Medienaktien 2011 im freien Fall an der Börse

Das Börsenjahr ist gelaufen. 2011 war ein Jahr im Zeichen der europäischen Krise, die sich bislang nicht in den Bilanzen der Konzerne niedergeschlagen hat, aber doch an den Aktienmärkten allgegenwärtig war. 15 Prozent hat der deutsche Leitindex Dax verloren – und auch die meisten Medienaktien liegen zweistellig unter Wasser. Während ein Champion vergangener Jahre fast 40 Prozent seines Wertes einbüßte, legte ein Hamburger Internet-Unternehmen gegen den allgemeinen Markttrend zu.

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Das Börsenjahr ist gelaufen. 2011 war ein Jahr im Zeichen der europäischen Krise, die sich bislang nicht in den Bilanzen der Konzerne niedergeschlagen hat, aber doch an den Aktienmärkten allgegenwärtig war. 15 Prozent hat der deutsche Leitindex Dax verloren – und auch die meisten Medienaktien liegen zweistellig unter Wasser. Während ein Champion vergangener Jahre fast 40 Prozent seines Wertes einbüßte, legte ein Hamburger Internet-Unternehmen gegen den allgemeinen Markttrend zu.

5. ProSiebenSat.1: – 37 Prozent

Es waren fette Jahre der üppigen Zuwächse: 2009 und 2010 hieß die beste deutsche Medienaktie ProSiebenSat.1. 2011 nun das Spiegelbild: Die Münchner schneiden von allen großen Medienwerten am schwächsten ab. Dabei stimmt die Bilanz: Die Gewinne legen zweistellig zu, Thomas Ebeling hält den eingeschlagenen Wachstumskurs bei und konnte 2011 zudem den zeitweise erdrückenden Schuldenberg mit dem Verkauf der TV-Aktivitäten in den Benelux-Staaten senken. Alles richtig gemacht also? Das sieht die Börse nicht so und entzog dem einstigen Anlegerliebling brutal das Vertrauen, zu präsent ist wohl noch die Talfahrt der Jahre 2007 bis 2009, die im Pennystock-Bereich endete. Bei rund 14 Euro ist die ProSiebenSat.1-Aktie 37 Prozent billiger zu haben als noch im Vorjahr.
4. Axel Springer: – 19 Prozent
Auch das ist die Logik der Börse: Gewinne in der Konzernbilanz und Gewinne am Aktienmarkt gehen nicht immer Hand in Hand. Konzernchef Mathias Döpfner kann auch im Jahr der europäischen Schuldenkrise zweistellige Gewinnzuwächse vermelden – und damit ein weiteres Rekordjahr. Mehr noch: Der MDax-Konzern sieht sich selbst am „Wendepunkt in der Struktur des Unternehmens“, wobei Europas größter Zeitungsverlag schon zur Jahresmitte mehr Umsätze mit Online- als mit Printwerbung vorweisen konnte.

Keine Frage: Die Berliner haben mit ihrer Digitalsparte, zu der u.a. StepStone, Immonet oder etwa die Online-Angebote der Printmarken zählen, ein Powerhouse aufgebaut. Allein: Der Markt würdigt das noch nicht hinreichend. Knapp 19 Prozent liegt die Springer-Aktie auf Jahressicht hinten – und tendiert damit schlechter als der Vergleichsindex MDax. Analysten sprechen regelmäßig Kaufempfehlungen mit zum Teil 50 Prozent höheren Kurszielen aus – allein: Der Markt hat seine eigene Logik, von der sich auch die Springer-Aktie nicht abkoppeln kann.

3. Sky Deutschland: – 17 Prozent

Was war das für ein Jahresauftakt: Nach Jahren der fallenden Kurse, die die Sky-Aktie zeitweise zum Pennystock degradierte, explodierten die Anteilsscheine Anfang 2011 endlich wieder. Und wie! Unglaubliche 75 Prozent konnte der Münchner Pay-TV-Sender seit Anfang des Jahres zulegen – zur Jahresmitte summierte sich das Plus gar auf 150 Prozent. Treiber der Entwicklung waren neue Analystenhochstufungen im Zuge steigender Abonnentenzahlen. „Wir haben alle Kennzahlen verbessert und das beste Neukundenwachstum der Unternehmensgeschichte in einem dritten Quartal erzielt“, freute sich Konzernchef Brian Sullivan vor einem Monat bei Bekanntgabe der Geschäftszahlen für das abgelaufene dritte Quartal, in dem fast 100.000 neue Abonnenten hinzugewonnen werden konnten.

Trotzdem bleibt der erhoffte Sprung in die Gewinnzone weiter Zukunftsmusik. Bei zweistelligen Umsatzzuwächsen auf 284 Millionen Euro im dritten Quartal verlor die Murdoch-Beteiligung immer noch 47 Millionen Euro. Anleger verloren unterdessen im sich zunehmend verschlechternden Börsenumfeld die Geduld und schickten die Aktie zum Jahresende sogar unter das Startniveau von vor zwölf Monaten. Der MDax-Konzern beendet das Börsenjahr 2011 mit einem unbefriedigenden Minus von 17 Prozent fast auf Jahrestiefstkursen.
2. Tomorrow Focus: – 3 Prozent

Scheiden tut eigentlich weh – erst recht, wenn es nach erfolgreichen Jahren passiert. So könnte auch das Fazit für den langjährigen Vorstandsvorsitzenden der Tomorrow Focus AG, Stefan Winners, aussehen, der nun in die Vorstandsetage des Großaktionärs Burda einzieht.

Dabei hinterlässt Winners ein bestelltes Feld: Die Münchner haben sich erfolgreich von Content- zum E-Commerce-Anbieter gewandelt und können dank der Cashcows HolidayCheck und Elitepartner zweistellige Gewinn- und Umsatzzuwächse präsentieren. An der Börse fristet das nicht im TecDax gelistete Internet-Unternehmen indes weiter ein Schattendasein: Nach Kurszuwächsen von zur Jahresmitte noch 50 Prozent ging das Papier praktisch unverändert aus dem turbulenten Börsenjahr 2011.

1. Xing: + 16 Prozent

Power auf Dauer – das scheint das Motto der Xing AG zu sein, der der Aufstieg in den TecDax spürbar gutgetan hat.  Die Hamburger setzen ihren Wachstumskurs mit einem leicht zweistelligen Plus bei Umsatz und Gewinn fort. An der Börse gelang nach Jahren in einer engen Tradingrange 2011 endlich der Durchbruch: Die Xing-Aktie setzte im Jahresverlauf zum ganz großen Sprung an, der von 36 auf ein Allzeithoch bei 66 Euro führte.

Der maßgebliche Treiber der Entwicklung kam unterdessen aus Übersee. Als US-Rivale LinkedIn im Mai an die Börse ging, wurden Anleger auf den Bewertungsabschlag der deutschen Konkurrenz aufmerksam. Als sich der amerikanische Marktführer an der Börse schließlich am ersten Handelstag verdoppelte, beflügelte das auch maßgeblich die Xing-Aktie. Zum Jahresende haben sich beide Aktien indes stark von ihren Jahreshochs entfernt – Xing-Aktionären blieb von den Kursaufschlägen am Ende nur ein Plus von 16 Prozent. Das reichte allerdings immer noch für den Spitzenplatz unter den deutschen Medienaktien.

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