Der Kai-Diekmann-Tick bei der taz

Publishing Mit der taz und Bild-Chef Kai Diekmann ist es ein bisschen wie bei Charlie Brown und Lucy von den Peanuts. Genauso wie Lucy Charlie Brown in letzter Sekunde den Ball wegzieht, lässt sich die taz immer wieder von Kai Diekmann am Nasenring durch die Medienmanege führen. Jüngste Episode: Der Fragenkatalog der taz zur Rolle der Bild bei der Wulff-Affäre. Die taz hat am Montag die Antworten des Bild-Chefs veröffentlicht und macht dabei eine erstaunlich unsouveräne Figur. Wieder mal.

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Bei der taz hielt man es offenbar für eine besonders pfiffige Idee, Diekmann im Bild-Stil einen detaillierten Fragebogen zur Verwicklung der Bild in die Mailbox-Affäre des Präsidenten zu senden. Natürlich versehen mit einem Zeitfenster für die Antworten, genau wie es auch bei den Bild-Fragen an den Bundespräsidenten der Fall war und wie es bei derartigen schriftlichen Medienanfragen durchaus üblich ist.

Die Stoßrichtung der taz-Medienredaktion war einigermaßen klar: Man wollte öffentlich vorführen, dass auch die Bild-Zeitung eine schlechte Figur macht, wenn sie mit einer ganzen Reihe von vermeintlich brisanten Detailfragen konfrontiert wird. Immerhin hatte auch die Bild den Fragenkatalog an den Bundespräsidenten zu dessen umstrittenen Hauskredit öffentlich gemacht (aber erst nachdem Gerüchte aufgekommen waren, Bild habe den Präsidenten mit ungebührlichen Fragen zu Privatangelegenheiten unter Druck setzen wollen).

Sollten die taz’ler geglaubt haben, Diekmann mit dem Fragebogen in die Enge zu treiben, waren sie schief gewickelt. Sie hätten das wissen können, sind aber wieder darauf reingefallen, genau wie Charlie Brown, wenn Lucy ihm mal wieder den Ball direkt vor der Nase wegzieht und er hinfällt. Immerhin dürften die bei der taz nicht vergessen haben, wie Diekmann sie seinerzeit in seinem Weblog gnadenlos vorgeführt hat.

Zuerst schickte Diekmann der taz also eine Art Parodie auf den Wulff-Anruf auf seiner Mailbox und machte damit die Absurdität deutlich, die die ganze Affäre mittlerweile in Medienkreisen erreicht hat. Am Montag dann wurden genau eine Minute vor Ablauf der Frist von Seiten des Springer-Verlags die echten Antworten auf die taz-Fragen übermittelt. Die Antworten der Bild enthielten nichts Brisantes oder Neues, sondern ausführlich dargestellt noch einmal die Angaben zu den Abläufen und die redaktionellen Erwägungen, warum die Mailbox-Nachricht zunächst in der Berichterstattung thematisiert wurde. “Diekmann wulfft sich raus” textet die taz daraufhin in der Überschrift und weiter: “Die Bild versprach Aufklärung. Und wird zum Wulff: schweigen, leugnen, rausreden.”

Die steile taz-These: Die bei der Bild sind auch nicht besser als der Wulff. taz-Chefredakteurin Ines Pohl sagt im Artikel: “In der Causa Wulff geht es nicht nur um die Verfehlungen, die dem Bundespräsidenten angelastet werden, sondern auch darum, wie Medien immer wieder versuchen, selbst zu Akteuren werden. Nicht die Aufklärung, sondern die quotenträchtige Hinrichtung scheint doch in diesem Fall sehr offensichtlich eine große Rolle zu spielen. Deshalb unsere öffentliche Anfrage mit der wir nachvollziehbar machen wollen, wie das System Bild-Zeitung funktioniert. Bild-Chefredakteur Diekmann gelingt es mit seinen Antworten nicht, die Annahme zu entkräften, dass er gezielt Teile der Mailboxabschrift gestreut hat."

Na ja. Wie soll der Diekmann eine “Annahme” auch entkräften können? Wenn Ines Pohl und die taz glauben wollen, dass die Bild die Mailbox-Nachricht arglistig zurückgehalten und dann an andere Medien weitergereicht hat (zumindest Letzteres wird von der Bild ja auch gar nicht bestritten), um eine Kampagne gegen den Präsidenten “über Bande” anzuzetteln, dann wird die Bild diesen Glauben nicht erschüttern können. Egal, was auf die taz-Fragen geantwortet wird.

Genau wie die Bild bedient schließlich auch die taz ihre Zielgruppe. Und weil die in Mehrheit nicht gerade zu den Freunden von Kai Diekmann und der Bild zählen dürfte – soll nun also einmal mehr das “System Bild-Zeitung” vorgeführt werden. Das wäre auch aller Ehren wert. Die taz hat sich mit der Wulff-Affäre nur leider das falsche Thema dafür ausgesucht. Dass die Mailbox-Nachricht des Bundespräsidenten den Weg an die Öffentlichkeit gefunden hat, ist kein Ergebnis eines “Systems Bild-Zeitung”. Es ist schlicht und ergreifend mediales Alltagsgeschäft. Die Mailbox-Nachricht hat unbestreibare Relevanz und ist von höchstem öffentlichen Interesse. Dass die Bild sie nicht selbst sofort verwertet hat, kann man dem Boulevardblatt als geschickt oder hinterhältig auslegen – je nachdem. Dass die Nachricht wie auch immer veröffentlicht wurde, ist aber eine gute Sache, weil wir alles etwas über unseren Bundespräsidenten gelernt haben. Wenn die taz die Bild kritisieren will, sollte sie sich ein anderes Thema suchen und ein wenig von ihrem Diekmann-Tick runterkommen. So wie sich Charlie Brown vielleicht eine andere Spielpartnerin suchen sollte als Lucy. Die wird dem armen Charlie nämlich immer über sein.

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