Telekom: Der amerikanische Traum ist vorbei

Es wäre auch zu schön gewesen: 39 Milliarden Dollar wollte AT&T für die Telekom-Tochter T-Mobile USA überweisen – dann trat die US-Regierung auf den Plan und stoppte die Übernahmepläne. Alle Versuche der deutsch-amerikanischen Allianz, den Verkauf doch noch durchzudrücken, sind gescheitert: AT&T zog nun die Reißleine und beerdigte das Projekt. Der Dax-Konzern erhält als Kompensation zwar drei Milliarden Dollar, hat aber seine ungeliebte Tochter zurück, die in Zukunft noch schwerer zu vermitteln sein dürfte.

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Es wäre auch zu schön gewesen: 39 Milliarden Dollar wollte AT&T für die Telekom-Tochter T-Mobile US überweisen – dann trat die US-Regierung auf den Plan und stoppte die Übernahmepläne. Alle Versuche der deutsch-amerikanischen Allianz, den Verkauf doch noch durchzudrücken, sind gescheitert: AT&T zog nun die Reißleine und beerdigte das Projekt. Der Dax-Konzern erhält als Kompensation zwar drei Milliarden Dollar, hat aber seine  ungeliebte Tochter zurück, die in Zukunft noch schwerer zu vermitteln sein dürfte.   

(K)eine schöne Bescherung in Bonn: Drei Milliarden Dollar ist die Deutsche Telekom seit gestern Abend reicher, doch sie hätte auf diese Summe sicher gern verzichtetet, denn um eine Illusion ist der Dax-Konzern gleichfalls ärmer geworden, die viel schwerer wiegt – T-Mobile USA kann nicht an AT&T verkauft werden.

Dabei hatte es im Frühjahr noch nach dem Coup des Lebens für Telekom-Vorstand René Obermann ausgesehen: Am 20. März verkündete der Dax-Konzern den Verkauf seiner amerikanischen Mobilfunktochter. Für stattliche 39 Milliarden Dollar sollte T-Mobile USA an den Telekommunikations-Riesen AT&T gehen – allein 25 Milliarden Dollar sollten davon werden in bar gezahlt werden, der Rest in Aktien.

Das Ende des US-Abenteuers schien nah

Für den Dax-Konzern schien es wie das glimpfliche Ende einer jahrzehntelangen Irrfahrt: Kurz nach dem Höhepunkt der Internet-Euphorie 2000 erwarb die Deutsche Telekom für mehr als 50 Milliarden Dollar das Herzstück der amerikanischen Mobilfunk-Tochter, Voicestream Wireless, um in den Folgejahren Milliarden um Milliarden in den Auf- und Ausbau der Netze zu investieren.
T-Mobile USA konnte jedoch nie die in das Unternehmen gesetzten Erwartungen erfüllen. Das Wachstum stieß an seine Grenzen, so dass sich im abgelaufenen Geschäftsjahr der Umsatz erstmals leicht rückläufig entwickelte. Das lag nicht zuletzt daran, dass T-Mobile USA nicht über dieselben Geräte verfügte wie die deutsche Mobilfunktochter: Das iPhone, das die Telekom hierzulande jahrelang exklusiv vertreiben konnte, landete in den USA bei AT&T und später bei Verizon und sogar

 Sprint.

AT&T offerierte ein sehr gutes Angebot

Mit 33 Millionen Kunden liegt T-Mobile USA hinter den Platzhirschen AT&T und Verizon Wireless, die es beide auf über 90 Millionen Kunden bringen, so dramatisch abgeschlagen, dass schon lange keine Chance bestand, die Marktführer noch einmal anzugreifen.

Mit der Übernahme durch AT&T war der Dax-Konzern also sehr gut bedient – vor allem für den Preis. Fast 40 Milliarden für die Nummer drei des US-Marktes, die es aus eigener Kraft nie an die Spitze schaffen könnte, das schien für ein halbes Jahr wie eine  glückliche Fügung.

Dann trat das US-Justizministerium auf den Plan und legte aus Wettbewerbsgründen Klage gegen die Übernahme ein. Nach vier Monaten versuchter Entgegenkommen zieht AT&T nun die Reißleine und gibt den Übernahmeversuch auf.

"Rekord-Ausfallzahlung" nur Trostpreis  

Für beide Telekom-Riesen ist das Ende des Deals ein Debakel: AT&T verhagelt es mit der fälligen "Break-up Fee" von drei Milliarden Dollar gehörig die nächste Bilanz. Die Telekom versucht die Kompensation unterdessen in prätentiösem PR-Geschwurbel als "Rekord-Ausfallzahlung" schön zu reden und erhält als weitere Ausfallleistungen "ein umfangreiches Paket aus Mobilfunk-Frequenzen sowie eine mehrjährige Vereinbarung über UMTS-Roaming innerhalb der USA" – doch das ist nicht das, was die Bonner wirklich wollten.

Die Kassen mögen im Geschäftsjahr 2012 so zwar zusätzlich gefüllt und die Ausgangslage in den USA künftig etwas komfortabler sein – die grundsätzlichen Probleme lösen die Kompensationsleistungen indes nicht. Im Gegenteil: Die Telekom geht aus dem fehlgeschlagenen Verkauf beschädigt hervor. Die Bonner haben ihr wertvollstes Tafelsilber zu Markte getragen – und sind gescheitert.

Nun ist klar, dass T-Mobile USA ein veritabler Verkaufsposten ist –  was den Preis bei einem möglichen neuen Käufer massiv drücken dürfte, erst recht in Zeiten der eskalierten Schuldenkrise – vor neun Monaten war die Börsenlandschaft schließlich eine vollkommen andere. Die Offerte über 39 Milliarden Dollar, die für Obermann wie der Jackpot seiner Managerkarriere aussah, wird T-Mobile USA kaum wieder sehen.

T-Mobile USA ist ein Verkaufsposten ohne Käufer
Schlimmer aber noch: Es gibt auch nach dem Veto der US-Regierung keine potenziellen Käufer mehr. Verizon stünde als natürlicher Konkurrent von AT&T vor denselben Wettbewerbsproblemen, für Sprint ist eine T-Mobile-Übernahme nicht zu bezahlen – und umgekehrt traut den Bonnern nach dem horrenden Voicestream-Zukauf aus dem Jahr 2000 keiner mehr weitere Milliardenabenteuer zu.

Die Realität sieht nun ziemlich reizlos aus: T-Mobile USA ist eine ‚lame duck‘. Und ein iPhone besitzt sie als einziger der großen US-Mobilfunker auch im fünften Jahr nicht. Die Vergangenheit hat die Telekom wieder eingeholt. Börsianer haben das längst realisiert: Nach der Klage der US-Regierung Ende August fiel die Aktie der Telekom in den folgenden Tagen zweistellig auf ein neues Allzeittief unter 8 Euro. Gestern war sie davon nur noch zehn Prozent entfernt.   

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