Helmut Markwort: „Ich glaube ans Radio“

Helmut Markwort wird heute 75 Jahre alt. Der ehemalige Chefredakteur und Herausgeber des Focus blickt auf eine lange Karriere zurück. Und die soll, wenn es nach dem bühnenerprobten Radioliebhaber geht, auch noch nicht zuende sein. Im Interview mit MEEDIA spricht der Medienunternehmer über seine Wünsche für 2012, seine neue Rolle als singender Oberst Pickering in "My Fair Lady" und die Konkurrenz, die zunehmend auf Nutzwert setzt. Und spricht nebenbei über seine Beteiligung am Radiosender FFH.

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Herr Markwort, Sie werden 75 Jahre alt. Was wünschen Sie sich?
Dass mein Körper meinen geistigen Interessen folgen kann (lacht).

Was sind die Pläne fürs kommende Jahr?
Ich mache weiter. Ich bin weiterhin Herausgeber von Focus und Geschäftsführer bei Burda Broadcast, ich kümmere mich um die Radiobeteiligungen von Hubert Burda und meine eigenen. Außerdem drehe ich auch 2012 weiterhin jeden Sonntagvormittag meine einstündige Live-Sendung, den “Sonntags-Stammtisch”. Die Sendung ist schon komplett durchgeplant und läuft sehr erfolgreich. Das ist ein Fixpunkt für mich.

Sie talken nicht nur, Sie singen auch. Man hat Ihnen einen Rolle als Oberst Pickering in "My Fair Lady" angeboten.
Das entscheidet sich nach meinem Geburtstag. Ich spiele ja gern Theater und habe jetzt ein paar kleine Sachen gedreht, unter anderem mit dem wunderbaren Lambert Hamel. Dann habe ich mit der Marianne Sägebrecht gedreht, einen Kinofilm, in dem ich einen Kardinal spiele. Die Sache mit “My Fair Lady” wäre schon ein größeres Projekt. Ein Problem sind die Termine, die könnten mit meinem „Sonntags-Stammtisch“ im Bayerischen Fernsehen kollidieren.

Die Rolle des Oberst Pickering wäre etwas Neues für mich. Da müsste ich singen. Natürlich könnte man Verse auch rezitieren, aber obwohl ich kein ausgebildeter Sänger bin, will ich es versuchen. Bisher habe ich nur in Chören für Kollegen im kleinen Kreis gesungen. Aber “My Fair Lady” wäre schon eine andere Hausnummer – mit einem Theater mit 2.700 Plätzen. Da muss man sich schon mehr anstrengen (lacht).

Mit Ihrer Firma Medienpool investieren Sie stark ins Radiosegment. Glauben Sie weiter ans Radio?

Ich bin Geschäftsführer bei Burda Broadcast. Dann habe ich meinen eigenen Unternehmungen mit Medienpool und bin auch selbst Mitbesitzer von Radios. Da sind einige sehr erfolgreiche Sender dabei, wie Antenne Bayern oder FFH.

Apropos FFH: Stimmt es, dass Sie Anteile daran gekauft haben?
Das stimmt. Am 12. Dezember wird das mit hoher Wahrscheinlichkeit genehmigt. Radio Madsack hat 1,46 Prozent Anteile an FFH. Die haben sie an meine Firma Medienpool verkauft. Nach langen Verhandlungen war ich meiner Pflicht nachgekommen, alle Gesellschafter über ihr Vorkaufsrecht zu informieren. Mit dem furchtbaren Ergebnis, dass 24 Gesellschafter gekauft haben. Das hat sich also unglaublich atomisiert. Madsack hat seine 1,46 Prozent an 24 vorkaufsberechtigte Gesellschafter verkauft. Jetzt muss nur noch die Landesmedienanstalt am 12. Dezember zustimmen. Ich hätte am liebsten alle Anteile gekauft, denn ich glaube ans Radio.

Der Spiegel war in diesem Jahr mit Nutzwert-Themen sehr erfolgreich. Der Focus war genau mit dieser Devise angetreten. Ärgert Sie der Erfolg der anderen?
“News to use” war immer mein Credo, Nachrichten zum sich danach richten. In meiner langjährigen Tätigkeit habe ich mich daran gewöhnt, dass erfolgreiche Dinge kopiert werden. Die anderen schauen auf unsere erfolgreichen Zahlen, dann machen sie das auch. Zumal es politische Titel schwer haben. Die Tagesaktualität wird durch die Onlinemedien besetzt. Deswegen ist es umso wichtiger, eigene Themen zu setzen.

Mit dem ungewöhnlichen Social Network Stayalive haben Sie in diesem Jahr für Aufsehen gesorgt. Ist das Projekt noch "alive"?
In der Tat. Das Projekt lebt noch. Das haben gute junge Leute erfunden. Ich war da lediglich als Business-Angel tätig und bin einer von sechs Gesellschaftern. Das Team arbeitet intensiv. Es entwickelt sich langsamer als gedacht, aber es entwickelt sich.

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