Wulff drohte offenbar auch Welt-Journalist

Publishing Bundespräsident Christian Wulff kommt nicht aus dem Schlagzeilen: Nachdem sein Wutanruf beim Bild-Chefredakteuer in den Medien hohe Wellen schlug, ist ein neuer Fall versuchter Einflussnahme auf Journalisten bekannt geworden. Wie Oliver Michalsky, stellvertretender Chefredakteur der Welt-Gruppe, via Facebook erklärt, zitierte Wulff einen Springer-Journalisten im vergangenen Jahr wegen eines Artikels über dessen Halb-Schwester ins Schloss Bellevue – und drohte mit "unangenehmen" Konsequenzen.

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Nur einen Tag, nachdem die persönlichen Beschwerde bei Bild-Chefredakteur Kai Diekmann über die Berichterstattung im Zuge Kreditaffäre hohe Welle schlug, wird ein weiterer Fall bekannt, bei dem Wulff an einen Journalisten mit Drohungen herangetreten ist.

Oliver Michalsky, stellvertretender Chefredakteur der Welt-Gruppe, wies auf einen Vorfall, der sich im vergangenen Sommer ereignet hat, via Facebook und Google+ hin: "Wegen dieses Artikels übrigens wurde 2011 ein Kollege ins Schloss Bellevue komplimentiert, wo der Bundespräsident persönlich mit unangenehmen Konsequenzen im Fall einer Veröffentlichung drohte."

"Wir hatten nie ein besonders herzliches Verhältnis, der Christian und ich"
Beim Artikel handelt es sich um die bemerkenswerte Reportage über Christian Wulffs Halbschwester Bettina Mertschat-Wulff, von der die Öffentlichkeit bis zur Veröffentlichung des Artikels in der Welt am Sonntag am 26. Juni 2011 kaum etwas wusste.

Christian Wulff und Mertschat-Wulff haben denselben Vater, Rudolf Wulff, nicht aber dieselbe Mutter. Rudolf und Dagmar Wulff, die Eltern des Bundespräsidenten, ließen sich nach wenigen Jahren scheiden. Rudolf Wulff bringt mit Marlene Mertschat, einer "Serviererin in seiner ‚Union-Klause‘, die halb so alt ist wie er, noch ein Kind zur Welt –  Bettina Mertschat-Wulff, die als uneheliche Tochter geboren wird und über Jahre nicht weiß, wer ihr Vater ist.

Auch von Wulff wird sie nie erwähnt. "Sie ist die Schwester, die es eigentlich nicht gibt. Ihr Leben ist eine unerwähnte Episode im Leben des Bundespräsidenten", heißt es im Welt-Artikel. "Wir hatten nie ein besonders herzliches Verhältnis, der Christian und ich", wird Mertschat-Wulff dort selbst zitiert.

"Rubikon überschritten: Ein Verfassungsorgan hat offenkundig ein Problem mit Grundgesetz-Artikel 5"
Sind diese eher wenig rühmlichen Details der Wulffschen Familiengeschichte der Grund für die Einbestellung des Welt-Journalisten, für die persönliche Androhung von "unangenehmen Konsequenzen"? Welt Online schildert die Vorkommnisse vom vergangenen Sommer so: 

"Um eine Veröffentlichung zu verhindern, intervenierte das Bundespräsidialamt massiv – nicht nur beim Chefredakteur, sondern auch an höchsten Verlagsstellen. Einer der Autoren wurde in dieser Sache ins Schloss Bellevue gebeten, wo der Bundespräsident persönlich mit unangenehmen und öffentlichkeitswirksamen Konsequenzen im Fall einer Veröffentlichung drohte." Ganz gleich, was der Bundespräsident dem Springer-Journalisten im Schloss Bellevue eröffnet hat – von der Veröffentlichung "Der Geschichte der heimlichen Schwester" konnte Wulff die Welt nicht abbringen.

Welt Vize-Chefredakteur Michalsky kommentierte die gehäuften Einmischungen des Bundespräsidenten in die Redaktionsabläufe unterdessen via Facebook: "Ein Verfassungsorgan hat offenkundig ein Problem mit Grundgesetz-Artikel 5. Damit ist wohl der Rubikon überschritten."

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