SpOn: „Zuckerberg privat“ ohne Copyright?

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Am heutigen Mittwoch berichten Spiegel Online und andere Medien über den Gründer des oft wegen des laxen Datenschutzes kritisierten Social Networks Facebook - und nahmen es dabei offenbar mit Datenschutz und Urheberrecht selbst nicht allzu genau. Hintergrund: Durch einen Programmierfehler waren für ein paar Stunden private Fotos von Mark Zuckerberg online. Spiegel Online baute flugs eine Klickgalerie ohne Angabe eines Copyrights.

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Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Am heutigen Mittwoch berichten Spiegel Online und andere Medien über den Gründer des oft wegen des laxen Datenschutzes kritisierten Social Networks Facebook – und nahmen es dabei offenbar mit Datenschutz und Urheberrecht selbst nicht allzu genau. Hintergrund: Durch einen Programmierfehler waren für ein paar Stunden private Fotos von Mark Zuckerberg online. Spiegel Online baute flugs eine Klickgalerie ohne Angabe eines Copyrights.

Wie die meisten der weltweit inzwischen 800 Millionen Nutzer hatte Zuckerberg neben den öffentlich zugänglichen Fotos auf seiner Profilseite einen abgeschirmten Privatbereich, in dem er Bilder für Freunde postete. Zu diesen Fotos gehörte u.a. ein Schnappschuss, der den jungen Milliardär auf einer Farm mit einem geschlachteten Huhn zeigt. Nachdem die aufgrund der technischen Panne "geleakten" Bilder im Internet kursierten, griffen viele Medien das Thema auf. Bei Spiegel Online fand sich zusätzlich zum Bericht eine Klickstrecke ("Zuckerberg privat"), die neben Bildern mit Hund und Freundin auch das Foto mit dem toten Huhn enthielt. Copyright? Offenbar Fehlanzeige.
Die meisten anderen deutschen Medien begnügten sich in ihrer Berichterstattung mit einem Basis-Text der Deutschen Presse-Agentur und ein paar zusätzlichen Infos. Zur Bebilderung setzten die meisten auch auf neutrale Facebook-Optiken. RP-Online machte seinen Bericht auch mit einem Bild auf, dass aus dem privaten Fotoalbum stammen soll. Als Quelle geben die Düsseldorfer "Screenshot/Facebook" an.

Das Bild von RP-Online, genauso wie einiger Bilder bei Spiegel Online, wie auch von Bild.de oder von Mopo.de stammen nicht immer aus dem privaten Fotoalbum. Viele Bilder waren bereits vorher zu sehen. So zum Beispiel ein Bild, das den Facebook-Chef beim Spielen mit seinem Hund Beast zeigt. Es wurde bereits auf der Facebook-Seite des Vierbeiners einmal veröffentlicht.

SpOn verzichtete bei seiner ersten Klickstrecke gänzlich auf Fotocredits, die die Quelle oder den Fotografen nennen. Das ist so nicht korrekt. "Grundsätzlich gilt bei Fotos, die von Medien veröffentlicht werden, dass sowohl der Urheber, also der Fotograf, wie auch die Person, die auf dem Bild zu sehen sind, ihr Einverständnis zu einer Veröffentlichung erteilt haben müssen", erklärt der Medienanwalt Dirk-Hagen Macioszek gegenüber MEEDIA. "Ist dies nicht der Fall, verletzt eine solche Veröffentlichung die Urheber- und Persönlichkeitsrechte des Fotografen bzw. der abgebildeten Personen."

Nach Meinung des Experten könnte Zuckerberg demnach Unterlassungsansprüche und möglicherweise sogar Ansprüche auf eine Geldentschädigung geltend machen. "Der Fotograf kann Unterlassungsansprüche und Auskunftsansprüche geltend machen und eine Lizenzentschädigung fordern."

Nach zwei Stunden reagierte SpOn und baute eine neue Klickstrecke mit weniger verfänglichen Bildern zusammen. Eine Antwort auf die MEEDIA-Anfrage, ob die Hamburger denn die Rechte an den privaten Zuckerberg-Fotos hätten, steht bislang noch aus.

Ob Facebook oder Zuckerberg gegen die Hamburger vorgehen, darf allerdings bezweifelt werden. Facebook hat zur Zeit sicherlich dringendere Probleme. So geht es für das Social Network eher darum den Nutzern zu erklären, dass es sich bei der Foto-Panne nicht um einen Datenschutz-Gau, sondern nur um einen Programmier-Bug handelt. "Heute haben wir einen Fehler in einem unserer Melde-Prozesse entdeckt, der es Nutzern ermöglicht, gleichzeitig mehrere Inhalte als unangemessen zu melden", erklärt Facebook selbst das Problem. "Durch den Fehler konnte beim Melden eines Fotos jeder, unabhängig von den gewählten Sicherheitseinstellungen für die jeweiligen Fotos, eine begrenzte Anzahl der zuletzt hochgeladenen Bilder des betroffenen Nutzers einsehen."

Erst durch die losbrechende Berichterstattung merkten die US-Amerikaner den Bug und deaktivierten umgehend das System. "Wir werden es erst wieder in Betrieb nehmen, wenn wir bestätigen können, dass der Fehler behoben wurde."
PS:
Die BBC fragte Zuckerberg bevor sie die Bilder veröffentlichte. Er sagte, dass er – jetzt wo die Bilder sowieso in der Welt seien – die Copyright-Verletzungen auch nicht verfolgen werde. Damit kommen auch die Hamburger glimpflich davon.

Nachtrag 22:00 Uhr:

Auch das Bildblog hat sich noch einmal des Themas angenommen. Allerdings konzentriert sich Lukas Heinser dort auf die Bilder, die bereits bekannt waren, nicht auf die fehlenden Credits.

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