Wulff kündigt TV-Erklärung zur Affäre an

Publishing Merkwürdiges Ende einer Schweige-Periode: Während sich Schloss Bellevue lange bedeckt hielt, was die Aufklärung jüngst aufgetauchter Vorwürfe gegen den Bundespräsidenten angeht, verkündete Christian_Wulff am Dienstag auf Twitter Neues: “Ich werde mich morgen, am Nachmittag, erklären. Ich bitte Sie um Geduld bis dahin. Vieles wird dann für Sie verständlicher, so hoffe ich.” Als alle noch rätselten, ob tatsächlich der Bundespräsident hinter dem Account steckt, bestätigte sein Amt ein TV-Interview am Nachmittag.

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Die beiden öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF werden das Interview zeitgleich austrahlen. Ein genauer Austrahlungstermin war zunächst nicht bekannt, auch nicht, ob das Gespräch live geführt wird.
Merkwürdig erscheint erneut die Art der Kommunikation. Sollte wirklich Christian Wulff den Account beim Social Media-Kurznachrichtendienst führen, dann wäre auch dies ein Novum: Ein amtierender Bundespräsident greift seinem Präsidialamt via Web-Statement – höchst ungewöhnlich.
Die Ansage via Twitter, Fake hin oder her, kam genau zur richtigen Zeit. Hatte die Presse nach dem Bekanntwerden von Details über einen Anruf des Bundespräsidenten beim Bild-Chef Kai Diekmann den Politiker mit harscher Kritik überschüttet. Das Amt sei zu groß für ihn, erklärte Ex-WDR-Intendant Friedrich Nowottny, von einem “politischen Selbstmordkommando” sprach Ex-Spiegel-Chef Stefan Aust. Der Tenor der Kommentare lautete gleich: Wulff wäre gut beraten zurückzutreten.

Die Öffentlichkeit und die Medien warteten auf eine Reaktion aus Schloss Bellevue. Diese haben sie nun via Twitter bekommen, auch wenn vieles dafür spricht, dass es sich nicht der echte Bundespräsident hinter diesem Account steckt. Denn obwohl das Konto mit seinem Amtsantritt angelegt wurde, kommt der Twitter-Wulff bislang nur auf sieben Statusmeldungen, verfügte aber bislang immerhin über rund 1000 Follower – eine Zahl, die sich seit der mysteriösen Ankündigung stetig erhöht.

Allerdings lesen sich die Tweets seltsam bodenständig und viel zu trocken und harmlos für einen typischen Fake-Account. Einen humorvollen Subtext, wie etwa beim vermeintlichen Google+-Account Steffen Seiberts durch die Titanic, sucht man hier vergebens. Eine Anfrage von MEEDIA von Mittwoch früh beim Bundespräsidialamt zur Sache blieb bislang (Stand: Mittwoch, 12 Uhr) unbeantwortet.
Stattdessen hieß es plötzlich offiziell, der Bundespräsident werde sich am Nachmittag in einem gemeinsamen Interview von ARD und ZDF zur Sache äußern. Bereits vorab hatte die ARD verbreitet, dass Wulff an seinem Amt festhalten werde. Man darf also gespannt sein.
Nachtrag, 12.12 Uhr: Wie das ZDF gegenüber MEEDIA erklärte, befinden sich die beiden Sender noch in der Programmplanung. Nähere Informationen, so eine Sprecherin, werde man gegen 13 Uhr mitteilen.

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