Springer baggert weiter bei WAZ

Die Axel Springer AG hat am Mittwoch ihr Interesse am Zukauf von Unternehmensteilen der WAZ-Gruppe bekräftigt. Das Manager Magazin hatte zuvor berichtet, Springer-Chef Mathias Döpfner habe seine Gesamtbewertung an der WAZ-Mediengruppe von 1,4 auf 1,6 bis 1,8 Milliarden Euro erhöht. Springer-Sprecherin Edda Fels wollte auf Nachfrage aber den Eindruck vermeiden, Springer habe ein Übernahmeangebot erhöht. Dies sei nicht der Fall. Denn: Es gebe nur ein "unverbindliches Angebot für Teile der WAZ".

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Ein Angebot für die komplette WAZ-Gruppe habe es nie gegeben, betonte Fels. Eine Übernahme sei aus kartellrechtlichen Gründen nicht möglich. Sehr wohl bestätigte die Kommunikationschefin der Axel Springer AG, an welchen Teilen der WAZ-Gruppe der Medienkonzern Interesse hat – an den Online-Aktivitäten, der Beteiligung an der Wiener Kronen-Zeitung und den TV-Zeitschriften.

"Wir warten nun auf eine qualifizierte Rückmeldung der Gesellschafter der WAZ-Mediengruppe", sagte Fels gegenüber MEEDIA. Unmittelbar nachdem bekannt wurde, dass der Springer-Konzern Interesse am Zukauf signalisiert hatte, äußerte sich bereits Klaus Schubries, ein Vertreter des WAZ-Gesellschafterstamms Funke per Pressemitteilung: "Die Funke-Gruppe ist derzeit an einem Verkauf von Teilen der WAZ Mediengruppe nicht interessiert. Auch ein Verkauf von Geschäftsanteilen an der WAZ Mediengruppe kommt für uns nicht in Frage. Daher ergeben sich keine Verhandlungsmöglichkeiten mit der Axel Springer AG." Diese Absage scheint Springer aber noch nicht formal genug zu sein. 

Auch Mitgesellschafterin Petra Grotkamp, ebenfalls vom Funke-Familienstamm, wies das Angebot über ihren Anwalt "nachdrücklich" zurück. Die "in dem Angebot enthaltenen Bewertungen" seien zudem "unzutreffend". Einzig Peter Heinemann, Testamentsvollstrecker der Erben des Brost-Familienstamms, an dem 50 Prozent der WAZ-Gruppe hängen, zeigte sich zurückhaltender. Er hatte ein Bibelzitat verlautbaren lassen: "Prüfet alles und behaltet das beste." Hintergrund: Die Brost-Erben sind verkaufswillig und Heinemann steht vor der Aufgabe, alle Angebote für die Anteile an der Gruppe zu prüfen.

Ins Rollen gebracht hatte die Springer-Offerte ursprünglich Petra Grotkamp. Die hatte nämlich ein Angebot für die Brost-Anteile in Höhe von einer knappen halben Milliarde Euro abgegeben und damit eine Gesamtbewertung der Gruppe von etwa einer Milliarde Euro vorgenommen. Die Gunst der Stunde hatte Mathias Döpfner genutzt, um ein Angebot für die genannten WAZ-Unternehmensteile abzugeben. Offenbar auf Aufforderung von Testamentsvollstrecker Heinemann hatte Döpfner zur Orientierung der Gesellschafter pro forma eine höhere Gesamtbewertung für die WAZ-Gruppe genannt, um eine Vergleichbarkeit der Bewertungen zu ermöglichen. Die Taxierung der Gruppe auf 1,6 bis 1,8 Milliarden Euro soll Döpfner in einem Telefonat mit Peter Heinemann genannt haben, berichtete das Manager Magazin.

Etliche Beobachter haben das Springer-Manöver als Störmanöver interpretiert, um den Preis für Petra Grotkamp in die Höhe zu treiben. Doch vielleicht steckt auch mehr dahinter – falls ein oder mehrere WAZ-Gesellschafter nach Liquidität suchten, könnte ihnen ein Teilverkauf gerade recht kommen. Aber: Die Wahrscheinlichkeit, dass Springer zum Zuge kommt, ist extrem gering. "Gar nichts zu probieren, wäre extrem fahrlässig", sagte Springer-Sprecherin Fels. WAZ-Geschäftsführer Christian Nienhaus warf Springer bereits vor, in der Manier von Finanzhaien vorzugehen.
 

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