„Toter Gaddafi durfte abgebildet werden“

Der getötete Diktator Muammar al-Gaddafi auf den Titelseiten vieler Zeitungen provozierte: 49 Beschwerden von Lesern über die Darstellung des Leichnams waren beim Deutschen Presserat eingegangen. Durfte der tote Gaddafi gezeigt, durften auch im Netz kursierende Videos auf den Internetportalen von Medien übernommen werden? Der Presserat sagt: Ja, denn "die Bilder sind Dokumente der Zeitgeschichte." Zwei Missbilligungen gab es dennoch - wegen Verstößen gegen den Jugendschutz.

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"Grundsätzlich ist der Presserat der Auffassung, dass der Tod von Dikatoren auch in Bildern festgehalten werden darf", heißt es in einer Stellungnahme des Beschwerdeausschusses. "Eine Tabuisierung des Todes sollte es in den Medien nicht geben." Darum verstoße die bloße Abbildung des getöteten Gaddafi auch nicht gegen den Grundsatz der Menschenwürde. Auch unangemessen sensationell sei es "nicht automatisch", eine tote Person der Zeitgeschichte abzubilden.

Aber: Zwei Boulevardzeitungen hätten Fotos "des blutverschmierten Gesichts des toten Gaddafi, gezoomt und vergrößert, auf der Titelseite über dem Bruch" veröffentlicht. In diesen beiden Fällen hätten die Zeitungen den Jugendschutz nicht beachtet. Ebenfalls sei die Darstellung unangemessen sensationell gewesen. Darum seien in beiden Fällen Missbilligungen ausgesprochen worden – nicht aber Rügen.

Die Kommunikationswissenschaftlerin Elke Grittmann hatte im Oktober in einem Interview mit MEEDIA gesagt: "Diese Bilder sind keine reinen Dokumente der Zeitgeschichte, sie sind selbst Teil des Gewaltaktes. Die Person, in diesem Fall Gaddafi, wird nicht nur körperlich hingerichtet, sondern durch die Aufnahme auch öffentlich. In den Medien wird Diktatoren die letzte Würde abgesprochen."

Jörg Pilawa als Beschwerdeführer

Zwei Rügen sprach der Presserat in anderen Fällen aus. Zum einen war der TV-Moderator Jörg Pilawa mit einer Beschwerde erfolgreich. Die Zeitschrift Das Neue (Bauer Media Group) hatte getitelt: "Jörg Pilawa – Ein Ehe-Drama! Er lässt seine Frau im Stich". "Ohne belegbare Quellen" habe das Blatt eine persönliche Geschichte konstruiert, monierte das Gremium, und so Leser in die Irre geführt. Jörg Mandt, der Chefredakteur von Das Neue, hatte vor wenigen Tagen anlässlich der Vorstellung eines Sonderheftes gegenüber MEEDIA gesagt: "Wir recherchieren so gut wie der Spiegel.

Die Auto-Zeitung (ebenfalls Bauer) hatte in einem Gebrauchtwagen-Sonderheft über die Werterhaltung von Autos berichtet und dabei ausschließlich ein Angebot der Kette A.T.U. vorgestellt, inklusive eines Interviews mit dem Geschäftsführer der Firma. Vergleichbare Angebote seien nicht erwähnt worden. Der Presserat urteilte in diesem Fall: Schleichwerbung.

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