Mathias Döpfner: Der Journalist als Verleger

Mit Beginn des neuen Jahres steht Mathias Döpfner zehn Jahre an der Spitze der Axel Springer AG. Der 48-Jährige hat dem Vernehmen nach einen neuen Vertrag über fünf Jahre in der Tasche. Kommentiert wird das von offizieller Seite nicht, aber klar ist: Das Vertrauen, das Friede Springer in Döpfner setzte, wurde bisher reichlich belohnt. Döpfners persönliche Bilanz ist zwar nicht makellos, aber ihm gelang es, die Profitabilität des Konzerns zu steigern und diesen als Gewinner der Digitalisierung zu inszenieren.

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Wir erinnern uns: 2001, als Döpfners Vorgänger Gus Fischer noch Vorstandsvorsitzender war, fuhr Springer einen Jahresfehlbetrag von 198 Millionen Euro ein. Bei der Präsentation der Zahlen sagte Döpfner im Mai 2002: "Wir erleben die größte Krise der Printmedien seit dem zweiten Weltkrieg." Neun Jahre später erzielt der Konzern einen operativen Gewinn von einer halben Milliarde Euro. Heute sagt Döpfner Sätze wie diesen: "Axel Springer ist entschlossen und in der Lage, den dynamischen Wandel der Medienwelt als einer der europäischen Marktführer mitzugestalten." Der promovierte Musikwissenschaftler formte aus dem schwankenden Riesen eine auf Angriff gebürstete Medienmacht.

Dazu beigetragen hat vor allem ein rigider, aber vergleichsweise geräuscharmer Sparkurs, der im Grunde bis heute anhält. Kostendisziplin wird bei Springer groß geschrieben, aber Döpfner versteht es, durch wohl gesetzte Initiativen und Zukäufe zu zeigen, dass die Zeichen nicht auf Abbau, sondern auf Expansion stehen. Als zwei Eckpfeiler seiner Strategie setzt der gelernte Journalist auf Internationalisierung und Digitalisierung. In absehbarer Zeit soll die Hälfte der Umsätze des Konzerns mit digitalen Geschäftsmodellen erzielt werden. Derzeit liegt der Umsatzanteil bei knapp 30 Prozent. Dazu tragen freilich weniger journalistische Erlösmodelle bei, sondern in erster Linie Online-Marktplätze und Vermarktungsmodelle.

Mit einem geschickten Schachzug gelang es Döpfner bereits 2002, Springer-Großaktionär Leo Kirch aus dem Springer-Konzern zu vertreiben. Kirch, der in diesem Jahr verstarb, ging anschließend wegen der hohen Verschuldung seines eigenen Medienimperiums in die Insolvenz. Die Macht von Verlegerwitwe Friede Springer blieb daraufhin weitgehend unangefochten. Der Markt dankte Döpfners Durchgreifen – der Börsenwert des Medienunternehmens stieg auf etwa 3,3 Milliarden Euro. Döpfner selber dürfte einer der bestbezahlten Manager in Deutschland sein – und wohl kaum eine Medienkarriere wird in der Branche so genau verfolgt wie seine. An seiner Profilbildung arbeitet der Manager aber auch selber tatkräftig mit: Im Herbst veröffentlichte er das Buch "Die Freiheitsfalle" – ein Plädoyer für die Verteidigung der Demokratie gegen ihre Feinde. In den vergangenen Jahren wurde der artikulierte Vorstandsvorsitzende zu so etwas wie einem Sprachrohr vieler Verleger – auch ohne einen herausgehobenen Posten in den Verlegerverbänden. 2002 sagte Döpfner dem Spiegel: "Mit dem Begriff Verleger bin ich vorsichtig. Das kann man sich nur verdienen." Mittlerweile dürfte er die Vorsicht etwas abgelegt haben.    

Pleiten gab´s auch, keine Frage, und keine kleinen. "Meine berufliche Entwicklung war von Krisen, schwierigen Zeiten und öffentlichem Widerstand geprägt", sagte der Manager gerade in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. Die Rückschläge hätten ihm geholfen, "Bodenhaftung zu bewahren". Zu den Niederlagen Döpfners zählt das Debakel mit dem Postdienstleister PIN, der der Deutschen Post Konkurrenz machen sollte. Die Regierung führte derweil einen Mindestlohn für die Postbranche ein; das Geschäftsmodell war damit nicht mehr darstellbar. Springer schrieb 2007 schließlich 572 Millionen Euro ab. Döpfner scheiterte auch an der Übernahme der ProSiebenSat.1-Gruppe, die vom Kartellamt und der Medienkonzentrations-Aufsicht KEK untersagt wurde. Seither verfolgt Döpfner den Ausbau zum Bewegtbildanbieter auf kleiner Flamme. Wie sich die teuren Zukäufe von Digital-Plattformen wie etwa dem französischen Immobilienportal SeLoger entwickeln werden, ist letztgültig noch nicht absehbar – bis dahin gilt Döpfners Digitalstrategie sowohl als mutig wie auch als planvoll. Aus den Geschäftsfeldern E-Commerce und Social Media hält sich der Konzern weitgehend heraus.
Döpfner hat angekündigt, im kommenden Jahr Bezahlmodelle für die Nachrichtenportale der Springer AG einzuführen, vermutlich zuerst bei Welt Online. Als Journalist, der mit 18 Jahren für die FAZ schrieb, der 1994 Chefredakteur der (inzwischen lange eingestellten) Wochenpost und 1996 der Hamburger Morgenpost (beide Gruner+Jahr) wurde, und der 1998 den Chefposten bei Springers Welt übernahm, argumentiert Döpfner seit vielen Jahren gegen eine "Kostenloskultur" im Internet. 

Auf dem Papier wird 2012 zumindest schon mal ein gutes Jahr für Springer und Döpfner: Im kommenden Jahr feiert das Medienunternehmen seinen 100. Geburtstag. Und die Bild-Zeitung, die immer noch auflagenstärkste Verkaufszeitung Europas, wird 60 Jahre. Zur Feier soll es für jeden Haushalt im Lande eine Bild-Ausgabe geben. Mal sehen, wen das Blatt dann zum Gewinner des Tages kürt.      

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