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Techaktien: Horrorjahr für RIM und Nokia

Ende 2011 steht fest: Es dürfte als erneutes Krisenjahr in die Geschichtsbücher eingehen, zu fest hatte die europäische Schuldenkrise die Märkte rund um den Globus im Griff. Tiefer in ihre eigene Krise schlitterten unterdessen die großen Verlierer der Technologiebranche – Nokia und Research in Motion hatten mit ihren Handy-Modellen den Trend verschlafen und erlebten 2011 an der Börse ein Waterloo. Apple zählt trotz des Todes von Steve Jobs zu den Gewinnern, blieb aber knapp hinter einem alten Tech-Champion zurück.

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Ende 2011 steht fest: Es dürfte als erneutes Krisenjahr in die Geschichtsbücher eingehen, zu fest hatte die europäische Schuldenkrise die Märkte rund um den Globus im Griff. Tiefer in ihre eigene Krise schlitterten unterdessen die großen Verlierer der Technologiebranche – Nokia und Research in Motion hatten mit ihren Handy-Modellen den Trend verschlafen und erlebten 2011 an der Börse ein Waterloo. Apple zählt trotz des Todes von Steve Jobs zu den Gewinnern, blieb aber knapp hinter einem alten Tech-Champion zurück.

Die Tech-Gewinner
3. Intel: 16 Prozent
Ein Plus von 16 Prozent ist normalerweise nicht der Rede wert, im Falle des problematischen Börsenjahres 2011 ist es jedoch ein echter Gewinn. Der US-Leitindex Dow Jones, in dem der Chiphersteller Intel geführt ist, legte etwa nur 4 Prozent zu – was im Vergleich zu anderen Indizes noch gut ist – der Dax etwa notierte 2011 zweistellig im Minus.
Auch für einige Dickschiffe der US-Techbranche war 2011 ein Verlustjahr: Microsoft, Oracle oder Cisco verloren zwischen 7 und 10 Prozent an Wert. Intel, 2000 sogar einmal kurzzeitig der wertvollste Konzern der Welt, konnte seinen Aktionären wie am Fließband ein Rekordquartal nach dem anderen mit zweistelligen Gewinnzuwächsen präsentieren – zuletzt summierte sich das Konzernergebnis auf 3,5 Milliarden Dollar.
2. Apple: + 24 Prozent
Ein Jahr, in dem Steve Jobs stirbt, kann kein gutes für Apple gewesen sein. Dabei spricht die Konzernbilanz eine ganz andere Sprache: Nie ging es dem Unternehmen aus Cupertino in seiner 35-jährigen Geschichte besser. Die Gewinne sprudeln nicht – sie explodieren förmlich.
108 Milliarden Dollar erlöste Apple im abgelaufenen Geschäftsjahr – 66 Prozent mehr als im Vorjahr, ein in dieser Größenordnung in der Technologiebranche noch nie gesehener Umsatzsprung. Die Konzerngewinne explodierten um 85 Prozent auf 26 Milliarden Dollar. Die Cash-Bestände schwollen auf in der Wirtschaftsgeschichte nie geschehene 81,5 Milliarden Dollar an.
Und was macht die Wall Street? Bewilligt Apple in einem Rekordgeschäftsjahr, das die Welt in dieser Wachstumsdynamik vermutlich nicht wieder sehen wird, gerade mal einen ziemlich mickrigen Wertzuwachs von 24 Prozent. Warum sich Apples Aktienkurs nicht proportional zum Gewinnwachstum entwickelte und zumindest wie im Vorjahr um 50 Prozent zulegte? Weil Anleger Apple nach dem Tod von Steve Jobs mit einem Discount handeln, der die Aktie mit einem KGV von weniger als 10 (nach Abzug der Barmittel) weitaus günstiger bewertet als den Durchschnitt des marktbreiten S&P 500.
1. IBM: + 25 Prozent
Das zumindest an der Börse erfolgreichste hoch kapitalisierte Tech-Unternehmen kommt da sogar mit einem Bruchteil von Apples Zuwächsen aus. IBM, in den 1980er Jahren einst dort, wo Apple heute steht, konnte Anlegern zuletzt nur ein Gewinnwachstum von 9 Prozent präsentieren, während die Erlöse um 8 Prozent zulegten. Big Blue lieferte Quartal für Quartal eine solide Bilanz in unsicheren Zeiten, die Anleger tatsächlich am Jahresende mit Aufschlägen von 25 Prozent goutierten – was im Vergleich zu Apples Gewinnexplosion schwer nachvollziehbar erscheint.
Während Apple bei Anlegern durch das Ausscheiden seines Gründers in einer Vertrauenskrise steckt, konnte sich IBM der größtmöglichen vertrauenbildenden Maßnahme der Wall Street erfreuen – einem gigantischen Investment der Anlage-Legende Warren Buffett. Für gleich 10 Milliarden Dollar kaufte sich „das Orakel von Omaha“ ein bei Big Blue – ein veritabler Ritterschlag des reichsten Mannes der Welt, der mit Investments in Coca Cola oder McDonalds reich wurde.
Passend dazu krönte IBM das beste Jahr seiner Geschichte mit einer Überrundung eines alten Rivalen: Seit Herbst ist IBM mit 230 Milliarden Dollar an der Börse wieder mehr wert als Microsoft und damit zum zweitwertvollsten Technologiekonzern der Welt aufgestiegen – der Abstand zur Nummer eins, Apple, beträgt indes immer noch fast 140 Milliarden Dollar.
Die Tech-Verlierer

Nokias Horrorjahr: – 52 Prozent
Es ist der Inbegriff der Aufstiegs- und Fall-Geschichte, die Anleger vielleicht auch bei Apple befürchten: Nokias Schicksal vom Branchenprimus zum Verfolger der sich erst wieder selbst finden muss. 2011 machte der finnische Handyhersteller nach Jahren des Niedergangs Tabula rasa: Der neue CEO Stephen Elop, der von Microsoft kam, kündigte im Februar praktischerweise eine Kooperation mit dem Softwareriesen an, nach der Nokias Smartphones künftig auf dem mobilen Betriebssystem Windows Phone 7 basieren werden.
Dummerweise dauerte es bis Mitte November, bis mit dem Lumia 800 das erste Modell auf den Markt kam – und das auch noch mit Software- und Akkufehlern. Die Resonanz ist bisher bestenfalls verhalten. Unterdessen verliert der einstige Platzhirsch aus Finnland weiter an Marktanteilen – und das Unternehmen an Börsenwert. Bei nur 3,50 Euro notierte das Papier, das zu Höchstzeiten mal 66 Euro wert war. Ein trauriger Niedergang, der 2011 allein mit einem Kursrutsch von 52 Prozent zu Buche schlug.
Research in Motion – Waterloo in Waterloo: – 76 Prozent
Noch dramatischer gebeutelt von der schier übermächtigen Konkurrenz des iPhones und der Android-Handys ist der einstige Smartphone-Pionier Research in Motion (RIM), der das Segment einst mit seinem Blackberry begründete.
2011 jedoch erlebte der im kanadischen Waterloo ansässige Technologiekonzern sein veritables Debakel: Das Wachstum stieß an Grenzen, verebbte – um dann regelrecht zu implodieren. Umsatz- und Gewinnwarnungen folgten, Marktanteile schmolzen zusammen wie Eis in der Sonne.
Was blieb, ist der erschreckende Kollaps der RIM-Aktie, die sage und schreibe 76 Prozent ihres Wertes einbüßte: Bei 58 Dollar ins Jahr gestartet, sind zwölf Monate später keine 14 Dollar mehr übrig. So grausam kann die Börse sein, wenn das Management auf die falschen Produkte setzt. Dabei verdient RIM immer noch Geld und will im laufenden Quartal immerhin noch 11 Millionen Blackberrys verkaufen. An Aktienmärkten zählt indes nur eine Währung: Wachstum. Das kann RIM wohl auf lange Sicht nicht mehr bieten. Übernahmewetten für 2012 laufen auf Hochtouren.

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