schon. Das Blatt polarisiert auch kurz vor dem Rentenalter.

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Kaum hat der Plan der Axel Springer AG, rund 41 Millionen Haushalte am 23. Juni mit einer Bild-Zeitung zu beglücken, die Runde gemacht, formiert sich schon der Widerstand. Zahlreiche Kommentare gingen auch bei MEEDIA ein, mehrheitlich negativer Natur. Eine Zwangsbeglückung mit der Boulevardzeitung lehnen diese Kritiker ab. War die Bild in der Causa Wulff noch auf dem besten Wege, einen Punktsieg als investigatives Kampfblatt für die Demokratie zu erzielen, rufen die Boulevard-Verächter jetzt um so lauter: "Bild nein danke!"

Gleich drei Varianten des Bild-Protestes werden derzeit diskutiert: 1. Weil der Aufkleber "Keine Werbung!" bei der Verteilung redaktioneller Publikationen nicht ausreicht, basteln Aktivisten eine Art Zensurschild für ihren real existierenden Briefkasten. Entwurf: "Keine Werbung. Auch keine Gratis-Zeitungen." 

2. Falls die Bild trotz Verbotsschild doch im Kasten landet, empfehlen die Bild-Boycottisten, die Zeitung unfrankiert an Springer zurückzuschicken. Auf Facebook hat sich, wen wundert´s, bereits eine entsprechende Gruppe formiert.

3. Auch Juristen haben sich schon mit dem Plan der Bild-Strategen befasst. Der bekannte Lawblogger Udo Vetter schreibt in einem Eintrag: "Bild soll nicht an mir verdienen." Mit Blick auf den Anzeigenpreis von 4 Millionen Euro für eine Seite schreibt Vetter, dass er nicht Teil der gewaltigen Media-Reichweite werden wolle. Er stützt sich auf eine Entscheidung des Landgerichts Lüneburg. Das besagt, dass Postwurfsendungen unzulässig sind, wenn der Empfänger vorab beim Absender einer Zustellung widersprochen hat. Falls doch eine Bild in seinem Briefkasten landen sollte, will Vetter sich Gedanken über Unterlassungsansprüche machen. Ein Kölner Anwalt hat bereits ein Musterschreiben aufgesetzt.

Bei Springer wird man sich über die kreativen Verweigerer möglicherweise nur in Maßen ärgern. Jede Form der Aufmerksamkeit hält das Blatt, dessen tägliche Auflage bei etwas unter 3 Millionen Exemplaren liegt, im Gespräch. Bild-Chefredakteur Kai Diekmann liebt zudem die direkte Auseinandersetzung mit seinen Gegnern. Zu klären ist allerdings, ob der Konzern die Zeitung tatsächlich auch Total-Verweigerern gegen ihren Willen schenken darf. Bild-Sprecher Tobias Fröhlich kommentiert die Frage nach den juristischen Feinheiten der Aktion so: "Das Projekt befindet sich momentan in der Planungsphase, daher ist es noch zu früh um sich zu Einzelaspekten zu äußern."

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