Evidero: Konstantins verkopftes Web-Portal

Seit Mitternacht ist das neue Portal von Konstantin Neven DuMont online. Evidero.de will "nachhaltig informativ" sein, Themen aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft kritisch unter die Lupe nehmen und neue Wege "zum bewussteren Leben" aufzeigen. Zu den ersten Schwerpunkten Geld und Essen gibt es eine Vielzahl an Hintergrundberichten und Kommentaren. Gebündelt werden alle Infos in einem Videomagazin. Anders als angekündigt, steht der Initiator zum Start nicht selbst vor der Kamera.

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Den Job überlässt Neven DuMont Moderatorin Jasmin Pour. Der 42-jährige Unternehmer kommt nur im Editorialtext zu Wort. Darin schreibt er, dass evidero.de den Anspruch habe, in der offenen Diskussion Orientierung geben zu wollen. "Das sollte eine Selbstverständlichkeit in einer scheuklappenfreien Debattenkultur sein." Um etwaigen Vorurteil vorzubeugen, erklärt Neven DuMont: "Das hat nichts mit grün-sozial-romantisch-esoterischer Träumerei zu tun, sondern mit Vernunft." Auf dem Portal werde es zudem weder "Greenwashing" noch politische Rücksichtnahme geben.
Das klingt alles zumindest gut gemeint, allerdings auch wenig greifbar. Man erinnert sich: Nach seinem jähen Aus als Vorstand und designierter Medienhaus-Chef im Konzern DuMont Schauberg 2010 hatte der Verlegersohn angekündigt, eine kritisches Medienportal starten zu wollen. Daraus wurde bisher nichts, evidero.de widmet umfassenderen Themen.
Die Website ist unterteilt in die Menüpunkte Themen, Blogs, Videos & Fotos. Da evidero.de auch eine Diskussionsplattform sein soll, werden die Kommentare zu den Artikeln in der linken Spalte recht prominent angezeigt. Auf der linken Seite werden die Autoren vorgestellt: Unter anderem schreiben der Tagesspiegel-Autor und Deutschlandfunk-Moderator Jürgen Zurheide sowie Nadine Oberhuber, die zuvor für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung Wirtschaftsthemen bearbeitete. Als Chefredakteur wurde Thomas Böing verpflichtet, über dessen journalistischen Hintergrund wenig bekannt ist. Konstantin Neven DuMont ist im Impressum als Initiator genannt.
Im Ganzen macht der erste Wurf von Neven DuMont als Unternehmer der KNDM GmbH einen ordentlichen, wenn auch biederen Eindruck: Das Layout ist dezent, die Seite wirkt aufgeräumt. Die Homepage kommt optisch wertig daher, allerdings zugleich überaus spaßfrei. Die Videos sind zwar abwechslungsreich in Schnitt und Aufmachung, und auch Prominente – wie der CDU/CSU-Politiker Wolfgang Bosbach – kommen als Experten zu Wort. Doch ob die verkopften Nachhaltigkeits-Themen ein großes Publikum ansprechen, ist fraglich – bieten Attac oder Greenpeace eher populäre Anlaufstellen, wenn auch aus einem anderen Blickwinkel. Und etablierte Nachhaltigkeits-Inseln wie Utopia.de (deren Seitenaufbau evidero nicht unähnlich sieht) offerieren anders als die KNDM-Plattform jede Menge Nutzwert und nicht nur Information und eher dröge Wissensartikel. Die evidero-Fangemeinde bei Facebook steigt zumindest: Waren es am Sonntagmittag noch 29 User, denen evidero.de gefällt, zählte die Seite am Mittwochnachmittag schon 157 Fans.
Im Interview mit dem Clap-Magazin Ende Juni hatte Konstantin Neven DuMont gesagt, dass er bereits 200.000 Euro allein in die Technik für KNDM.de investiert habe. Dabei hatte er auch erwähnt, dass er als Moderator vor der Kamera stehen werde, um Kommentare und Einschätzungen zur Lage der Welt zu geben.
Evidero soll sich offenbar ausschließlich über Werbung finanzieren. Ein Teaser auf der Homepage offeriert Unternehmen eine mehrmonatige exklusive Einbindung seines Werbemittels im Umfeld der Schwerpunkt-Themen (zum Start: Essen und Geld). Was die Präsenz auf dem "neuartigen und innovativen Format zum Thema Nachhaltigkeit", so die Selbstdarstellung des Portals, kostet, verrät die Seite nicht. Statt dessen heißt es, Interessenten werde "ein unverbindliches Angebot" erstellt.
Und auch auf der Suche nach Autoren sind Konstantin Neven DuMont und evidero offenbar noch: Gesucht werden "Blogger, Autoren und Experten" sowie "handwerklich saubere" Beiträge "mit Qualitätsanspruch". Auch Filmbeiträge sind willkommen: "Vom Selbstversuch über visuelle Meditation zum investigativen Undercover Stück – Sie werden sich wundern, wie offen wir sind, wenn eine Idee Hand und Fuß hat", heißt es in der Rubrik "Jetzt als Autor bewerben". Unklar ist, ob und in welcher Höhe Stücke entlohnt werden. Einzige Info in diesem Zusammenhang: "Wir veröffentlichen, wenn Themenbezug und Qualität stimmen." Die nächsten Monate werden zeigen, ob das Konzept des Verlegersohns nachhaltig aufgeht.

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