Die E-Book-Hasser von der FAZ

Die FAZ-Literaturchefin Felicitas von Lovenberg hat einen, man muss es leider so nennen, dämlichen Text zum Thema E-Books veröffentlicht. Unter der Überschrift “Nur Buch, das gibt’s nicht mehr?” kritisiert sie den Vorstoß zweier Berliner Verlage, gedruckte Bücher künftig zusammen mit der E-Book-Ausgabe zu verkaufen. Eine Initiative, der man applaudieren sollte. Die FAZ-Literatin findet dies “seltsam” und macht sich Sorgen um Profite. Die Zeitung macht schon länger Stimmung gegen E-Books.

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Die FAZ-Literaturchefin Felicitas von Lovenberg hat einen, man muss es leider so nennen, dämlichen Text zum Thema E-Books veröffentlicht. Unter der Überschrift “Nur Buch, das gibt’s nicht mehr?” kritisiert sie den Vorstoß zweier Berliner Verlage, gedruckte Bücher künftig zusammen mit der E-Book-Ausgabe zu verkaufen. Eine Initiative, der man applaudieren sollte. Die FAZ-Literatin findet dies “seltsam” und macht sich Sorgen um Profite. Die Zeitung macht schon länger Stimmung gegen E-Books.

Die Grenzen des E-Books: Lieber Totbaumbücher schenken” hieß ein FAZ-Artikel von Feuilleton-Redakteur Friedtjof Küchemann, in dem dieser beklagte, wie schrecklich unromantisch es sei, statt einem echten Buch, nur einen Code fürs Runterladen weiterzugeben. Schön gestaltete Gutscheine mit Download-Code, gebe es nämlich bisher nicht, ergaben die Nachfragen des Totbaumbuchfreundes bei einschlägigen E-Book-Händlern. Tja, aber das ist doch kein Manko des E-Books, sondern eher die typische Verschnarchtheit der Händler, die da zu beklagen ist! Nichts spräche gegen ansprechend gestaltete Gutscheine auf edlem Papier, am besten handgeschöpft der Haptik wegen, die vielleicht sogar eine Leseprobe und den Download-Code für ein E-Book enthalten. Da freut sich auch der Feuilletonist, wenn sowas unterm Baum liegt.

Ein Gespräch mit dem Wissenschaftsjournalisten Ranga Yogeshwar, der eigentlich gar kein E-Book-Gegner ist und mit Epedio.de sogar versucht, selbst in dem Geschäft mitzumischen, wurde von der FAZ tendenziös mit dem Zitat “In der Amazon-Welt geht ein Stück Kultur verloren” aufgemacht. In der Unterzeile heißt es apokalyptisch, das E-Book werde den deutschen Markt “überrollen”. Da hat ganz offenbar die nackte vor dem Neuen Angst die Feder geführt. In einem anderen Artikel wurde das Bild einer angeblich mächtigen "E-Book-Lobby" gezeichnet.

Ein Essay des Computerwissenschaftlers David Gelernter (“Für ein neues Lesen im Internet-Zeitalter”), in dem sich der Autor differenziert mit Vor- und Nachteilen, Möglichkeiten und Beschränkungen des E-Books auseinandersetzt, wird von der Redaktion unter dem vielsagenden Schlagwort “E-Book-Plage” verlinkt. Obwohl der Begriff in dem ganzen Text überhaupt nicht verwendet wird.

Aber zurück zu dem radikal rückwärts gewandten Artikel von Felicitas von Lovenberg. Sie setzt den Vorstoß der Berliner Verlage Haffmans & Tolkemitt sowie Rogner & Bernhard, ein Hardcover Print-Buch zusammen mit der E-Book-Ausgabe zu verkaufen, mit dem Motto “buy one, get the other one for free” in Beziehung. Dass der Spruch in erster Linie Assoziationen an die Fast-Food-Industrie hervorruft, wird von der Autorin vermutlich billigend in Kauf genommen.

Dann webt sie auch noch Fehler in ihren Artikel ein und beweist so, dass sie sich mit der E-Book-Thematik nur sehr oberflächlich auskennt. Das E-Book, das von der Verlags-Website runtergeladen werden kann, sei im E-Pub-Format, schreibt von Lovenberg, “das auf allen Lesegeräten funktioniert.” Stimmt nicht. Das Lesegerät Kindle des Marktführers Amazon zeigt kein E-Pub-Format an.

Aber die Hauptsache ist laut FAZ sowieso das Druckwerk, denn man hat “das Werk auch dann noch im Regal, wenn die nächste und übernächste Generation der Lesegeräte Rundumerneuerungen der persönlichen digitalen Bibliothek erfordern und alte Dateien womöglich nicht mehr gespeichert werden.” Was für ein dahergeschwafelter Quatsch! Wieso sollte eine neue Generation an Lesegeräten eine “Rundumerneuerung der persönlichen digitalen Bibliothek erfordern? Was soll das überhaupt sein, eine “Rundumerneuerung”? Meint sie ein Update? Das wäre ja wohl das kleinste Problem.

Der Verleger Till Tolkemitt hat sich für das Hardcover plus E-Book den Namen Hardcover plus ausgedacht. Und weil er der Auffassung ist, dass das E-Book heutzutage bei der Buchproduktion automatisch mit hergestellt wird, verlangt er auch keine Mehrkosten für das Hardcover plus. Applaus! Der Mann hat es begriffen! Künftig will er deshalb nur noch Print plus E-Book oder nur das E-Book mit einem Preisabschlag von 25 Prozent verkaufen. Nochmal Applaus!

Felicitas von Lovenberg hält dies allerdings für eine “seltsame Idee” und ein “wenig profitables Beispiel”. In dem von der FAZ-Redaktion falsch mit “E-Book-Plage” gelabelten Essay von David Gelernter plädiert dieser gerade für die Symbiose von gedruckten Buch und E-Book. Genau wie es die beiden Verlage Haffmans & Tolkemitt sowie Rogner & Bernhard nun umsetzen. Hoffentlich finden sie viele Nachahmer – der unqualifizierten Miesmacherei der FAZ zum Trotz.

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