Wolfgang Blau ist Chefredakteur des Jahres

Was haben Thomas Gottschalk, Wolfgang Blau und Richard Gutjahr gemeinsam? Die Drei sind vom medium magazin zu den Journalisten des Jahres gewählt worden. Wolfgang Blau wird in der Kategorie Chefredakteur ausgezeichnet. In der Begründung heißt es, dass der Zeit Online-Chef "seine Entscheidungsbefugnis konsequent für digitale Innovationen" nutze und zeige, "wie Onlinejournalismus mit anspruchsvoller Qualität funktionieren kann". Zeit Online sei "stilbildend für andere Websites".

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Der Ehrentitel "Journalisten des Jahres" geht 2011 an Eckart Lohse und Markus Wehner. Die beiden Politikredakteure der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung werden für ihre "akribische und unbestechliche Berliner Politikbeobachtung, die 2011 in ihrer Guttenberg-Analyse gipfelte", geehrt. In der Jury-Begründung heißt es: "Während der Medien-Mainstream den damaligen Verteidigungsminister als neue Lichtgestalt der deutschen Politik feierte, recherchierten die beiden über zwei Jahre hinweg hartnäckig und unbeeinflusst von vorgefassten Meinungen für ihre Biografie über Karl Theodor zu Guttenberg. Das Ergebnis war eine tiefgründige, kritische Analyse von Person und Politik, die von bestem, unabhängigen Journalismus zeugt und die Berichterstattung von FAZ und FAS in der Causa Guttenberg erheblich stützte."

Aus diesem Grund fiel die Wahl zur "Redaktion des Jahres 2011" dann auch auf die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung für ihre kritische Haltung im Fall Guttenberg. Diese journalistische Überzeugung verdiene laut Jury "hohe Anerkennung". Darüber hinaus wurden die Frankfurter für ihren eigenen Ton am Sonntag, die brillanten Analysen und ihrem Unterhaltungswert gelobt.

Georg Stefan Troller wird für sein "Lebenswerk" ausgezeichnet. Der 90-Jährige sei "das Multitalent unter den Fernsehpionieren", der mit seinen Dokumentationen und Reportagen das Fernsehen revolutioniert habe. "Seine lebendigen Personenbeschreibungen von feinsinnigem Sprachgefühl waren stilbildend für ganze Journalistengenerationen. Seine Portraits von bekannten und unbekannten Menschen, aber auch seine Reportagen (‚Pariser Journal‘) sind bis heute legendär. Troller, der mit Bild und Wort meisterhaft, geradezu virtuos umzugehen versteht, hat ein Werk von zeitloser Aktualität geschaffen. Seine ebenso einfühlsame wie kritische Art der Befragung, die tiefe Einblicke ermöglicht, aber nie zu nahe tritt, dient bis heute als Vorbild."

Thomas Gottschalk ist als Unterhaltungsjournalist des Jahres auserkoren worden. Der Entertainer habe mit seinen Shows das deutsche Fernsehen wie kein anderer geprägt. "Auf dem breiten Fundament seiner journalistischen Erfahrung hat er der deutschen TV-Unterhaltung mit herausragender Kreativität, Spontanität und geistreichem Witz eine eigene Prägung geben, die sich stets bewusst den sinkenden Hemmschwellen einer “Brot & Spiele”-Industrie widersetzte. Nach dem schweren Unfall in der ‚Wetten dass…‘-Sendung am 1. 12. 2010 hat Gottschalk zudem mit seiner Reaktion für einen selten Moment des Innehaltens in der immer sensationsheischenderen Unterhaltungsindustrie gesorgt und damit ein Nachdenken über die Grenzen von Unterhaltung provoziert. Dafür gebührt ihm besondere Anerkennung – und auch für den Mut, nach dem erreichten Gipfel als TV-Ikone einen journalistischen Neuanfang mit einem täglichen Format in der ARD zu wagen", so die Begründung der Jury.

Richard Gutjahr darf sich als freier Journalist, Blogger und BR-Moderator über die Auszeichnung als Newcomer des Jahres freuen. Den Preis erhält er sowohl für seine "Rundshow" als auch für seine Live-Berichterstattung vom Tahir-Platz in Kairo während der ägyptischen Revolution. Dort hatte er die Geschehnisse mit seinem Handy multimedial begleitet. Gutjahr zeige "als Reporter einer neuen Generation, wie mit den neuen Mediengenres gearbeitet werden kann".

In der Kategorie Politik ehrt das medium magazin Andrea Röpke. Die freie Journalistin, die sich auf das Gebiet Rechtsextremismus spezialisiert hat, sei mit ihren Recherchen ein "Vorbild für alle Kollegen". Röpke beschwöre mit ihren Texten seit Jahren die deutsche Bevölkerung, die rechtsextreme Szene nicht zu unterschätzen.

Heike Faller ist zur Wirtschaftsjournalistin des Jahres gewählt worden. Die Zeit Magazin- Redakteurin spreche nicht die Sprache der Insider, sondern nehme in ihren Texten die Perspektive der Verbraucher ein, so die Begründung. Dadurch sei ihr mit dem Artikel "Finanzkrise: Musste das sein?" ein Lehrstück über den Wirtschaftsjournalismus gelungen, in dem sie die Mechanik der Wirtschaft und der Berichterstattung nicht nur aufwändig recherchierte, sondern auch kritisch analysierte.

Willi Winkler wird als Kulturjournalist des Jahres ausgezeichnet. Die Begründung: "Er schreibt das große Bob Dylan-Portrait genauso wie Essays über moderne Mobilitätskultur und schafft es immer wieder, den gesellschaftspolitischen Impetus des Feuilletons durchschimmern zu lassen. Was für ein fundierter Rechercheur in ihm steckt, bewies er 2011 auch mit seinem beindruckenden Buch ‚Der Schattenmann‘ über den Schweizer Bankier Francois Genoud, Strippenzieher im Hintergrund von Rechts- und Linksterrorismus."

In der Kategorie Sport geht die Auszeichnung in diesem Jahr an Arnd Zeigler. Der freie Journalist ist das Gesicht der WDR-Fußballsendung "Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs". Er begeistere mit seiner Live-Sendung, die aus seinem Wohnzimmer ausgestrahlt wird nicht nur eingefleischte Fußballfans. Diese Art der analytischen, satirischen und kompetenten Unterhaltung im deutschen TV trauten sich nur noch sehr wenige Moderatoren.

Dagmar Röhrlich erhält die Auszeichnung in der Kategorie Wissenschaft. Die freie Autorin und Mitarbeiterin des Deutschlandfunks habe es nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima verstanden, dem Publikum die komplexen Vorgänge und Bedrohungslagen verständlich zu erklären. "Dabei war sie weder reißerisch noch verharmlosend, was nicht vielen angesichts der dramatischen Situation gelungen ist", so die Begründung der Jury.

Als Reporter des Jahres ist Stefan Buchen ausgezeichnet worden. Der NDR-Reporter habe mit seinen Berichten über die arabische Revolution ein Zeichen gesetzt: "Vor dem Hintergrund seiner ausgewiesenen Kompetenz als Nahost-Experte (Buchen hat arabische Sprachen studiert, spricht Arabisch, Hebräisch und Farsi und hat in den 90ern als Korrespondent in Israel garbeitet – hat er auf besonders nachdrückliche und tiefgründige Weise die Umwälzungen in Nahen Osten erklärt – mit politischem Scharfsinn und gleichzeitig großem Respekt vor Menschen und Kulturen."

In der Kategorie Regional/Lokal geht der Preis an zwei Journalisten: Rhein-Zeitung-Chefredakteur Christian Lindner habe aus dem Blatt eine "moderne, experiementierfreudige Multimedia-Schmide des Lokaljournalismus gemacht". Dabei vereine er klassische Journalistentugenden mit der digitalen Welt, fördere junge Talente und zeige ein vorbildliches Engagement im Bereich Social Media. Weser-Kurier-Chefredakteurin Christine Kröger erhält die Auszeichnung für ihre Leistungen im investigativen Journalismus: "Sie schaut hin, wenn es kein anderer tut, deckt auf, was sonst keiner sehen will. Indem sie so beharrlich misstrauisch ihre Recherchen in den kriminellen Grauzonen von Rocker- und Rechtsextremen-Szene betreibt, hat sie auch in diesem Jahr Aufklärungsarbeit allererster Güte geleistet. Ihre Geschichten sind so brisant, dass auch die Staatsmacht ‚Interesse‘ an ihren Erkenntnissen zeigt. Ihr Mut, ihre Stärke und ihr journalistisches Verantwortungsgefühl für unsere Gesellschaft sind vorbildlich."

Die Verleihung der undotierten Preise findet am 30. Januar 2012 in Berlin statt. Seit 2004 zeichnet das medium magazin die Journalisten des Jahres aus, wozu in den vergangenen Jahren unter anderem Alice Schwarzer, Nikolaus Brender, Frank Schirrmacher und Carolin Emcke gehörten. Hier zur Seite des medium magazins.

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