Die Katze und die alten Bunte-Männer

Publishing Bei all dem Gedöns rund um die Krise des Bundespräsidenten gab es in dieser Woche auch noch was zum schmunzeln. Berufsblondine Daniela Katzenberger hat für ihre Vox-Dokusoap “Natürlich blond” die Redaktion der Bunten besucht und musste sich dort “verbalen sexuellen Übergriffen von alten Kadetten” erwehren. Gemeint war Star-Autor Paul Sahner. Und sonst: Keiner will “Tagesschau”-Chef Dr. Kai Gniffke auf die Mailbox sprechen, Bettina Schausten windet sich wegen des “Schausten-Tarifs”.

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Der arme Dr. Kai Gniffke von der “Tagesschau”. In ganz Deutschland wird über die Krise des Bundespräsidenten und dessen Anruf auf der Mailbox von Bild-Chefredakteur Kai Diekmann diskutiert. Bei Kai Gniffke hat noch nie ein Politiker auf die Mailbox gesprochen. Das erzählt uns der “Tagesschau”-Chefredakteur in seinem jüngsten Blog-Beitrag in einem Tonfall gewohnter Larmoyanz. Aber Gniffke wäre nicht Gniffke, hätte er für das Schweigen auf der Mailbox nicht sofort eine Erklärung parat, bei der er selbst und die “Tagesschau” mal wieder bestens dastehen: “Erstens haben seit 1952 Generationen von Nachrichtenjournalisten hier den Ruf der Tagesschau begründet als einer bis zum Starrsinn unbeeinflussbaren Institution. Diese Sturheit hat sich in der Politik rumgesprochen.” Aha! Die Politiker versuchen die “Tagesschau” nicht zu beeinflussen, weil die so supertoll stur und sowieso von vorneherein unbeeinflussbar ist. Könnte es nicht eher daran liegen, dass die “Tagesschau” schlicht nichts aufdeckt, was Politiker ärgern könnte? Die Hauptnachrichtensendung der ARD ist schließlich kein investigatives Format – es gibt noch nicht einmal Kommentare, über die sich Politiker ärgern könnten.

Fast noch drolliger ist Gniffkes zweites Argument: “Zweitens sind Angriffe auf die ARD und die Tagesschau-Redaktion wegen der föderalen Struktur äußerst schwierig. Neun Landesrundfunkanstalten mit Intendanten, Direktoren und Chefredakteuren wachen über unser Programm, hier funktioniert das checks and balances.” Jaha! Die verworrene, teure, kafkaeske ARD-Struktur als Bollwerk gegen politische Einflussnahme. Da muss man erst mal drauf kommen. Immerhin hat die Politik bei der Besetzung von wichtigen Posten bei den öffentlich-rechtlichen Sendern immer ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Da steckt der politische Einfluss sozusagen schon in der DNA des Systems. Aber, liebe Politiker, tun Sie Dr. Kai doch den Gefallen und sprechen ihm bei nächster Gelegenheit eine halbherzige Drohung – oder wie das jetzt heißt: eine Bitte um Verschiebung – auf seine Mailbox. Dann freut er sich und schreibt bestimmt wieder einen lustigen Blog-Artikel.

Nur ein Thema konnte dem strauchelnden, eiernden, kriechenden Bundespräsidenten in dieser Woche in Sachen Gesprächsstoff fast das Wasser reichen: ZDF-Polit-Girl Bettina Schausten. Die ZDF-Büroleiterin in Berlin hatte Wulff zusammen mit ihrem ARD-Kollegen Ulrich Deppendorf interviewt und dabei bekannt, dass sie für private Übernachtungen von Freunden 150 Euro berechnet. Was folgte, war eine Flut an Web-Witzeleien. Der Schausten-Tarif wurde zum geflügelten Wort. Jetzt will sie das natürlich wieder nicht so gemeint haben. Gegenüber der FAZ sagte sie: “Nein, natürlich nehme ich kein Übernachtungsgeld für meine Gästematratze, darum ging es auch nicht.” Doch, Frau Schausten, genau darum ging es! Und weiter: “Mir hingegen ging es darum, deutlich zu machen, dass man bei Urlaubsaufenthalten selbstverständlich auch bei Freunden einen finanziellen Beitrag leisten kann, was ich in der Vergangenheit in der Tat auch selbst schon getan habe.” Ja, was denn nun? Diese Antwort von Bettina Schausten auf die Frage nach der “Übernachtungs-Affäre” hat ja fast schon Wulff’sche Dimensionen.

Klartext geredet wurde stattdessen bei einem Streitgespräch zwischen dem Wulff-Mailbox-Experten und Bild-Chef Kai Diekmann und dem Berliner Medienanwalt Christian Schertz. Schertz hat in der Vergangenheit zahlreiche Prominente auch gegen Bild vertreten und galt lange als eine Art Nemesis des Bild-Chefs. Im Gespräch, das von Schülern der Axel Springer Akademie für das neue Projekt 20zwoelf.de moderiert wurde, herrschte jetzt Friede, Freude, Eierkuchen. Diekmann attestierte Schertz, dass man mit ihm professionell zusammenarbeiten könne. Schertz bekundete, dass man die Bild wohl nicht anders machen könne, als Diekmann sie macht. Das beste sind aber die Fotos und das Video zu dem Beitrag, in dem sich Diekmann und Schertz so ähnlich sehen wie zwei Brüder.

In dieser Woche war die Dokusoap “Natürlich blond” mit Daniela Katzenberger für Medien-Interessierte ein absoluter Einschalt-Tipp. Frau Katzenberger besuchte nämlich die Redaktionskonferenz der Bunten. Der selbst ernannte “Alterspräsident” Axel Thorer begrüßte die Berufsblondine. Der “amtierende Vorstandsvorsitzende” (Chefin Patricia Riekel war nicht anwesend) Sebastian von Bassewitz wurde wegen verschärften Nuschelns untertitelt, und Ober-Autor Paul Sahner fiel vor allem durch allerlei verbale Anzüglichkeiten auf. “Es gibt viele attraktive Fußballer in Deutschland. Gibt es einen mit dem sie mal gerne kicken würden”, fragte Sahner gleich als erstes. Dann wollte er ganz genau wissen, was Katzenberger mit ihrem ersten Freund denn so gemacht hat. Oder er fragte erfrischend sinnfrei: “Gibt es Himmel auch Botox?” Katzenberger irritiert, Sahner präzisierte: “Sie sind doch bekennende Botoxerin…” Katzenberger: “Was? Nee!” Axel Thorer versuchte die Situation zu retten, tätschelte dem Kollegen das Knie: “Das verwechselst du mit Silikon…” Die Alt-Herren-Runde bei Bunte muss sich nicht wundern, dass sie in der Katzenberger-Show dann ordentlich veralbert wurden. Thorer bezeichnete “die Katze” als “Mischung aus Meister Eder und einem Walross” und Sahner als “Mischung aus Peter Zwegat ohne Brille und Jopie Heesters drei Jahre jünger”. Vor allem Star-Autor Sahner blieb ihr im Gedächtnis: “Furchtbar, wie kann man sich so aufführen. Der Mann ist doch vorneweg schon 60. Also zwischen 60 und 80 ist der bestimmt. Der könnte mein Opa sein. Aber Opas benehmen sich nicht so. Immer diese verbalen sexuellen Übergriffe von diesem älteren Kadetten.” Die Sahner-Frage nach dem Botox im Himmel kommentierte Frau Katzenberger so:  “Am liebsten hätte ich gesagt: Ja, da sind lauter nackte Weiber, die den ganzen Tag Lambada tanzen und eine riesen Melkmaschine. Er hätte um einen Strick gebettelt.”

Das Video (es ist der letzte Beitrag der Sendung) gibt es in der Vox-Mediathek noch zum anschauen.

Schönes Wochenende!

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