ARD setzt 2012 auf „Rommel“ und Rhode

Fernsehen Mehr Grimme-Preis-Regen statt Quoten-Segen? In Hamburg hat der ARD-Programm-Direktor Volker Herres die fiktonalen Programm-Highlights der kommenden zwölf Monate vorgestellt. Die wichtigsten terminlichen Änderungen betreffen den Sommer. Denn sobald es warm wird, sendet das Erste am Montag hochwertige Kino-Produktionen. Der Mittwoch bleibt Fernsehfilm-Tag, der aber kaum für Super-Quoten sorgen wird. Dafür muss der Sport mit den Groß-Events Fußball-EM und Olympischen Spielen sorgen.

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In seiner Begrüßungsansprache erklärte Herres sein Dilemma, dass die meisten Kommentatoren das ganze Jahr über "eindringlich appellieren" würden, "doch bitte nicht so sehr auf die Quoten zu achten". Doch kaum ist der Jahreswechsel erreicht, hagelt es "vernichtende Urteile", weil RTL weiterhin Marktführer sei und die ARD immer noch Zuschauer verliere. Dabei sei es doch nicht "egal, mit welchen Programm man seine Zuschauer erreicht. Denn die Stärke von RTL basiert ja schon sehr auf speziellen Angeboten – vor allem im Tagesprogramm." Eine klare Anspielung auf die vielen Scripted Reality-Formate, die die Kölner am Nachmittag senden.
Um eine andere Art von Fiktion ging es den Programmdirektor dann jedoch tatsächlich: den Fernsehspielfilm. Das Highlight der kommenden Monate wird bereits lange vor der Ausstrahlung kontrovers diskutiert: das TV-Drama "Rommel" mit Ulrich Tukur in der Rolle des Wehrmachtsgenerals. Weitere Hoffnungsträger sind unter anderem die Literaturverfilmungen "Der Turm" und "Heimkehr". Als echtes Thriller-Highlight dürfte der Armin Rhode-Film "Alleingang" gelten.
Gerade auf diese Mittwochsfilme scheinen die Programm-Macher besonders stolz zu sein. Denn sie sind ein Beispiel, dass Quote und Qualität doch noch halbwegs zusammenpassen. So weist die ARD-Fernsehfilmkoordinatorin Verena Kulenkampff nicht ohne einen gewissen Stolz darauf hin, dass der Marktanteil der großen Mittwochs-Produktionen seit Jahren beständig bei 14,5 Prozent liegt. Auf der Qualitätsseite kann sie im abgelaufenen Jahr zudem auf sechs gewonnene Grimme-Preise allein im Bereich Fiktion verweisen. Weitere Neuerungen für die kommenden Monate: Die Serien "Weissensee" und "Mord mit Aussicht" gehen jeweils in die zweite Staffel, dazu werden zwei neue Sendeplätze für Dokumentationen am Montag etabliert.
Wichtigster Lieferant der ARD in Sachen TV-Filme bleibt die Degeto. Vehement versuchten die Programm-Verantwortlichen den Eindruck zu erwecken, als ob die krisengeschüttelte Gesellschaft mittlerweile aus dem Gröbsten heraus sei. So versicherte die Geschäftsführerin Bettina Reitz, dass die Degeto "auch 2011 besser als ihr Ruf" war. Trotz aller Unkenrufe wurde die "Arbeit nicht gestoppt". Allerdings sind die Film-Lager noch gefüllt. Das bedeutet, dass die Produktionen 2012 kräftig heruntergefahren werden. Aber: "Wir sind nicht so schlecht aufgestellt, wie sie manchmal meinen."
Die Krisenmanagerin, die erst seit kurzen das Sagen bei der Produktionsgesellschaft hat, wird bereits im Mai wieder bei den Frankfurtern aufhören und zum Bayerischen Rundfunk wechseln. Auf die Frage, ob sie denn schon wisse, wer ihr nachfolge, gab es jedoch nur eine höchst knappe Antwort: "Nein."
Ob die ganzen Filme und Produktionen aber tatsächlich funktioniert haben, werden die ARD-Manager erst am Ende des Jahres sicher wissen. Und dann geht die Plackerei wieder von vorne los. Denn Herres hat gelernt: "Fernsehen ist wie ‚Super-Mario-Land‘: Jedes Mal, wenn man etwas geschafft hat, geht es wieder von vorne los – nur schwerer."

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