Amazons trojanischer Buchpreis

Publishing Jetzt vergibt Online-Händler Amazon auch noch einen Buchpreis. Der E-Commerce-Riese entwickelt sich immer mehr zu einem One-Stop-Shop für alles, was mit Büchern zu tun hat. Eigener E-Reader, eigener Verlag in den USA und jetzt auch noch ein eigener Preis. “Entdeckt!” heißt der “Amazon Autoren-Preis”, der deutschsprachige Schreibtalente fördern soll. Der Autorenpreis könnte aber auch den Start von Amazons Verlagstätigkeiten in Deutschland vorbereiten helfen.

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Jetzt vergibt Online-Händler Amazon auch noch einen Buchpreis. Der E-Commerce-Riese entwickelt sich immer mehr zu einem One-Stop-Shop für alles, was mit Büchern zu tun hat. Eigener E-Reader, eigener Verlag in den USA und jetzt auch noch ein eigener Preis. “Entdeckt!” heißt der “Amazon Autoren-Preis”, der deutschsprachige Schreibtalente fördern soll. Der Autorenpreis könnte aber auch den Start von Amazons Verlagstätigkeiten in Deutschland vorbereiten helfen.

Die Redaktion von Amazon.de wählt jedes Quartal fünf Buchtitel aus, die zur Wahl gestellt werden. Aktuell sind dies “Die Gesichtslosen” von Stephanie Fey, “Inseln im Wind” von Elena Santiago, “Die Marionette” von Alex Berg, “Irgendwann werden wir uns alles erzählen” von Daniela Krien und “Das finstere Tal” von Thomas Willmann. So weit, so gut. Nichts gegen die Bücher. Ein bisschen merkwürdig ist freilich die Art und Weise, wie der Sieger ermittelt wird, nämlich mit Hilfe der Amazon-Kundenbewertungen. Am Ende gewinnt derjenige Roman, der zum Ablauf der Frist die besten Bewertungen bekommen hat.

Amazon fordert in diesem Zusammenhang dazu auf, auch aufgrund einer Leseprobe die jeweiligen Romane zu bewerten. So ehrenvoll es sein mag, deutschsprachige Autoren zu fördern, die Art und Weise der Preis-Ermittlung klingt ein bisschen unseriös und riecht nach PR-Vehikel. Dass ganz nebenbei vielleicht auch der Absatz an E-Books und Print-Büchern gefördert wird, nimmt man wahrscheinlich billigend in Kauf. Die nominierten Autoren dürften sich freuen, dass sie von Amazon so prominenten beworben werden. Und da in jedem Quartal fünf neue Bücher auf die Liste kommen, macht sich Amazon viele deutsche Autoren zu Freunden.

In den USA ist Amazon bereits als echter Verlag am Markt präsent, schließt mit namhaften Autoren Verträge ab und bringt eigene Bücher heraus. Auch deutsche Autoren hat Amazon in den USA im Programm. Für das Label Amazon Crossing hat die Firma deutsche Bücher ins Englische übersetzt und vertreibt diese in den USA und teilweise weltweit. Prominentestes Beispiel ist die “Henkerstochter”-Reihe von Oliver Pötzsch, der in Deutschland von Ullstein verlegt wird (siehe hier den Buchreport zum Thema).

Sechs eigene Verlagslabels hat Amazon mittlerweile, bei denen sowohl Print-Bücher als auch E-Books veröffentlicht werden. Da kann es nicht schaden, wenn man auf dem deutschen Markt gute Beziehungen zu Autoren aufbaut. Insofern könnte sich der Autoren-Preis für die Verlage der ausgezeichneten Autoren als trojanischer Preis entpuppen. Einen preisgekrönten Autoren hat jeder Verlag gerne im Stall. Fragt sich nur, wie lange noch. Am Ende sind sie vielleicht beide bei Amazon: der Autor und der Preis.

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