Smart TV: „Gottschalk live“ als Speerspitze

Fernsehen Fernsehen und Internet verschmelzen zunehmend. Alle neuen TV-Geräte unterstützen Online-Funktionen, viele haben bereits Twitter- und Facebook-Apps integriert. Sollte der ARD diese Verzahnung bei Thomas Gottschalks neuer Show "Gottschalk live" gelingen, könnte sie "das ultimative soziale Netzwerk" erschaffen, sagt META productions-Geschäftsführer Olli Weiberg gegenüber MEEDIA. Auch Jens Bujar von Grundy sieht in der "direkten Feedbackfunktion" großes Potenzial zur Nutzereinbindung.

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Verändert sich das Fernsehen durch Social-Media-Tools? Und wie sinnvoll ist die geplante Verzahnung mit dem Internet bei "Gottschalk live"?
Olli Weiberg, Geschäftsführer META productions GmbH: "Ja! Das Fernsehen wird sich verändern! Weil das Publikum sich verändert. Der Prozess läuft sogar bereits. Allerdings vorerst in Zielgruppen. Seit Erfindung der Kommunikationssensation Internet sind die Medienkonsumenten nicht mehr einfach nur Verbraucher, sondern gleichzeitig auch Macher, Sender und Hersteller von Inhalten. Das ist das neue Selbstverständnis im Umgang mit Medien. Das ist die Herausforderung an Fernsehmacher, sich mit diesem neuen Selbstbewusstsein der Nutzer zu beschäftigen. Dialoge anzubieten, um gemeinsam mit den Nutzern etwas zu kreieren. Fernsehen 3.0 machen Sender und Empfänger gemeinsam. Wenn man es hinbekommt, die kulturellen Vorzüge der Internetkommunikation auf das Fernsehen zu übertragen, dann schafft man quasi das ultimative soziale Netzwerk. Die Kultur der Nutzer hat sich bereits verändert. Jetzt ist die Kultur der Fernsehsender dran. Insofern ist ‚Gottschalk live‘ eine Art Speerspitze. Aber selbstverständlich kommt es auch auf die richtige Umsetzung an. Spannend!"
Christian Asanger, Director Local TV-Productions, Warner Bros. Entertainment GmbH: "Natürlich sind Social Networks wie Twitter und Facebook heute wichtige und unverzichtbare Begleitmedien des klassischen Fernsehens, vor allem von Live-Sendungen. Ähnlich war das bereits vor rund 15 Jahren mit der Einbindung des Internets ins TV, was allerdings auch nicht zu einer Revolution führte. Denn die Betonung liegt auf „Begleitung“, denn alleine die Möglichkeit der Interaktion bietet dem Zuschauer noch nicht genügend Anreiz und reicht als USP nicht aus; der Inhalt muss stimmen und kommt nach wie vor an Nummer 1. Ein positives Beispiel wie eine solche Verlinkung einen zusätzlichen Benefit für eine TV-Show schafft ist sicherlich derzeit „The Voice“. Ob eine Fokussierung auf Social Networks bei ‚Gottschalk live‘ für die ARD-Vorabend-Klientel wirklich den erhofften Mehrwert bietet, bleibt allerdings abzuwarten."
Jens Bujar, Creative Director GRUNDY Light Entertainment: "Das hängt natürlich vom jeweiligen Genre ab. Bei Gottschalk live stehen Themen im Mittelpunkt, die Deutschland interessieren – also Themen, über die sich Menschen auch ohne das Fernsehen über Social Media Kanäle lebhaft austauschen. Mittlerweile kommt es häufig dazu, dass Posts oder Tweets zu aktuellen Themen sogar in Nachrichtensendungen zitiert werden. Das Medium Fernsehen ändert sich ebenso wie die Gesellschaft kontinuierlich und die Social Networks bieten eine schnelle und direkte Feedbackfunktion und damit die Gelegenheit, unmittelbar auf die Zuschauer einzugehen."
Axel Kühn, Geschäftsführer Shine Germany Film- und Fernsehproduktion GmbH: "Die Verbindung von Telefon und TV war Anfang der 90er ein großer Hit. Kein Wunder, war das Telefon doch bisher ein 1zu1-Medium, mit dem man nun mit einem Mal hunderttausende von TV-Zuschauern erreichen konnte. An eine Wiederbelebung des interaktiven Fernsehens durch Social Media glaube ich jedoch nicht. Facebook und Twitter sind doch bereits interaktiv, wieso sollte man da noch das TV zwischenschalten. Social Media taugt hervorragend als Stimmungsbarometer oder auch, um zum Beispiel Telefonvotings zu ersetzen. Fernsehen informiert, unterhält und entspannt. Wenn ich interaktive Kommunikation will, gehe ich aber doch lieber gleich ins Internet."
Kai Blasberg, Geschäftsführer Tele 5 TM-TV GmbH: "Nein. Es sind Additive, die als Spielerei für die Fernsehsendung ganz nett sind. Als Inhalt werden sie eine Sendung nicht retten können, die selbst keinen hat. Auf absehbare Zeit werden Fernsehen und Internet nicht verschmelzen."

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