„Hybrid-Fernsehen wird der nächste Hype“

Zehn Jahre hat Markus Schächter voll, wenn er im März 2012 seinen Hut als ZDF-Intendant nimmt. Der 62-Jährige zieht im Interview mit dem Debattenportal The European eine Bilanz. Am Anfang seiner Amtszeit habe er mit finanziellen Herausforderungen zu kämpfen gehabt, zudem habe ihn die Causa Brender sehr gefordert. Schächter blickt auch nach vorne: Die Zukunft liege zwar im Hybrid-Fernsehen, dennoch werde es noch sehr lange lineares Fernsehen geben. Ein Ende von "Wetten, dass..?" sei zudem nicht in Sicht.

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"Heute ist Fernsehen in einem Allzeithoch. Es wurde noch nie seit Beginn der Messungen der GfK so viel ferngesehen wie heute. Also: Lineares Fernsehen ist zukunftsfähig und mit ihm seine Programm-Ikonen", so Schächter im Gespräch mit The European. Die digitale Welt würde nicht ohne das ZDF stattfinden, es liege aber an der Sendeanstalt, "die weiteren Beschleunigungen gestaltend mitzugehen". Er zweifele an der 3d-Technik, aber: "Hybrid-Fernsehen wird der nächste Hype."
Allerdings zeigten die Entwicklungen auf dem digitalen Markt auch, "dass sogenannte Medien-Häuser nur noch Geschäftsmodelle haben und nicht mehr publizistische Anliegen". Der Markt könne nicht mehr Qualitätsjournalismus finanzieren, die Herausforderungen dafür würden immer größer. Schächter betonte in diesem Zusammenhang die Wichtigkeit der Grundsätze des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk: "Erstens: Das Kerngeschäft der aktuellen Information wird noch bedeutender und braucht beträchtliche Investitionen, wie wir es mit unserem neuen digitalen Nachrichtenstudio getan haben. Zweitens: Die Erklärung der komplexer werdenden Welt braucht mehr Orientierungs- und Hintergrundinformation."
Dennoch sei die Akzeptanz des Publikums für die Formate wichtig: "Die Quote ist nicht alles, aber ohne Quote wäre vieles nichts." Man bewege sich immer zwischen Anspruch und Profil. "Wir müssen hochqualitativ sein und gleichzeitig im Markt bestehen. Es gibt keinen zwingenden Widerspruch zwischen Qualität und Quote. Um zukunftsfähig Produkte liefern zu können, seien Marke, Persönlichkeit der Moderatoren und der Event wichtig. Insofern sei auch "Wetten, dass..?" ein gesetztes Format, mit dem es weitergehen werde. Dennoch verriet Schächter nicht, wer Thomas Gottschalk als Moderator beerben wird.
Als einen seiner Tiefpunkte nannte er die Debatte um die Vertragsverlängerung des Vertrags Nikolas Brender: "Es war keine leichte Zeit". Der ehemalige ZDF-Chefredakteur war am CDU/CSU dominierten Verwaltungsrat gescheitert. Daraus resultierte ein Streit um die Staatsferne im ZDF, der nun vom Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe geklärt werden muss. Dadurch, dass Peter Frey schnell zu Brenders Nachfolger gemacht wurde, sei das Haus reaktionsfähig geblieben.
Am Nachmittag verbreitete das ZDF noch eine Pressemitteilung über die Haushaltsrede Schächters vor dem Fernsehrat. "Keiner von uns konnte vor zehn Jahren erahnen, wie rasant die Digitalisierung voranschreiten würde", wird der Intendant zitiert, "aber ich denke, wir können heute sagen, dass die Digitalstrategie des ZDF richtig war und ist."

Das ZDF habe sich, so Schächter weiter, in den vergangenen Jahren als "Innovationsmotor des deutschen Fernsehens" bewährt. Unter dem Begriff "Mediathek" habe das ZDF "das erste relevante Videoportal in Deutschland" auf den Weg gebracht. Dass "Mediathek" so etwas wie ein Gattungsbegriff geworden sei, spreche für sich. Der Auf- und Ausbau der drei neuen Digitalangebote des ZDF sei der Erfolg interner Mittelumschichtungen. Schächter: "Es gab dafür nicht einen einzigen zusätzlichen Gebühren-Cent. Was die Konkurrenz als ungebremste Expansion beklagt, ist in Wahrheit das Ergebnis einer konsequenten Umstrukturierung."

Zum Streit um die Telemedien-Angebote der öffentlich-rechtlichen Anstalten im Internet merkte der ZDF-Intendant an, die Sorgen der Verleger seien "unbegründet". Die Auswirkungen der ZDF-Online-Angebote auf den Markt seien minimal. Schächter: "Mit vernünftigem Blick auf einen gemeinsam angestrebten Qualitätsjournalismus wäre eine Kooperation der Verleger mit uns sinnvoller als eine ins Leere schießende Konfrontation."

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