Mailbox-Parodie: Diekmann verwulfft die taz

Publishing Die taz hat Bild-Chefredakteur Kai Diekmann in einem offenen Brief einen Fragenkatalog zur Rolle der Bild-Zeitung bei der Mailbox-Affäre des Bundespräsidenten geschickt. Die taz gab Diekmann bis kommenden Montag um 16 Uhr Zeit, auf die Fragen zu antworten. Der Bild-Chef zögerte nicht lange und schickte eine schnelle Replik, und zwar ganz im Stil der Original-Mailbox-Nachricht von Bundespräsident Christian Wulff. Für ihn und seine Sekretärin, so Diekmann, sei die Aller überschritten.

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Die Mail des Bild-Chefs an taz-Redakteur Felix Dachsel ist in dem gleichen Duktus gehalten, wie die berühmte Mailbox-Botschaft von Bundespräsident Christian Wulff an Kai Diekmann. Während Wulff allerdings “gerade auf dem Weg zum Emir” war, befindet sich Diekmann ausweislich seiner Nachricht “gerade auf dem Weg nach Ludwigshafen zum Altkanzler”.

Er sei im Moment sehr eingespannt, schreibt Diekmann, weil er “jeden Tag von 10 bis 12 Uhr Termine” habe und in den “letzten Tagen in Berlin-Mitte, Kreuzberg, Charlottenburg, Dahlem und Potsdam unterwegs” war. Dann wird Diekmann drohend: “Ich bitte sehr um Vergebung, aber wenn der Artikel, den Sie planen, wirklich erscheinen sollte, werde ich meine tazPresso-Tassen zurückschicken und meine taz-Anteile dem AWD zur Weitervermarktung zur Verfügung stellen.”

Diekmann hält sich in seiner Replik auf die taz-Anfrage ziemlich genau an die berühmt gewordene Präsidenten-Nachricht. Diekmann an die taz: “Da das mir von Ihnen gestellte Zeitfenster denkbar knapp ist, bitte ich Sie ganz herzlich um einen Aufschub, bis ich Donnerstag wieder im Büro bin. Dann lade ich Sie auch gerne ein und wir können ausführlich über alles sprechen. Sie sollten sich aber bitte sehr genau überlegen, ob Sie das wirklich wollen. Das Verhältnis zwischen taz und Bild ist in der letzen Zeit von großer Harmonie geprägt. Sie riskieren gerade den Bruch zwischen unseren Häusern. Können Sie denn nicht akzeptieren, dass der wichtigste Journalist des Landes auch mal ein paar Tage unterwegs ist, um ein paar Freunde zu besuchen!?”

Was bei Wulff noch “Krieg war, ist bei Diekmann die “Schlacht”: Wir sollten uns dann wirklich am Donnerstag zusammensetzen und darüber entscheiden, ob und wie wir in die Schlacht ziehen wollen.” Und auch eine zünftige Flussüberschreitung darf nicht fehlen: “Ich entschuldige mich noch einmal sehr bei Ihnen für meinen Anruf. Das habe ich wirklich noch nie tun müssen, aber hier ist jetzt ein Punkt erreicht, wo für mich und meine Sekretärin wirklich die Aller überschritten ist.” Die Drohung mit Strafanzeige fehlt freilich auch.

Nimmt der Bild-Chef die taz-Fragen etwa nicht ernst? Immerhin hat Diekmann die taz mit seinem früheren Blog-Projekt auch reichlich belämmert aussehen lasen. Die Mail aus der Bild-Chefetage endet aber mit einem versöhnlichen PS. “Selbstverständlich” erhalte die taz pünktlich ihre Antworten auf die Fragen. Fortsetzung ist also garantiert.

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