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Der Kindle Fire: eine Usability-Katastrophe

Der Kindle Fire, Amazons hauseigenes Tablet, ist schon jetzt ein Verkaufsschlager. Wie schon mit dem eReader Kindle drängt der Versandhändler mit einem absoluten Kampfpreis in den Markt. Für 199 Euro bekommt der User ein Sieben-Zoll-Gerät. Das ist aber laut Meinung des US-Usability-Papstes Jakob Nielsen eine Katastrophe. Der Interface-Experte hat das Amazon-Tablet einem ausführlichen Test unterzogen. Seine Erkenntnis: Sieben Zoll sind einfach zu klein. Das hatte schon Steve Jobs postuliert.

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Nielsen lässt kaum ein gutes Haar an Amazons Flunder. Für seine geringe Größe sei das Gerät zu schwer, um es dauerhaft zu halten. Außerdem hätten die Probanden große Probleme gehabt, Elemente auf dem Display zielgenau anzusteuern. Denn offenbar rechnet das Sieben-Zoll-Tablet die Inhalte für die standardmäßig neun bis zehn Zoll großen Tablets einfach kleiner – zu Lasten der Usability. Jakobsen vergleich den Effekt mit einem Zwei-Meter-Mann, der sich in einen 1,80-Meter-Anzug zwängen muss.

Absolut katastrophal sei die Suchfunktion umgesetzt, die ihn an die Uralt-Suchmaschine Altavista erinnert hätte. So glaubt er, dass Amazon das Browsing auf dem Gerät absichtlich miserabel umgesetzt hat, um das Surfen auf anderen Webseiten als Amazon zu minimieren. Die hauseigene Amazon-App sei dafür umso gelungener und für Jakobsen der Beweis, dass der Versandhändler ziemlich genau weiß, wie er theoretisch Apps für diese Displaygröße designen soll.

Doch das momentane Interface sei absolut userfeindlich gestaltet. Oft würde der User nicht sehen, ob er einen Button korrekt gedrückt hat oder nicht. Für Nielsen ein klares Indiz, dass Sieben-Zoll-Geräte wie der Kindle Fire momentan wenig Usability besitzen. Es bräuchte eine enorme Durchdringung des Tablet-Marktes, um die Industrie für die Entwicklung passender Interfaces für kleinere Displays zu begeistern.

Sieben Zoll sind also zu klein, um ein Tablet vernünftig bedienen zu können? Schon der verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs hatte sich vehement gegen Sieben-Zöller ausgesprochen. Man bräuchte schon Sandpapier, um genau zu wissen, was man mit seinen Fingern gerade auf dem Display anstellen würde, erklärte Jobs. Auf einem kleineren Screen gebe es schlicht nicht genug Platz, um dafür gute Tablet-Apps anbieten zu können.

Nach Berechnungen des Marktforschungsunternehmens iSuppli wird Amazon dennoch rund vier Millionen Geräte im vierten Quartal 2011 absetzen. Damit entwickelt sich der Kindle Fire zur ernstzunehmenden iPad-Konkurrenz. Dennoch halten Analysten das Amazon-Tablet nicht für einen Gamechanger, sondern vielmehr für eine "Einstiegsdroge" in den Tabletmarkt, die künftig wiederum den Verkauf des iPads beflügeln könnte.

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