Wolfgang Fürstner: der „G-man“ der Verleger

Hubert Burda stimmte ein Abschiedslied für ihn an: "Glory, Glory Hallelujah". Bild-Chef Kai Diekmann machte ihn zum "Gewinner des Tages". Und Bundeskanzleramtschef Ronald Pofalla nannte ihn den "mit Florett ausgestatteten Interessenwahrnehmer der Verleger": Wolfgang Fürstner, seit 1997 an der Spitze des Zeitschriftenverlegerverbandes VDZ, hat sich in dieser Position von der Branche verabschiedet. Die Rückschau hielt sich dennoch in Grenzen, auch beim Abschied blieb Fürstner bei den großen Themen der Zukunft.

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Viel Medienpolitik und wenig Reminiszenz – zur Verabschiedung Fürstners blieb es sachlich, nur zwischendurch blitze etwas Nostalgie auf. Fürstner, 67, ist in den vergangenen Jahrzehnten zu einem der wichtigsten Lobbyisten der Verlegerzunft geworden. "Ich leugne meine Freude am Ende meiner Amtszeit nicht, mit einem guten Zeugnis abzutreten", sagte er den Gästen, die sich im Atrium der Deutschen Bank in Berlin versammelt hatten. Doch der VDZ werde seine Agenda auf neue Herausforderungen einstellen müssen: "Die Zukunft der Zeitschriften ist auch digital, und die Zukunft des VDZ ist multimedial." Fürstners Nachfolger ist der ehemalige IDG-Manager Stephan Scherzer, der sich wie kaum ein anderer deutscher Medienexperte mit der Transformation von Verlagen in der digitalen Ära auskennt.

Doch der Donnerstag war noch der Tag von Wolfgang Fürstner, der von der Branche auch "unkonventionelles Denken" forderte. Warum nicht mal an gemeinsame Vermarktungsorganisationen von Verlagen und Töchtern der öffentlich-rechtlichen Sender nachdenken? Denn zwar gebe es große "strukturelle Ungleichheiten" zwischen privat geführten Verlagen und den Öffentlich-Rechtlichen, doch angesichts der Präsenz von Internetgiganten wie Google seien Allianzen ratsam. Auf eine ähnliche Strategie setzt der scheidende ZDF-Intendant Markus Schächter. Fürstner betonte die Rolle des Verbands als "Vordenker" der Branche – über den reinen Dienstleister und Interessensvertreter hinaus. Zudem gelte es, noch intensiver gegen "ordnungspolitische Defizite" anzugehen, beispielsweise im Wettbewerbsrecht.

Kanzleramtschef Ronald Pofalla hatte Fürstner zuvor als "verlässlichen Ansprechpartner für die Politik" gelobt. Zu zwei Anliegen der Verlage nahm der CDU-Politiker konkret Stellung: Im Wettbewerbsrecht werde die Aufgreifschwelle "ganz sicher" hochgesetzt. Dies bedeutet, dass kleine und mittelgroße Verlage ohne Prüfung durch das Kartellamt Übernahmen durchziehen können. Auch ein Leistungsschutzrecht für Verlage werde "noch in dieser Legislaturperiode" eingeführt. Allerdings sagte Pofalla auch, dass es "bei der Ausgestaltung des Leistungsschutzrechts zu Änderungen" kommen werde. Wie diese Änderungen genau aussehen, blieb in Ermangelung eines Entwurfs, den das Justizministerium noch nicht vorgelegt hat, unklar. Als zweiter Gastredner aus der Politik sprach FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle. Als Moderator des Empfangs hatte der VDZ den Zeit-Geschäftsführer Rainer Esser eingespannt, dem wie oft der Brückenschlag zwischen Pathos und Süffisanz gelang.

"Wir haben einiges auf die Beine gestellt", sagte VDZ-Präsident Hubert Burda an Fürstner gerichtet. Gemeinsam habe man den "VDZ so positioniert, dass er sich Gehör verschaffen konnte". Nicht alle Ziele habe man erreicht – aber beispielsweise geschafft, dass die Öffentlich-Rechtlichen im Internet keine Werbung verkaufen dürften. Doch es sei "noch viel zu tun", sagte Burda vor allem in Hinsicht auf die Marktmacht von Google, Facebook, Apple und Amazon.

Die Mitarbeiter des VDZ haben ihrem Chef, der bereits 1978 als Anwalt zum Verband kam und bis 1997 verschiedene Funktionen bekleidete, ein Video (hier zur VDZ-Website) und ein Sonderheft der Publikation "print&more" gewidmet. Darin sage und schreibe 89 Dankes- und Grußworte für Fürstner, inklusive einem vom Verlag Bastei-Lübbe für den Verbandschef eigens gestaltetes Cover eines Jerry Cotton-Heftes: "G-man W. Fürstner – Der Herr der Zeitschriften, von dem die Welt spricht". Am Donnerstag abend war Fürstner der Bundesverdienstorden verliehen worden, auch für sein Engagement für Integration. Der VDZ hatte unter Fürstners Führung 2008 die Deutschlandstiftung Integration gegründet. Fürstner bleibt der Stiftung weiterhin verbunden – und macht sich daneben in Berlin mit einer Beratungsfirma selbstständig. Von seiner Position verabschiedete sich Fürstner mit den Worten: "Es war mir ein Vergnügen."

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