Westfalen-Blatt: Übernahme in zwei Schritten

Publishing Die Unternehmensgruppe Aschendorff in Münster will den Verlag des Bielefelder Westfalen-Blatt offenbar komplett übernehmen. Dies geht aus einem Fallbericht des Bundeskartellamts hervor, den die Behörde am Dienstag veröffentlicht hat. Demnach plane Aschendorff Medien den Erwerb der C. W. Busse Holding "in zwei Schritten". Im ersten Schritt hat das Münsteraner Medienunternehmen im Familienbesitz 24,9 Prozent an der Holding übernommen. Das Kartellamt hat keine Einwände.

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Der Mitbewerber des Westfalen-Blatt, die Neue Westfälische in Bielefeld, berichtete am Donnerstag über die Stellungnahme des Kartellamts. MEEDIA hatte bereits im vergangenen Juli über die sich anbahnende Übernahme informiert. Damals bestätigte die Unternehmensgruppe Aschendorff, die u.a. die Zeitung Westfälische Nachrichten herausgibt, den beabsichtigten Erwerb einer Minderheitsbeteiligung. Dabei vermied es der Verlag, über strategische Vorhaben zu sprechen oder gar weitergehende Ambitionen auf die Mehrheit am Bielefelder Verlag erkennen zu lassen. Man beließ es dabei, den Zukauf als eine "Finanzbeteiligung" zu charakterisieren.

Der Fallbericht des Kartellamts (hier zum pdf) belegt nun, dass es Aschendorff um die Übernahme der "alleinigen Kontrolle" zu gehen scheint. Zum Hintergrund: Hinter Aschendorff stehen die Cousins Benedikt und Eduard Hüffer als Mitgesellschafter und Geschäftsführer. Zur Unternehmensgruppe zählen u.a. Buch- und Fachverlage, Anzeigenblätter, Zeitschriften, Radio-Beteiligungen und ein lokaler Internet-TV-Sender. Die Gruppe soll insgesamt rund 100 Millionen Euro im Jahr umsetzen. Die Cousins, die öffentlich kaum in Erscheinung treten, sind Juristen und führen die Gruppe seit 1999. Für sie ist der Einstieg die erste Expansion außerhalb ihrer Heimat. Im Münsterland selber sind Zukaufsmöglichkeiten kaum gegeben.

Das Westfalen-Blatt ist mit 85,5 Prozent im Besitz der C. W. Busse Holding GmbH. Gesellschafter waren bisher die Familie Busse (92,7 Prozent) und Michael Best (7,3 Prozent). Best ist auch Geschäftsführer der Holding und der Westfalen-Blatt GmbH. Sein Sohn André Best ist Chefredakteur der Zeitung. Die Neue Westfälische weist darauf hin, dass laut Handelsregister vom 28. November bzw. 13. Dezember Erika und Harald Busse nicht mehr Geschäftsführer der C.W. Busse Holding neben Michael Best sind. Christoph Pepper, Chef des Mindener Tageblatt, verweist in seinem Redaktionsblog darauf, dass als neuer Co-Geschäftsführer beim Westfalen-Blatt Thilo Grickschat eingesetzt wurde, der bisher u.a. Co-Geschäftsführer des Druckhauses Aschendorff war.  

Eine kleine Beteiligung von 14,5 Prozent am Westfalen-Blatt hält derweil noch der Westfälische Anzeiger, der zum Medienkonglomerat des Verlegers Dirk Ippen (u.a. Münchner Merkur) gehört. Ippen soll sich auch Hoffnungen auf die Übernahme der Kontrolle beim Westfalen-Blatt gemacht haben. Der Minderheitsanteil wurde ihm von der Axel Springer AG verkauft, die über die Jahre Beteiligungen an Regionalzeitungen abgestoßen hatte. Auf eine Anfrage von MEEDIA, ob nun auch die Anteile des Westfälischen Anzeigers am Westfalen-Blatt zum Verkauf stünden, antwortete Ippen: "Wir haben keine Verkaufsabsichten." 

Der Einstieg der Münsteraner ist eine Sache der kalkulatorischen Abwägung. Vermutlich wird es möglich sein, zwischen den Verlagen in Münster und Bielefeld Synergien zu finden und so vor allem Verwaltungskosten zu sparen. Inwieweit etwa bei der Mantelproduktion auch redaktionelle Kosten gespart werden könnten, ist unklar. Dem gegenüber steht eine kostspielige, aber nötige Investition in ein neues Druckzentrum in Bielefeld.

Unterm Strich bleibt vor allem die Tatsache, dass es in der immer noch starken deutschen Regionalzeitungslandschaft auf absehbare Zeit einen wirtschaftlich unabhängigen Verlag weniger geben wird. Das Westfalen-Blatt als konservative Traditionszeitung (Auflage aktuell bei knapp 120.000 verkauften Exemplaren) wird dem gegenüber vermutlich weiter als eigenständiges publizistisches Organ bestehen.

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