„‚The Voice‘ kann ‚Wetten, dass..?‘ ersetzen“

"The Voice of Germany" ist quotentechnisch ein voller Erfolg. Doch was sagt das über die Zukunft des Casting-Genres aus? MEEDIA fragte unter TV-Managern nach: "'The Voice' ist das einzige Format, das 'Wetten, dass..?' ersetzen kann., sagt Aida-Geschäftsführer Borris Brandt. Entscheidend sei jedoch, die "emotionale Bindung zwischen Kandidaten und Zuschauern herzustellen", schränkt META-productions-Chef Ollie Weiberg ein. Von einem stilprägenden Ruck solle man noch nicht sprechen.

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Was sagt der überraschende Erfolg von "The Voice" über die Zukunft des Casting-Genres aus? Müssen Formate wie "DSDS" oder "X Factor" ihre Konzepte ändern?
Rainer Wemcken, Geschäftsführer Grundy UFA: „In ‘The Voice‘ geht es um Musik: Musiker machen Musik für Musiker! DSDS ist ein tolles Format für eine jüngere Zielgruppe: Durch den Verzicht bzw. den verminderten Einsatz von provokanten und verletzenden Kommentaren und Soundeffekten könnte das Format wieder wahrhaftiger werden und es ginge um echte Emotionen.“
Sarah Winkhaus, Sky-Moderatorin: „The Voice hat ein völlig anderes Konzept als DSDS oder X-Faktor. Es geht mehr um die Stimme, um die Musik. Alles geht höflich zu, die Jury hat für jeden Kandidaten ein nettes Wort übrig… Bei DSDS geht es vielmehr um das Drumherum, um die Jury, es geht nicht unbedingt höflich zu, die Kandidaten machen sich teilweise lächerlich und werden auch nicht vor sich selbst geschützt. Ich denke, dass man die Formate nicht wirklich vergleichen kann. Bei The Voice of Germany erwartet der Zuschauer keine Überraschungen, es läuft immer nach dem gleichen Schema ab. Und genau das scheint auch so gewollt zu sein. Bei DSDS geht es wesentlich voyeuristischer zu und Fremdschämen ist keine Seltenheit. Dennoch denke ich nicht, dass die anderen Sendungen ihre Konzepte überarbeiten sollten. Sie sind einfach etwas völlig anderes und ich vermute, dass sie auch ein anderes Publikum ansprechen. Je vielfältiger die Fernsehlandschaft ist, desto besser. Mich persönlich freut es, dass ein Format wie The Voice of Germany gut ankommt beim Publikum, denke aber dennoch dass es so etwas wie DSDS geben muss. The Voice zu kopieren und nachzuahmen wäre falsch. Eher sollten die Sender den Erfolg von The Voice of Germany zum Anlass nehmen, Mut zu zeigen und sich auch mal was Neues zu trauen.“
Ollie Weiberg, Geschäftsführer META productions GmbH: "Der Erfolg ist phänomenal! Wirklich beeindruckend! Allerdings zeigt die Quote momentan speziell die Begeisterung über die ‚Blind Auditions‘. Diesen total neuen Auswahlmechanismus. Entscheidend wird nun, eine haltbare emotionale Bindung zwischen Kandidaten und Zuschauern herzustellen. Bin gespannt auf das Storytelling. Von einem stilprägenden Ruck für das gesamte Genre sollte man noch nicht sprechen."
Kai Blasberg, Geschäftsführer Tele 5 TM-TV GmbH: "Nein. The Voice ist eine Castingshow, die Teilelemente verändert hat. Es ist und bleibt aber eine Castingshow. Die anderen Castingshows haben Erfolg, weil sie sind wie sie sind. Jetzt etwas zu verändern kann nur in Anbiederung enden, die keinen Erfolg haben wird. The Voice ist einfach sehr gut gemacht, hat einen hohen Production Value, eine große Mediapower und einen super Cast. Das hat mit den anderen Shows nichts zu tun."
Axel Kühn, Geschäftsführer Shine Germany Film- und Fernsehproduktion GmbH: "Mit ausschließlich talentierten Sängern und der positiven und konstruktiven Jury hat sich The Voice erfolgreich eine Nische zwischen allen anderen Castingshows gesichert. Diese wären dumm jetzt ihre Position zu verlassen und The Voice zu kopieren. Viel wichtiger erscheint mir, dass The Voice bewiesen hat, dass aufwändiges und handwerklich perfekt gemachtes Fernsehen eine große Zuschauerschaft anspricht. Ich kann nur hoffen, dass dies einigen Senderverantwortlichen zu denken gibt und der Irrglaube, dass sich alles auch noch billiger produzieren ließe, weil der Zuschauer das eh nicht merke, damit widerlegt ist."
Borris Brandt, Geschäftsführer von AIDA Entertainment: "The Voice ist das einzige Format, das Wetten dass..? ersetzen kann. Lagerfeuer Fernsehen! ARD und ZDF werden sich in den Hintern beißen, dass sie dieses Format nicht von John de Mol gekauft haben. Diese Show nimmt Musik ebenso ernst wie X Factor und hat einen neuen spannende Aspekt. Deshalb funktioniert es breiter und ist familientauglich. Das asoziale und oft menschenverachtende scripted reality Format DSDS ist dagegen Fernsehmüll, der sich bald erledigt hat!"
Christian Asanger, Director Local TV-Productions, Warner Bros. Entertainment: "Der überragende Erfolg von "The Voice" zeigt meines Erachtens nach vor allem drei Dinge. Erstens: Ein international erfolgreich erprobtes TV-Format mit innovativem, klarem USP findet in der Regel auch in Deutschland sein Publikum; zweitens Die Zuschauer honorieren gut gemachtes, ehrliches Fernsehen ohne Scripted Reality und drittens: "Names are still news", d.h. große Namen als Juroren / Coaches haben immer noch enorme Zugkraft. Dabei hat jede andere erfolgreiche Casting-Show ihre Berechtigung mit dem ihr eigenen Konzept.“

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