„Stresstest“ ist Wort des Jahres 2011

Stresstest, guttenbergen, Burnout: Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) hat die "Wörter des Jahres 2011" gewählt. Aus zehn Begriffen, die die öffentliche Diskussion dominiert und dieses Jahr wesentlich geprägt haben, setzt sich die Liste zusammen. Auf Platz 1 schaffte es "Stresstest". Nicht nur Banken wurden auf ihre Belastbarkeit getestet, auch etwa das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21, die grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg und deutsche Atomkraftwerke wurden Stresstests unterzogen.

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Platz 2 belegt das Verb hebeln. „In der derzeitigen europäischen Schuldenkrise erweiterte dieser Fachbegriff aus der Finanzbranche die Bedeutung des in der Allgemeinsprache bereits bekannten Worts und spiegelt das Bemühen um die finanzielle Rettung der Eurostaaten. Durch Erweiterung des Rettungsschirms um externes Kapital soll die Summe zur Rettung eines Landes vervielfältigt werden“, begründet die GfdS die Wahl. Tatsächlich werde durch das Hebeln weniger Kraft, sprich Kapital, benötigt als beim Akt des Stemmens.
Das ganze Jahr über aktuell und sprachlich interessant sei die Arabellion auf Platz 3 als Oberbegriff für die zahlreichen Revolutionen und politischen Umwälzungen in den arabischen und nordafrikanischen Ländern.
Merkozy – Kurzbezeichnung für Angela Merkel und Nicolas Sarkozy – wählte die Jury auf Platz 4. Die Wortkreuzung soll die exponierte Stellung und die weitgehende Einigkeit von Deutschland und Frankreich bei Entscheidungen zum Umgang mit der europäischen Finanzkrise kennzeichnen.
Zu einem bedeutungsschweren Begriff wurde im Jahr 2011 Fukushima auf Position 5. „Der Name des betroffenen Ortes“, schreibt die GfdS, „wurde gleichsam zu einer Chiffre für das Atomunglück in Japan und drückt dessen gesamte Spannweite sowie die Folgen für die deutsche Energie- und Atompolitik aus.“
Auf den 6. Rang wurde Burnout gewählt. Zwar ist das Wort und insbesondere die Krankheit schon seit längerem verbreitet, doch sei Burnout zunehmend als Ausdruck der Probleme unserer heutigen schnelllebigen Zeit zu verstehen und verbreitet sich als Begriff derzeit geradezu inflationär. In regelmäßigen Abständen dient Burnout auch als Titelthema für die Nachrichtenmagazine Spiegel, Stern und Focus.
Seit sich herausstellte, dass es sich bei der Doktorarbeit des ehemaligen Verteidigungsministers Karl Theodor zu Guttenberg in weiten Teilen um ein Plagiat handelt, ist das Verb guttenbergen als Synonym für abschreiben, abkupfern, plagiieren bekannt und längst nicht mehr nur auf das Vorgehen dieses Politikers zu beziehen. Die Gesellschaft für deutsche Sprache wählte es deshalb auf Platz 7.
Im Frühjahr sorgte der Darmkeim EHEC für Aufregung und Durcheinander bei der Suche nach seinem Hauptüberträger. Schließlich wurde er gefunden und die Bevölkerung fortan vor den schuldigen Killersprossen, auf Platz 8, gewarnt.
Als Philipp Rösler zum Vorsitzenden der FDP gewählt wurde, versprach er: „Ab jetzt wird geliefert!“ In dieser Aussage wird ein neues Verständnis von Politik offenbar, zeitnah konkrete Lösungen zu Problemstellungen vorzulegen, und liefert den 9. Platz.
Abschließend wählte die Jury „Wir sind die 99 %“ auf Position 10. Hiermit wird das Motto der weltweit auftretenden Occupy-Bewegung thematisiert, das auf die äußerst ungleiche Verteilung von Macht und Geld in der Weltbevölkerung aufmerksam machen soll.
Wer der Meinung ist, „Stresstest“ sollte auch das „Unwort des Jahres“ werden, kann es noch bis zum 31. Dezember als Vorschlag einreichen. Eine Jury bestehend aus Sprachwissenschaftlern und Journalisten entscheidet Anfang 2012 darüber.

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