Der Preis ist heiß im Auswärtigen Amt

Publishing Auch eine Nachprüfung half nichts: Die Nachrichtenagentur dapd darf künftig das Auswärtige Amt und damit alle deutschen Botschaften und Konsulate mit Berichterstattung über Deutschland beliefern. Bis Ende 2010 besorgte dpa diesen so prestigeträchtigen wie lukrativen Job für das Ministerium. Laut einer Mitteilung von dapd wies die Erste Vergabekammer des Bundes einen von der dpa gestellten Nachprüfungsantrag ab. Der Vertrag läuft über zwei Jahre.

Werbeanzeige

Der Auftrag war erstmals ausgeschrieben worden; im Dezember vergab das Auswärtige Amt (AA) diesen an dapd. Daraufhin ließ die Deutsche Presse-Agentur, die seit langer Zeit Dienstleister des AA war, ein vergaberechtliches Nachprüfungsverfahren einleiten. Ausschlaggebend für die Neuvergabe war offenbar das "finanziell deutlich günstigere Angebot", wie dapd selber in der Mitteilung schreibt. 

Zum Hintergrund: Ursprünglich war es die dapd, die gegen die Vergabekriterien des zu vergebenden Auftrags vorgegangen ist. Nach einem längeren Verfahren wurden die Kriterien dann neu formuliert. Unzweifelhaft dürfte der vom Bewerber aufgerufene Preis für die Dienstleistung im neuen Katalog eine größere Rolle spielen. 

Unklar ist noch, ob die dpa gegen die Entscheidung der Vergabekammer Beschwerde einlegen wird – was möglich ist. "Wir prüfen die Entscheidung genau", sagte dpa-Sprecher Christian Röwekamp gegenüber MEEDIA. Röwekamp weist auch darauf hin, dass der Auftrag des Auswärtigen Amtes bereits Ende 2010 auslief und die Kündigung des Vertrages bereits im Jahr 2009 erfolgte. Die Agentur habe somit ausreichend Zeit gehabt, sich auf einen eventuellen Verlust des Auftrags vorzubereiten. Gegenüber dem Branchendienst kressreport hatte dpa-Geschäftsführer Michael Segbers kürzlich erklärt, dpa werde das Geschäftsjahr 2011 nach zwei Jahren mit einem negativen Ergebnis in Folge wieder mit schwarzen Zahlen abschließen.  

Die beiden Konkurrenten beharken sich seit einiger Zeit sowohl auf dem freien Markt wie vor Gericht. Seit sich die Agentur dapd, hinter der die Finanzinvestoren Peter Löw und Martin Vorderwülbecke stehen, zur Vollagentur und damit zum direkten Wettbewerber des Marktführeres dpa erklärt hat, nehmen die Auseinandersetzungen zu. So hatte dapd u.a. moniert, dass das Bundespresseamt für die Belieferung mit Informationen und Nachrichten unterschiedlich hohe Beträge an dpa und dapd zahle. Auch die dpa ist derweil nicht ganz tatenlos: Zuletzt gewann sie die Rheinische Post als Verlagskunden zurück. Die Streitigkeiten werden angesichts des harten Preiskampfes vermutlich eher zu- als abnehmen. 

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige