Twitter rückt näher an Facebook heran

Die großen Social-Media-Player rüsten zum Jahresende noch einmal kräftig auf: Einen Tag nach Facebooks Einführung eines Abonnieren-Buttons, der klar Twitter attackiert, schlägt der 140-Zeichen-Dienst zurück. Mit seinem Relaunch wird Twitter eindeutig vernetzter – und Facebook etwas ähnlicher. Zudem werden Brand Pages eingeführt, die Unternehmen mehr Gestaltungsraum bieten. Zeitgleich hat Twitter seine iPhone- und iPad-App auf die Version 4.0 aktualisiert.

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Es scheint, als haben sich die großen Internet-Konzerne das beste zum Schluss aufgehoben: 2011 geht auf die Zielgerade und kaum ein Tag vergeht, ohne neue Updates. Vor exakt einer Woche hat‘>, Facebook folgte gestern mit der Einführung des Abonnieren-Buttons und dem Start des Timeline-Rollouts – nun zieht Twitter mit dem größten Redesign seiner Firmengeschichte nach.
Der Schritt erscheint überfällig, wenn Twitter seinen größten Mangel loswerden will – der Kurznachrichtendienst wird immer noch von vielen als zu unübersichtlich und chaotisch empfunden, was nicht zuletzt den gewaltigen Bewertungsabstand zu Facebook unterstreicht. Das weltgrößte Social Network ist inzwischen 100 Milliarden Dollar wert, Twitters Bewertung liegt nach der letzten Finanzierungsrunde knapp unter 10 Milliarden Dollar.
Facebook ahmt Twitter nach, Twitter wird Facebook ähnlicher
Zeit also für eine Aufholjagd! Ironischerweise sind die beiden beliebtesten Social-Media-Dienste dabei, einander immer mehr zu ähneln. Innerhalb von 24 Stunden ahmte Facebook erst Twitter mit der Einführung des Abonnieren-Buttons nach, der nach dem Twitter-Prinzip des Folgens funktioniert, nun kontert der Kurznachrichtendienst mit einem Relaunch, der Twitter erkennbar mehr in die Richtung des weltgrößten Social Networks rückt.
Und das gleich in mehrfacher Hinsicht: Zunächst einmal sieht Twitter aufgeräumter aus. Die wesentlichen Account-Informationen sind nach rechts oben gerückt – in jenen Bereich, der sofort ins Auge fällt. Das Profil selbst sieht mit seinem Balken mehr aus wie bei Google+ oder Facebook. Bilder werden sofort geladen, ohne die Seite verlassen zu müssen, Interaktionen werden nun direkt untereinander angezeigt und kommen so kommentarähnlicher wie bei Facebook daher.
Einführung der Brand Pages: "Twitters werbefreundlicher Imagewechsel"
Am wichtigsten sind jedoch zwei Neuerungen: Das bereits im August eingeführte "Activity"-Feature ähnelte erstmalig Facebooks Newsfeed – Nutzer wurden darüber unterrichtet, was andere Follower auch gerade taten; wem sie folgten, welche Tweets sie favorisierten und retweeten. Neu hinzugekommen ist nun das Feature "Entdecken", das nicht nur die beliebtesten Hashtag-Themen auflistet, sondern dazu auch gleich die dazugehörigen Twitterer, hochgeladenen Bilder und Videos zeigt – eben wie in Facebooks Newsfeed.
Noch offenkundiger wird die Orientierung in der Einführung von Unternehmensseiten (Brand Pages). Bisher unterschied sich der Account von Unternehmen nicht von Privatpersonen – nun erhalten Marken ganz wie bei Facebook oder Google+ die Möglichkeit, ihr Profil individuell zu gestalten. Der Aufmacher kann verändert werden und oberste Tweet als Sichtfang bestimmt werden. Zum Start kann der 140-Zeichen-Dienst gleich die Unternehmensseiten von renommierten US-Konzernen wie Coca Coca, Pepsi, Nike oder Disney präsentieren.
Die Internetwelt ist vom Relaunch ziemlich beeindruckt: "Twitters werbefreundlicher Imagewechsel", titelt etwa das Wall Street Journal-Blog All things digital. "Twitter hat gerade eine Bombe auf Facebook und Google abgefeuert", findet der Business Insider.  Wie man es auch beurteilen mag: Es scheint, als werde Twitter tatsächlich flügge – und lernt endlich fliegen.

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