„Pressefreiheit keine Selbstverständlichkeit“

Publishing Besser hätte man sich den Zeitpunkt nicht auswählen können. Passend zum Disput zwischen Wulff, Bild und den restlichen Medien über Transparenz und Pressefreiheit startet die Axel Springer Akademie ihr neues Projekt 20zwoelf.de. "In vielen Hintergrundberichten, Porträts, Interviews und Videos dokumentiert es, wie es um die Pressefreiheit in Deutschland 2012 bestellt ist", erklärt Akademie-Direktor Marc Thomas Spahl das Konzept im MEEDIA-Interview.

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Wofür steht 20zwoelf.de?
Dahinter verbirgt sich das Pressefreiheits-Portal der Axel Springer Akademie. Es ist das Crossmedia-Projekt unseres Teams 10, das in vielen Hintergrundberichten, Porträts, Interviews und Videos dokumentiert, wie es um die Pressefreiheit in Deutschland 2012 bestellt ist.
Gerade für junge Menschen ist Presse- und Meinungsfreiheit inzwischen eine Selbstverständlichkeit. In Wahrheit aber – und das zeigt nicht zuletzt das Verhalten von Christian Wulff in den letzten Wochen – wird immer unverhohlener versucht, Einfluss auf die Medien zu nehmen, vor allem von Politikern und PR-Managern. So ist vor Monaten die Idee entstanden, eine große Website zu dem Thema zu machen.

Bei 20zwoelf führen Medienanwalt Christian Schertz  und Bild-Chefredakteur Kai Diekmann ein Streitgespräch über die Grenzen der Presse- und Persönlichkeitsrechte


Können Sie ein paar konkrete Beispiele nennen von Geschichten, die wir ab sofort Lesen und sehen können?
Bei ihren Recherchen sind die jungen Kollegen auf geheime Interview-Verträge gestoßen, die zeigen, wie knallhart Prominente versuchen, alles zu kontrollieren. Also nicht nur Antworten autorisieren wollen, wie es ja meist üblich ist, sondern auch Überschriften, Fotos, Bildunterschriften, sogar die Fragen, also das gesamte redaktionelle Umfeld. Unsere Nachwuchsjournalisten decken außerdem ziemlich unglaubliche Methoden von Bundesliga-Pressesprechern auf und haben das erste Interview mit dem BamS-Reporter Marcus Hellwig geführt, der vier Monate im Iran inhaftiert war. Und sie haben einen wirklich überraschenden Kurzfilm gedreht, das Storyboard dafür geschrieben und auch selbst mitgespielt.

Wie geht es nach dem Start der Webseite weiter?
Die Seite bietet schon jetzt eine ziemlich große Themen-Palette, das ist aber nur ein Anfang. Es wird weitere Geschichten, auch Fortsetzungen zu den bisherigen geben. Zusätzlich soll sich das "20zwoelfBlog" als lebendiges Diskussionsforum zu dem Thema entwickeln und die Leser zum Mitdiskutieren anregen. Das Ziel ist, dass "20zwoelf" zu einer Marke, einem Signal für Presse- und Meinungsfreiheit in Deutschland wird. Wenn das auch nur im Ansatz gelingt, wäre viel erreicht.

Warum ist es wichtig, sich überhaupt mit Pressefreiheit zu beschäftigten? Gibt es nicht andere Felder, in denen investigative Recherchen viel sinnvoller wären?
Die gibt es sicher, aber eine unabhängige Berichterstattung ist die erste Voraussetzung für jegliche Art von kritischem Journalismus. Die Pressefreiheit ist eines unserer höchsten Güter, und gerade weil wir uns so an sie gewöhnt haben, nehmen wir den schleichenden Prozess der Einflussnahme oft nicht wahr. Wir Journalisten müssen auf solche Missstände aufmerksam machen, müssen uns aber auch selbstkritisch mit der Pressefreiheit auseinandersetzen. Wo sind die Grenzen, wo beginnt das Persönlichkeitsrecht? Auch mit dieser Frage beschäftigt sich 20zwoelf. Am Ende muss es darum gehen, das Grundrecht der freien Meinungsäußerung zu verteidigen. So wie es etwa auch Axel Springer immer getan hat, dessen 100. Geburtstag wir in diesem Jahr feiern werden. Für uns ein wichtiger Anlass, auch er hat uns zu der Webseite inspiriert.

Schon vor dem Start haben sie über Wochen in einer Art Social-Media-Countdown die Tage bis zum Start gezählt. Ist es nicht eine Mogelpackung, wenn ständig spannende Geschichten angekündigt werden, ohne diese gleich zu liefern?
Social Media gehört einfach dazu. Natürlich wollen wir möglichst viele, gerade eben auch junge Menschen für unser Thema begeistern, und das geht am besten in dieser Reihenfolge: Unsere Leser neugierig machen, sie auf die Seite locken und sie dann mit gut recherchierten Hintergrundberichten, mit exklusiven Geschichten und mit innovativen Ansätzen, also auch ungewöhnlichen Formen von Journalismus zu überraschen. Ich denke, dass 20zwoelf das bietet. Die Resonanz darauf in den sozialen Medien war jedenfalls schon vor dem Start beachtlich.

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