Wer schützt Ramona Leiß vor sich selbst?

Fernsehen Auf den ersten Blick läuft alles nach Plan im RTL-Dschungel, wenn auch nicht ganz so rund und ganz so erfolgreich wie in den Jahren zuvor. Doch abgesehen von Geschmacksfragen, ersten leichten Hängern im Spannungsbogen und in der Quotenkurve sowie dem überbordenden Sex-Genudel gibt es im Camp etwas, das selbst dem Spektakel gegenüber aufgeschlossene Zuschauer irritiert: die verstörenden Auftritte von Ramona Leiß sowie die Frage, wer diese Kandidatin eigentlich vor sich selbst schützt.

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Am Sonntag, zwei Tage nach Beginn der Show "Ich bin ein Star – holt mich hier raus!" bilanzierte Bild.de bereits ernüchtert: "Die Frau, die in den 90er jeden Sonntag in bester Laune den ZDF-Fernsehgarten moderierte, mauserte sich im Dschungelcamp zur Krawall-Kandidatin. Laut, herrisch, extreme Stimmungsschwankungen." Zu diesem Zeitpunkt hat die 54-Jährige laut RTL-Videotext bereits eine "Auszeit" genommen; sie kann von den Zuschauern nicht mehr für eine Dschungel-Prüfung nominiert werden, angeblich wegen eines Rückenleidens.
Es ist offenkundig, dass im gnadenlosen Aussieben, welcher Kandidat oder welche Kandidatin in der Urwald-Arena das Zeug zum Dschungel-König/in oder wenigstens Aussicht auf einen Hauch von Kultstatus hat oder wer im Gegenzug als Nervensäge abgestempelt wird, schnell Tendenzen sichtbar werden.

Ramona Leiß geriet dabei schon in die Außenseiterrolle, als die B-Promi-Combo das Camp noch gar nicht richtig bezogen hatte. Ein Abstieg, der umso schwerer wog, weil etliche – auch MEEDIA – der Fernsehmoderatorin nach der Papierform weit mehr zugetraut hatten. So schrieb etwa Spiegel Online bereits nach Ausstrahlung der Auftaktsendung: "Ramona Leiß (…) scheint anfangs prädestiniert zu sein für die Rolle der patenten Campmutter. Aber dann trifft die Gruppe bei der ersten Ankunft auf ein kalkuliertes Chaos, und Frau Leiß reagiert wie ein Schaf, das in einen Graben gekullert ist und nun rücklings resigniert auf den unausweichlichen Tod wartet: ‚Ich bin verzweifelt‘, sagt sie immer wieder."
Am Montag, nach der dritten RTL-Show-Folge, wird stern.de noch deutlicher und titelt: "Ramona außer Rand und Band". Im Artikel heißt es: "Ramona Leiß wurde erneut vom Fieber geschüttelt und kannte kein Halten mehr. In einem manischen Monolog ergoss sie sich über Rocco Stark und dessen Sinn für Ordnung und Hygiene. Seine Klamotten flögen umher, sein ganzer Müll dazu und mittendrin sein ‚Schmutznapf‘ mit Überbleibseln vom letzten Mahl. Das müsse sich ändern. Es weiß schließlich jeder: Essensreste locken erst die Ameisen an. Und dann kommen die Ratten. Und sind die Ratten erstmal da, folgen die Schlangen. Und die – so viel ist sicher – wird man nicht wieder los. Und wenn es nicht die Tiere sind, dann die Krankheiten."
An Krankheit erinnern auch die Vokabeln, mit denen stern.de die Kandidatin selbst belegt: von einem "cholerischen Schub der Ex-Moderatorin" ist die Rede, an anderer Stelle heißt es, Leiß habe "paranoid" gewirkt, schließlich wähnt das Portal die "Fernsehgärtnerin a.D" sogar "am Rand des Wahnsinns", um zum Urteil zu kommen: "Das war nicht die Camp-Mutti, die sich manch einer erhofft hatte, das war die Krösa-Maja kurz nach der Menopause."
Solche Texte machen auf alarmierende Weise deutlich, dass der aktuelle Fall einer von Camp-Insassen wie Zuschauern vermehrt geächteten Kandidatin wenig mit Vorläufern aus früheren Staffeln gemein hat. Selbst ein Extrembeispiel wie 2011 Sarah Knappik hat als "Nerv-Natter" nicht annähernd einen ebensolchen Eindruck erweckt wie Ramona Leiß schon nach den ersten Dschungel-Tagen – nämlich mit sich und der Situation rettungslos überfordert zu sein und dabei den Eindruck zu erwecken, dass der immer wahrscheinlichere Fall eines vorzeitigen Abgangs von einer Eruption begleitet sein könnte, deren Folgen für die labile Kandidatin selbst fatal sein könnten.
Die Produzenten der Show stecken in einem Dilemma. Sie haben sich im Vorfeld durch weitreichende Verträge juristisch abgesichert, und sie hätten erwarten können, dass da – wieder aufgrund der "Papierform" – eine viel gefestigtere Person ins Camp einzieht. Zudem erscheint die teils überkochende, teils klagend-stumpfsinnige Art, die Leiß an den Tag legt, für die Gruppendynamik und damit auch für die Quote interessante Perspektiven zu bieten. Die Verlockung, eine "gestandene" Person im Team zu lassen, dürfte groß sein.
Gerade das ist nach Lage der Dinge aber auch hochriskant und lässt eines außer Acht: die Frage, ob Leiß in den Extremsituationen über die Steuerungsfähigkeit verfügt, selbst zu entscheiden, wann es genug ist, und ob sie fähig wäre, einen "geordneten" Rückzug anzutreten, der sie nicht weit über die Zeit im Dschungel hinaus von der Außenwirkung her, vor allem aber auch mental schädigen könnte. Von einer "tickenden Zeitbombe" hat MEEDIA bereits geschrieben.
Die Macher der Sendung hätten Respekt verdient, wenn sie diese Entscheidung für die Kandidatin treffen werden. In der Verfassung, in der sich Ramona Leiß im australischen Urwald und – nicht zu vergessen – vor rund sechs Millionen TV-Zuschauern präsentiert, hat sie in der Show nichts zu suchen. So erscheint sie eher ein Fall für Dr. Bob – aber nicht den klamaukigen Maskenbildner und Sekundanten der Dschungel-Prüfungen, sondern für einen mit therapeutischer Ausbildung.

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