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Kriminelle nach Facebook-Fahndung gestellt

Innovativer Fahndungsweg: Bisher war Facebook Gesetzeshütern ein Dorn im Auge. Gruppen für Blitzerwarnungen und aus dem Ruder laufende Partys brachten das Netzwerk unter Polizisten in Verruf. Anders in Hannover: Die dortige Polizei fahndet bei Facebook erfolgreich nach Kriminellen. Acht Festnahmen habe es in einem Pilotprojekt gegeben, berichtet das Hamburger Abendblatt. Die Behörde freut sich über mehr als 80.000 "Fans". Doch Datenschützer sind empört über das Vorgehen.

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Die Polizei Hannover sammelt Fahndungshinweise über Facebook. Dazu stellt sie Auszüge aus Pressemitteilungen in dem Netzwerk ein und kombiniert sie mit Fragen an die Nutzer. Den größten Wirbel erzeugte der Fall der 20-jährigen Annika B., die am 27. November auf offener Straße in Hannovers Innenstadt erstochen wurde. Das Foto der Frau und den Fahndungsaufruf dazu teilte die Facebook-Gemeinde 58.700 Mal und sie schrieb mehr als 5.100 Kommentare. Der Aufruf endet mit einem Hinweis der Polizei, in dem es heißt, die Nutzer sollten sich mit ihren Hinweisen telefonisch an die Kripo wenden und keine Verdächtigungen in den Kommentare posten.
60 Fahndungsaufrufe wurden in Hannover seit März über Facebook veröffentlicht. "Über soziale Netzwerke erreichen wir die junge Generation", sagte Stefan Wittke, Sprecher der Polizeidirektion, zum Hamburger Abendblatt. "Wir kommen ran an Täter, Opfer und Zeugen." Bei vielen Verbrechen seien die Beamten auf Hinweise junger Leute angewiesen. Männer zwischen 15 und 19 Jahren seien die gewaltbereiteste Gruppe der Bevölkerung.
Im Fall von Annika B. war vorübergehend auch eine Phantomzeichnung des angeblichen Mörders bei Facebook online. Die habe mehr als 25.000 Kommentare erhalten, wovon die Polizei laut Sprecher Wittke nur 25 löschen musste.
Auch die Bundesländer Hamburg und Schleswig Holstein zeigen sich interessiert an dem Projekt. "Wir stehen in sehr engem Kontakt zu der Polizei in Hannover und prüfen, inwieweit Online-Fahndungen bei uns umsetzbar wären", sagt Hamburgs Polizeisprecher Mirko Streiber dem Abendblatt. Er hält den hohen personellen Aufwand jedoch für problematisch. "Es müsste rund um die Uhr eine Betreuung des Internetauftritts gewährleistet sein, um schnell reaktionsfähig zu sein."
Dennoch ist das Projekt umstritten. "Der Server von Facebook steht in den USA. Dorthin werden alle Daten, auch Fahndungsfotos, transferiert sagte Niedersachsens Landesdatenschutzbeauftragter Joachim Wahlbrink. Dafür bedürfe es einer Rechtsgrundlage, die er nicht erkennen könne.

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